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Diabetologie 21. Juni 2012

Die heimliche Schwäche süßer Herzen

Herzinsuffizienz bei Patienten mit Typ-2-Diabetes zu selten erkannt.

Ärzte sollten bei ihren Typ-2-Diabetikern stärker auf mögliche Zeichen einer Herzinsuffizienz achten: Jeder vierte ältere Patient leidet unerkannt.

Auf die hohe Dunkelziffer von Herzschwäche bei Typ-2-Diabetikern macht eine Studie aus den Niederlanden aufmerksam (Boonman-de Winter LJM et al. High prevalence of previously unknown heart failure and left ventricular dysfunction in patients with type 2 diabetes.Diabetologia; published online 18 May 2012; DOI 10.1007/s00125-012-2579-0). Für die Untersuchung war eine repräsentative Gruppe von 605 Patienten mit gut eingestelltem Diabetes (mittlerer HbA1c 6,7 %) im Alter ab 60 Jahren rekrutiert worden. Bei 24 Patienten war bereits eine Herzinsuffizienz diagnostisch gesichert. Bei 161 der übrigen 581 Patienten (27,7 %) wurde aufgrund von Symptomen und echokardiografischem Befund eine bis dahin unbekannte Herzinsuffizienz festgestellt: 133 Patienten (22,9 %) hatten noch eine normale linksventrikuläre Auswurffraktion (LVEF), bei 28 Patienten (4,8 %) war sie bereits auf ≤45 Prozent vermindert. Damit hatte die Herzinsuffizienz insgesamt eine Prävalenz von 30,6 Prozent – etwa viermal so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung dieses Alters. In älteren Studien, die nicht immer ein Herzecho beinhalten, waren niedrigere Prävalenzraten von etwa 10 bis 22 Prozent ermittelt worden.

In der aktuellen Studie wurde außerdem bei 150 Patienten (25,8 %) eine linksventrikuläre Dysfunktion festgestellt. In fast allen Fällen (97,3 %) war nicht die Pumpfunktion, sondern die Füllungsphase gestört. Damit hatte insgesamt weniger als die Hälfte der untersuchten Typ-2-Diabetiker noch eine normale linksventrikuläre Funktion.

Mit dem Alter der Diabetiker erhöhte sich nicht nur der Anteil der Herzinsuffizienzpatienten, auch jener der nicht diagnostizierten Herzinsuffizienz stieg steil an, von 16,6 bei den 60- bis 64-Jährigen und auf 47,9 Prozent bei den über 80-Jährigen. Erwartungsgemäß litten Patienten mit einem BMI über 30 kg/m2 und Dyspnoe oder Bluthochdruck besonders häufig an einem schwachen Herzen.

Die häufigste Ursache der Herzinsuffizienz war nach Einschätzung von Experten in 82 Prozent der Fälle ein Bluthochdruck, mit oder ohne linksventrikuläre Hypertrophie. An zweiter Stelle rangierte ein früherer Myokardinfarkt (23 %).

Einmal im Jahr screenen?

Weshalb die Herzinsuffizienz so oft nicht diagnostiziert wurde, lässt sich aus dieser Studie nicht ableiten. Die Autoren betonen aber, dass Ärzte bei Typ-2-Diabetikern „immer wachsam sein müssen für Anzeichen einer Herzinsuffizienz“. Sie plädieren dafür, die Patienten jährlich per EKG und/oder Echo auf eine Herzinsuffizienz zu untersuchen. springermedizin.de/bs

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