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© Lilly
Die neueste Generation von Insulin-Pens: handlich und leicht wie ein Kugelschreiber.
 
Diabetologie 19. März 2013

Gerüstet für den Diabetes-Tsunami

Im Jahr 2050 wird jeder Dritte an Diabetes erkrankt sein.

Die Diabetesprognose hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm gebessert, was vor allem auf verbesserte Therapiestrategien zurückzuführen ist. Auch die Insulinapplikation hat dank moderner Devices an Schrecken verloren. Die Zahl der Patienten wird aber immer größer.

Einen regelrechten „Diabetes-Tsunami“ erwartet Prof. Dr. Guntram Schernthaner, 1. Medizinische Abteilung, Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien. Er präsentiert Daten aus dem Danish National Diabetes Register, die seines Erachtens getrost auch auf Österreich umgelegt werden können. Demnach beträgt die Lebenszeitprävalenz für Diabetes 30 Prozent. Das heißt: „Jeder Dritte von uns wird an Diabetes erkranken.“

Gründe für die Prävalenzzunahme sind nicht nur gesteigerte Lebenserwartung und Lebensstilfaktoren, sondern vor allem auch die verbesserte Behandlung: Diabetiker leben immer länger. Die Mortalität fällt stetig um vier Prozent pro Jahr. In den letzten 20 Jahren ist die kardiovaskuläre Sterblichkeit bei Diabetes um mehr als 60 Prozent gesunken. „Auch diabetische Folgeerkrankungen wie Retinopathie, Makulaödem, Niereninsuffizienz und Fußamputationen sind deutlich zurückgegangen“, berichtet Schernthaner. Dafür gäbe es jetzt andere neue Herausforderungen wie zum Beispiel die Früherkennung bestimmter Krebserkrankungen, die bei Diabetikern häufiger auftreten.

„Egal, welche Therapie man anwendet: Früher oder später wird jeder Patient insulinpflichtig“, so Schernthaner. Er hört es deshalb gar nicht gern, wenn Patienten gedroht wird: Wenn Sie sich nicht halten, werden Sie eines Tages Insulin spritzen müssen! „Zum einen fühlt sich der Patient dann wie ein Versager, wenn es einmal so weit ist, zum anderen sollte das Insulin-Spritzen nicht als Schreckgespenst hingestellt werden.“ Angst ist nicht angebracht, denn moderne Devices haben die Insulinverabreichung sehr vereinfacht.

Weg vom Schreckgespenst

Einen Blick zurück in die Geschichte der Insulinapplikation gab Dr. Helmut Brath, Gesundheitszentrum Wien Süd: „Die Entdeckung von Insulin war ein Meilenstein der Medizingeschichte. Davor war Diabetes eine tödliche Erkrankung“, so Brath.

Weil Insulin mehrmals täglich gegeben werden muss, wurde den Patienten bald die Verabreichung selbst anheim gelegt. Anfangs waren es Spritzen und Nadeln samt Sterilisationsequipment, die jeder Diabetiker zu Hause haben musste. Etwas einfacher ging es dann mit dem Palmer-Injektor, der 1955 von Charles Palmer – selbst Diabetiker – erfunden wurde. Insulinpumpen als Alternative kamen erst in den 1960er Jahren auf. Die ersten Modelle waren so groß wie ein Rucksack.

Die Einführung von Insulin-Pens in den 1980er Jahren stellte besonders für ältere Patienten eine große Vereinfachung dar. Die Pens der neuesten Generation sind noch kleiner und leichter als ihre Vorgänger und noch einfacher zu bedienen.

Für Brath sind anwenderfreundliche Devices von großer Bedeutung, denn: „Das Wichtigste bei der Insulinersatztherapie ist, dass das Insulin auch tatsächlich genommen wird.“ Braths Erfahrungen zeigen, dass unhandliche Pens zuweilen nicht überallhin mitgenommen werden, was sich dann deutlich in den Blutzuckermessprotokollen niederschlägt. „Auch Leichtgängigkeit des Pens ist ein wichtiges Kriterium: Ältere Patienten berichten, dass sie manchmal einfach nicht genug Kraft haben, um den Injektionsknopf zu drücken.“

Pressegespräch „Diabetes – Vergangenheit und Zukunft der Insulin-Injektionsgeräte“, Wien, 21.2.2013

C. Lindengrün, Ärzte Woche 12/2013

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