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Viele Patienten sind nicht sicher, wie und wo sie sich stechen sollen.
 
Diabetologie 11. Jänner 2013

Blutzucker messen, aber richtig

Bei gewaschenen Händen reicht der erste Tropfen Blut.

Viele Diabetiker messen ihren Blutzuckerspiegel selbst mit einem Messgerät, oft mehrfach am Tag. Einige, vor allem Patienten, bei denen Diabetes erst kürzlich festgestellt wurde, sind dabei unsicher: Ist der erste Tropfen Blut für die Messung „sauber“ und damit aussagekräftig genug? Was kann ich tun, um Schmerzen zu vermeiden? Muss es immer ein Stich sein oder sind schon technisch ausgereiftere Geräte auf dem Markt, die ohne Stich funktionieren?

„Immer wieder kursiert das Gerücht, dass es womöglich sicherer wäre, erst den zweiten Tropfen Blut für die Messung zu verwenden“, berichtet Prof. Dr. Andreas Fritsche, Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Das ließe sich klar verneinen. Eine Studie aus dem Jahr 2011 zeigt: Wer sich die Hände vor dem Stechen mit Wasser und Seife wäscht und gut abtrocknet, erhält mit dem ersten Tropfen Blut sogar noch etwas genauere Messwerte als mit dem zweiten Tropfen. „Der zweite Tropfen sollte nur genommen werden, wenn der Finger verschmutzt ist und es keine Möglichkeit gibt, sich die Hände zu waschen“, so Fritsche. Die Verwendung von Desinfektionsmitteln ist nicht notwendig.

Unmittelbar vor der Blutentnahme ist es sinnvoll, Arm oder Hand kurz auszuschütteln, alternativ den Finger leicht zu massieren. Das regt die Durchblutung an und erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Blutprobe. Man muss dann auch nicht so tief stechen. Extreme Temperaturen, ob Kälte oder Hitze, sollten Patienten bei der Blutentnahme möglichst meiden.

Wo sollte man stechen?

Kleiner Finger, Mittel- und Ringfinger eignen sich am besten, denn sie werden im Alltag nicht so häufig gebraucht wie Zeigefinger oder Daumen. Viele Diabetespatienten nutzen zum Stechen die vordere Fingerkuppe - dabei bieten sich die Seitenflächen der Fingerkuppe viel eher an. „Denn dort ist die Zahl der Nervenenden geringer, wodurch das Stechen weniger schmerzt“, sagt Fritsche. Gleichzeitig sind die Gefäße dort dichter, die Blutversorgung damit besser. Um den Blutstropfen zu gewinnen, sicherheitshalber nur leicht drücken. Ob zu festes Drücken den Blutzuckerwert durch Gewebewasser verfälschen kann, ist wissenschaftlich derzeit noch ungeklärt.

Wer Schmerzen vermeiden will, sollte zudem die Stechhilfe – also die Lanzette in der Stechhilfe– regelmäßig wechseln, am besten nur einmal oder wenige Male verwenden. Grund: Die Lanzette wird beim Einstechen stumpf und verletzt die Haut bei mehrmaligem Gebrauch zusätzlich. Zu häufig verwendete Lanzetten gehören zu den wichtigsten schmerzverstärkenden Faktoren. Darüber hinaus birgt eine benutzte Lanzette die Gefahr einer Infektion. Nach der Blutentnahme ist es wichtig, den Finger zu reinigen und den benutzten Teststreifen zu entsorgen.

Moderne Testgeräte benötigen heute nur noch 0,3 Mikroliter Blut für eine erfolgreiche Glukose-Messung. Zum Vergleich: In den achtziger Jahren waren noch 20 bis 30 Mikroliter notwendig. Trotz vielfältiger Bemühungen ist es jedoch bisher nicht gelungen, Geräte zu entwickeln, die im Alltag so zuverlässig messen, dass das Stechen in absehbarer Zeit durch eine unblutige Technik ersetzt werden könne. Technisch möglich, aber sehr teuer sind Stechhilfen, die nahezu schmerzfrei anwendbar sind.

Quellen:

Heinemann et al.: J Diabetes Sci Technol 2011

Hortensius et al. : Diabetes Care 2011

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