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Auch Medizinprodukte wie Katheter und Blutbeutel stehen im Verdacht.
 
Diabetologie 30. Mai 2012

Plastik begünstigt Diabetes

Bestimmte Weichmacher in Kunststoffen, sogenannte Phthalate, fördern offenbar die Entstehung eines Diabetes mellitus Typ 2. Einer aktuellen schwedischen Studie zufolge sind Menschen mit Diabetes auffällig mit Phthalaten belastet. 

Kennzeichnungspflicht 

Prof. Dr. Dr. h.c. Helmut Schatz, Endokrinologe aus Bochum und Mediensprecher der Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE): „Man weiß heute, dass diese Stoffe die Gesundheit des Menschen schädigen. Sie sind daher innerhalb der EU etwa in Kinderspielzeug verboten.“ Für Verpackungen von Lebensmitteln wurden die Richtwerte für Phthalatgehalte inzwischen gesenkt. Aber viele Medizinprodukte wie Blut- und Infusionsbeutel, Schläuche oder Katheter enthalten noch immer Phthalate in höheren Konzentrationen. Die Stoffe lösen sich leicht aus dem Kunststoff und gelangen auf diese Weise in den menschlichen Körper. Die EU hat im März 2010 zumindest eine Kennzeichnungspflicht für Medizinprodukte, welche Di(2-ethylhexyl)-Phthalat enthalten, erlassen.

Wirkung auf Sexualhormone

Etliche Weichmacher stören als „endokrine Disruptoren“ das menschliche Hormonsystem, indem sie zum Beispiel männliche Sexualhormone hemmen. Studien aus Deutschland und den USA fanden wiederholt hormonell aktive Phthalate im Urin der Bevölkerung. Teilweise überschritten die Konzentrationen sogar die empfohlenen Richtwerte. Zudem können sich unterschiedliche Phthalate in ihrer schädigenden Wirkung steigern. Bei Männern können sie Unfruchtbarkeit fördern und bei Neugeborenen Fehlbildungen der Geschlechtsorgane hervorrufen.

Hohe Belastung bei Diabetikern

Die neue schwedische Untersuchung (Lind et al.: Diabetes Care 2012) zeigt nun einen Zusammenhang zwischen Phthalaten und Diabetes Typ 2. Die Forscher der Universität Uppsala untersuchten gut 1.000 Menschen im Alter über 70 Jahren auf die Erkrankung. Etwa jeder neunte Teilnehmer litt an einem Diabetes. Bei fast allen Patienten fanden die Forscher mindestens vier von zehn Abbauprodukten von Phthalaten. Drei dieser Metabolite gingen mit einem erhöhten Diabetesrisiko einher.

Insulinhemmung vermutet 

Die Forscher vermuten, dass die betroffenen Weichmacher den Glukosehaushalt beeinflussen. Eine kleine mexikanische Untersuchungsreihe (Svensson et al.: Environ Res 2011) wies ebenfalls auf ein erhöhtes Diabetesrisiko durch Phthalate hin. „Anscheinend hemmen bestimmte Phthalate die Bildung von Insulin“, vermutet Schatz. „Andere begünstigen dagegen vermutlich eine Resistenz gegen das Hormon. Dieser Zusammenhang muss nun möglichst rasch durch Studien geklärt werden.“

Da bestimmte Weichmacher offenbar auch andere gesundheitliche Schäden hervorrufen können, fordert die DGE, phthalathaltige Medizinprodukte durch phthalatfreie zu ersetzen.

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