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Diabetologie 12. November 2012

Welt-Diabetes-Tag 2012: patientenspezifische Therapie

"Europareife" für individuelles Therapie-Modell bei Diabetes und Übergewicht.


Die Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Universitätsklinik für Innere Medizin III und die Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien/AKH Wien haben in enger Kooperation ein Therapiekonzept für PatientInnen mit Diabetes und krankhaftem Übergewicht (Adipositas) entwickelt, das ganz gezielt auf die persönlichen Bedürfnisse der Betroffenen gerichtet ist. Dabei werden die PatientInnen präoperativ wie postoperativ - etwa vor und nach dem Einsetzen eines Magen-Bypass - ganz individuell betreut. Dieses Therapie-Modell wurde von der europäischen Gesellschaft für Adipositas-Studien (EASO) zertifiziert.

"Unsere Ambulanz wurde dadurch zum Adipositas-Center ernannt", sagt Bernhard Ludvik, Leiter der Ambulanz für Diabetes und Stoffwechselstörungen und der Arbeitsgruppe "Adipositas und Stoffwechsel" im AKH Wien, anlässlich des Welt-Diabetestag am Mittwoch, 14. November. "Wir dürfen damit auch die Guidelines für Österreich herausgeben, die festlegen, wie man Menschen mit diesen Erkrankungen präoperativ und postoperativ betreut. Das können nur Zentren, die eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit vorweisen können, wie das hier an der MedUni Wien und am AKH Wien der Fall ist."

Das zertifizierte Therapie-Modell lässt sich maßgeschneidert auf die einzelnen PatientInnen einstellen. Präoperativ wird analysiert, wo die Ursachen für die morbide Adipositas liegen, damit der/die Betroffene nach der Operation keine Mangelzustände erleidet, etwa beim Eisen-, Eiweiß- und Kalziumhaushalt oder bei Vitamin D. Ludvik: "Denn zum Beispiel durch einen Magen-Bypass verliert der Patient innerhalb von zwei Jahren rund 60 Prozent seines Übergewichts. Da sind Mangelerscheinungen vorprogrammiert, denen man bei genauerer Analyse vorbeugen kann."

Auch der Eingriff selbst - Kooperationspartner an der MedUni Wien/AKH Wien ist die Arbeitsgruppe Adipositaschirurgie der Chirurgischen Universitätsklinik unter der Leitung von Gerhard Prager - ist individuell auf die Bedürfnisse der PatientInnen abgestimmt: Neben dem Magen-Bypass gibt es die Möglichkeit eines Magenbands, die Sleeve-Gastrektomie (Schlauchmagenbildung) oder die so genannte biliopankreatische Diversion, durch die der Magen verkleinert wird. Dabei wird der untere Teil des Magens entfernt.

Ein ganz wichtiger Teil der postoperativen Betreuung ist ein persönliches "Trainingsprogramm", das Empfehlungen für ein geändertes Essverhalten und für körperliche Bewegung beinhaltet. Gleichzeitig werden die PatientInnen regelmäßig untersucht, um Defizite in der Ernährung und in der Versorgung von Mikronährstoffen frühzeitig zu entdecken bzw. diesen vorzubeugen. Ludvik: "Unser Ziel ist für jeden Diabetes-Patienten mit Adipositas die perfekte Therapie. Unser Modell gilt schon jetzt als Rollenmodell für die zukünftige Behandlung von PatientInnen."

Zwischen 600.000 und 800.000 ÖsterreicherInnen leiden an Diabetes. Rund 900.000 Menschen in Österreich sind adipös, also schwer übergewichtig.

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