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Diabetologie 7. Mai 2013

Diabetiker-Füße brauchen mehr Aufmerksamkeit

Um Amputationen zu vermeiden, ist eine besonders genaue Untersuchung vorzunehmen.

Das diabetische Fußsyndrom, an dem rund zehn Prozent der Diabetiker leiden, kann im äußersten Fall eine Amputation des Fußes notwendig machen. Diabetiker, deren Schmerzempfinden durch Nervenschädigungen bereits eingeschränkt ist, müssen deshalb spezielle Pflegemaßnahmen beachten. Ärzte wiederum sind aufgefordert, bei ihren Patienten mit Diabetes einen genauen Blick nach unten zu werfen. 2012 hat die Österreichische Diabetes Gesellschaft eine umfangreiche Leitlinie zum Thema „Diabetischer Fuß“ erarbeitet.*

Das diabetische Fußsyndrom gehört zu den schwerwiegendsten Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus. Bis zu zehn Prozent der Diabetiker leiden an einem Ulkus im Fußbereich, die Neuerkrankungsrate beim diabetischen Fußsyndrom liegt entsprechend Zahlen aus Deutschland bei bis zu 5,9 Prozent. „Das diabetische Fußsyndrom stellt die Hauptursache für nichttraumatische Amputationen der unteren Extremitäten dar, dabei werden 40–60 Prozent aller solcher Amputationen bei Diabetikern durchgeführt“, weiß Prim. Prof. Dr. Monika Lechleitner vom Landeskrankenhaus Hochzirl in Tirol und Vorstandsmitglied der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) .

Sorgfältige Pflege notwendig

Ursache für die Entstehung des diabetischen Fußsyndroms ist die sogenannte diabetische Neuropathie, die für mehr als 90 Prozent der Fußgeschwüre verantwortlich ist, und die periphere arterielle Verschlusserkrankung (PAVK), auf die sich die Hälfte der Fußulzerationen zurückführen lässt. Durch die Schädigung der peripheren Nerven wird das Temperatur- und Schmerzempfinden gemindert oder sogar ausgeschaltet. Verletzungen an den Beinen, vor allem der Füße, werden dadurch nicht mehr wahrgenommen. Eine sorgsame Hautpflege – auch zur Kontrolle der betroffenen Körperstellen – ist daher besonders wichtig. Die Füße müssen täglich auf Verletzungen und Druckstellen kontrolliert werden. Ebenso täglich ist eine Reinigung mit lauwarmem Wasser wichtig, wie auch die Pflege der Haut mit harnstoffhaltigen Cremes. Dabei muss beachtet werden, dass die Creme vollständig einzieht und keine Cremereste in den Zehenzwischenräumen verbleiben, denn dies könnte zu Pilzerkrankungen führen.

Bei einer Pediküre soll auf scharfe Gegenstände wegen der Verletzungsgefahr verzichtet werden. Deshalb sollen zum Kürzen der Nägel nur Nagelfeilen, nicht aber Nagelzwicker oder Scheren zum Einsatz kommen. Im Idealfall lässt man die Pediküre durch eine speziell für Diabetiker ausgebildete Fußpflegerin durchführen.

Geeignetes Schuhwerk

Aufgrund der Sensibilitätsstörungen an den Füßen ist es wichtig, bequeme, weite und weiche Schuhe zu tragen. Die Schuhe sollten möglichst aus Leder gefertigt sein, Gummi- oder Turnschuhe sind aufgrund der Schweißbildung nicht empfehlenswert. Vor dem Anziehen sollte man die Schuhe mit der Hand auf Unebenheiten oder Steinchen kontrollieren. Nach dem Tragen neuer Schuhe oder nach langen Fußmärschen sind die Füße auf Druckstellen oder Schwellungen zu prüfen, denn Wunden an den Füßen können bereits schon durch ein Anstoßen der Zehenspitzen im Schuh entstehen.

Um die Entwicklung eines diabetischen Fußsyndroms zu verhindern und damit auch das Amputationsrisiko zu senken, muss der Arzt bei Diabetikern eine besonders genaue Untersuchung vornehmen. Diese umfasst eine eingehende Begutachtung der Füße in Hinblick auf Hautveränderungen, Mykosen (Pilzerkrankungen), der Nagelstruktur oder orthopädischen Deformationen wie auch der Schuhe. Wichtig ist auch eine umfassende Anamnese, bei der der Arzt das Vorliegen von Schmerzen, Fehlstellungen des Bewegungsapparates, Verletzungen, schlecht heilende Wunden oder Kältegefühl abklärt. Besonderes Augenmerk muss der Arzt auf die oben erwähnten Sensibilitätsstörungen legen, denn diese erhöhen das Risiko von verletzungsbedingten Wunden, die aufgrund häufig auftretender Durchblutungsstörungen schlecht heilen. Diesbezüglich muss der Arzt auch den Patienten informieren und zur regelmäßigen Selbstkontrolle der Füße und Beine anhalten.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit absolut wichtig

Eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit von Diabetesspezialisten, Orthopäden, Dermatologen, Neurologen, Angiologen und Orthopädietechnikern ist sowohl für die Prävention des diabetischen Fußgeschwürs wie auch für die Akut- und Nachversorgung von großer Bedeutung. Amputation, Immobilität und damit starke Einschränkung in der Lebensqualität könnten durch eine Optimierung der Diabetikerversorgung und regelmäßige Kontrollen vermieden werden. Patienten mit einem Risikofuß oder mit einem aktuellen Fußgeschwür sollten an einem dafür spezialisierten Zentrum behandelt werden. Um Ausgangsdaten für gezielte Screening- und Behandlungsprogramme zu erhalten, wäre eine Erhebung von aktuellen Zahlen zum diabeti schen Fußsyndrom in Österreich wünschenswert.

* Monika Leichleitner, Heidemarie Abrahamian, Mario Francesconi: Diabetischer Fuß, in: Wiener klinische Wochenschrift, The Middle European Journal of Medicine, 124. Jahrgang, 2012, Supplement 2, Hrsg.: Österreichische Diabetes Gesellschaft, S. 39–41, © Springer-Verlag

Public Health/KK, Ärzte Woche 19/2013

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