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Diabetologie 12. November 2012

Woran sterben junge Diabetiker mit „Tod-im-Bett-Syndrom“?

Möglicherweise an einem fatalen Zusammenspiel nächtlicher Hypoglykämie und subklinischer autonomer Neuropathie.

Typ-1-Diabetiker erleiden etwa dreimal häufiger einen Sekundentod als Nicht-Diabetiker.

Viele junge Diabetiker sterben nachts im Bett. Man schätzt, dass dieses „Tod-im-Bett-Syndrom“ für sechs Prozent aller Todesfälle bei Typ-1-Diabetikern unter 40 Jahren verantwortlich ist. Bei vielen Betroffenen wird bei der Autopsie eine Hypoglykämie bestätigt. Weitere Risikofaktoren sind männliches Geschlecht und Alkoholexzesse.

Wie führt Hypoglykämie zum Tod?

Wie Prof. Dr. Simon Heller, Universität Sheffield, beim Europäischen Diabetes-Kongress. ausführte, kann eine experimentelle Hypoglykämie zu einer Verlängerung des QT-Intervalls führen. Auch bei Patienten mit juvenilem Diabetes hat man solche QT-Verlängerungen im Status der Unterzuckerung beobachtet. Manche Patienten zeigen eine erhebliche Verbreiterung der QT-Strecke, die mit einem Anstieg der Plasma-Epinephrin-Konzentration einherging.

Verbreiterte QT-Strecke

Möglicherweise kommen sowohl genetische als auch äußere Faktoren zusammen, wenn eine tödliche Arrhythmie ausgelöst wird, so Heller. Das Substrat dieser Rhythmusstörung wäre dann die Kombination einer heftigen nächtlichen Hypoglykämie sowie eines nicht mehr voll funktionstüchtigen kardialen Reizleitungssystems aufgrund einer subklinischen autonomen Neuropathie.

Alternativ könnte durch den Schlaf die autonome Aktivierung gestört sein. Auch Bradykardien werden im Rahmen nächtlicher Hypoglykämien beobachtet, was den Verdacht auf einen erhöhten parasympathischen Tonus lenkt.

Wenn diese Annahmen stimmen, dann sterben die Patienten an ventrikulären Arrhythmien auf dem Boden eines verlängerten QT-Intervalls, ausgelöst durch nächtliche Hypoglykämien und autonome Neuropathie. Nun gelte es, Patienten mit diesem Risiko zu erkennen, um sie eventuell mit Defibrillatoren zu schützen.

springermedizin.de, Ärzte Woche 46/2012

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