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Diabetologie 11. Oktober 2012

Erst Hörsturz, dann Hyperglykämie

Es gibt keine klaren Vorgaben, wie glukokortikoidinduzierte Überzuckerungen behandelt werden sollten.

Schon eine Kurzzeitbehandlung mit systemischen Glukokortikoiden, wie sie bei der Therapie des Hörsturzes üblich ist, führt bei einem Großteil der Patienten zur Hyperglykämie.

Eine längerfristige Therapie mit systemischen Glukokortikoiden ist die häufigste Ursache für einen medikamentös induzierten Diabetes. Der Grund dafür: Glukokortikoide drosseln die Insulinproduktion und erhöhen gleichzeitig die Insulinresistenz. Wie sich dies bei einer Kurzzeittherapie auswirkt, haben nun Dr. Christian Rohrmeier und seine Kollegen von der Universitätsklinik Regensburg, Deutschland, untersucht.

In der retrospektiven Studie Sudden sensorineural hearing loss: systemic therapy and the risk of glucocorticoid induced hyperglycemia werteten sie die Daten von 179 Patienten aus, die in der Klinik für HNO-Heilkunde, der Klinik für Dermatologie oder der Augenklinik behandelt worden waren.

Hörsturz häufigste Indikation

Die häufigste Indikation für die Gabe von systemischen Steroiden war mit 26 Prozent ein Hörsturz gewesen (Eur Arch Otorhinolaryngol 2012, online 28. Juli).

Alle verwendeten Dosierungen wurden in Prednisolonäquivalente umgerechnet. Abhängig von der Höhe der kumulativen Prednisolondosis in den ersten drei Tagen wurden die Patienten in drei Gruppen eingeteilt: weniger als 750 mg (Gruppe 1, n = 42), 750 bis 1499 mg (Gruppe 2, n = 95) und mehr als 1499 mg (Gruppe 3, n = 42). Blutzuckermessungen an den Tagen zwei bis vier ergaben einen gestörten Nüchternblutzucker (NBZ) (100– 125 mg/dl) bei 42, 52 und 28 Prozent der Patienten in den Gruppen 1 bis 3. Ein NBZ von mindestens 126 mg/dl, der als Grenzwert für einen Diabetes gilt, hatten 28, 21 und 67 Prozent der Patienten.

Von den Patienten mit Diabetes erreichten 40 (5/12), 63 (5/8) und 100 Prozent (2/2) solch hohe Werte.

Auch kurzfristige Hyperglykämien riskant

Unter den Hörsturz-Patienten wurden bei Prednisolondosen von 750 bis 1.499 mg bei 21 Prozent der Nicht-Diabetiker und 63 Prozent der Diabetiker diabetische NBZ-Werte gemessen. Patienten, deren Hörsturz – abweichend von der Leitlinienempfehlung– mit weniger Prednisolon behandelt worden war, hatten nicht signifikant weniger Hyperglykämien.

Eine extrem hohe Hyperglykämie-Prävalenz als Reaktion auf eine Kortisontherapie ist nach Angaben der Autoren der Studie auch in anderen Studien beschrieben. Weil auch kurzfristige Hyperglykämien mit erheblichen Gefahren verbunden sind – vom erhöhten Risiko für Infektionen und Thrombosen bis zum hyperglykämischen Koma – empfehlen die Regensburger Ärzte, bei allen Patienten mit systemischer Glukokortikoidtherapie regelmäßig die Blutzuckerspiegel zu kontrollieren und gegebenenfalls zu senken. Bisher gibt es allerdings keine klaren Vorgaben, wie durch Glukokortikoide induzierte Hyperglykämien am besten zu behandeln sind; das Spektrum reicht von Lebensstiländerungen bis zu Blutzucker senkenden Medikamenten, deren Dosis vor allem bei Diabetikern angepasst werden muss. Um die Nebenwirkungen einer systemischen Kortisontherapie zu vermeiden, besteht speziell bei Hörsturzpatienten auch die Möglichkeit einer intratympanalen Injektion, wie Rohrmeier und seine Kollegen betonen.

Als gleichwertige Alternative könne die lokale Applikation derzeit aber noch nicht empfohlen werden, dafür sei die Evidenzbasis noch zu schwach.

Literatur: European Archives of Oto-Rhino-Laryngology 2012, DOI: 10.1007/s00405-012-2134-0

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