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Diabetologie 29. April 2013

Komorbiditäten bei Diabetes vorbeugen

Von den jährlich weltweit fast vier Millionen Todesfällen durch Diabeteskomplikationen geht etwa die Hälfte auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück, betonten Experten anlässlich einer DGIM-Pressekonferenz.

Diabetes ist eine fortschreitende Erkrankung mit meist schweren Folgekomplikationen. Sehr häufig sind Makroangiopathien, die durch Arteriosklerose der Karotis, der Herzkranzgefäße und Beinarterien ein erhebliches Risiko für die Entwicklung von Schlaganfall, Herzinfarkt und Durchblutungsstörungen der Beine verursachen. An zweiter Stelle rangieren Mikroangiopathien, die zu Retinopathie, Nephropathie und Neuropathie führen. Hierzu zählt auch das „diabetische Fußsyndrom“. Insgesamt leiden etwa 65 Prozent an derartigen Folgeerkrankungen, während knapp 20 Prozent sogar mindestens zwei der genannten Komplikationen aufweisen. Hierdurch verringert sich die Lebenserwartung etwa um sechs bis sieben Jahre.

Frühzeitige Diagnose senkt Risiko für Folgeerkrankungen

Wie die Ergebnisse der großen britischen Langzeitstudie (UKPDS) eindeutig belegt haben, kann jedoch das Risiko für Folgeerkrankungen bereits durch die frühzeitige, möglichst bei Diagnosestellung einsetzende Normalisierung des Blutzuckers und des HbA1c-Wertes langfristig deutlich gesenkt werden. So reduziert sich das Herzinfarktrisiko bei den von vornherein intensiv und für ihren Blutzucker optimal behandelten Menschen mit Diabetes im Vergleich zu einer Kontrollgruppe um 14 Prozent, das Risiko für einen Schlaganfall sinkt um zwölf Prozent, Mikroangiopathien werden sogar um fast 40 Prozent gesenkt. Eine langfristige Nachbeobachtung aus dieser Studie konnte darüber hinaus belegen, dass für eine frühzeitige optimale Blutzuckerkontrolle offensichtlich ein sogenanntes „Stoffwechselgedächtnis – metabolisches Gedächtnis“ entwickelt wird, wodurch von vorneherein bezüglich ihres Blutzuckers gut eingestellte Menschen mit Diabetes einen über Jahre reichenden besseren Schutz vor der Entwicklung diabetischer Folgeerkrankungen haben. Hingegen haben aktuelle große weitere Langzeitstudien gezeigt, dass bei langjähriger Diabetesdauer die Möglichkeiten der Risikoreduktion vor allem Makropathien eingeschränkt sind.

Die Betreuung von Patienten mit Diabetes fokussiert heute auf die Realisierung einer risikoorientierten Intervention mit individualisierten HbA1c-Zielen in Abhängigkeit von der individuellen Situation der Patienten. Die bislang vorliegende Evidenz bestätigt die Forderung, rechtzeitig mit einer zielorientierten Diabetestherapie zu beginnen, und bei „Nicht-Erreichen“ der Zielwerte auch frühzeitig mit einer Insulintherapie zu starten, Zielwerte dauerhaft zu halten, um so die gefürchteten mikro- und makrovaskulären Folgeerkrankungen zu reduzieren beziehungsweise zu vermeiden.

Quelle: Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), 8. April 2013, Wiesbaden

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