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Prof. Dr. Guntram Schernthaner Vorstand 1. Medizinische Abteilung, Rudolfstiftung, Wien

 
Diabetologie 16. Mai 2012

Die Nierenfunktion beim Diabetes wichtig nehmen

Patienten erleben heute wegen erfolgreicher Diabetesbehandlung Nierenschäden.

Neue Daten zeigen, dass Folgeschäden an der Niere aufgrund eines Diabetes mellitus Typ 2 vermehrt auftreten. Paradoxerweise ist das ein Ergebnis der Erfolge der modernen Diabebetestherapie. Denn früher sind die meisten Diabetiker noch an den kardiovaskulären Folgen verstorben, bevor die Nieren geschädigt waren. Darauf wurde bei einer Veranstaltung von Boehringer Ingelheim vor Journalisten hingewiesen.

„In den vergangenen 30 Jahren kam es zu einer totalen Veränderung, die kardiovaskuläre Mortalität ist um bis zu 60 Prozent gesunken, in Dänemark sogar um 70 Prozent, so der renomierte österreichische Diabetesexperte, Prof. Dr. Guntram Schernthaner von der Wiener Rudolfstiftung. „Die Patienten leben länger. Das Nierenproblem ist heute anders als früher.

Die Niere ist jedoch neben dem Herzen das wichtigste Endorgan, das durch eine Diabeteserkrankung in Mitleidenschaft gezogen wird. Schernthaner erinnert sich, dass früher ein Drittel aller Patienten, die sich regelmäßig einer Dialyse unterziehen mussten, Diabetiker waren. Das ist heute nicht mehr so. „Wir wissen“, so Schernthaner, dass die Albuminurie und die verminderte Nierenfunktion zwei voneinander unabhängige und wichtige Prädiktoren für eine vermehrte Sterblichkeit sind, sowohl beim Typ-1- als auch beim Typ-2-Diabetes.“ Zudem ist bekannt, dass die diabetische Einstellung in allen Stadien einer chronischen Niereninsuffizienz signifikant mit der Mortalität assoziiert ist. Relativ neu ist in diesem Zusammenhang die Erkenntnis, dass die Zuckerneubildung nicht nur in der Leber stattfindet, sondern auch in der Niere.

Das Problem dabei: Ist die Nierenfunktion gestört, dann haben die Patienten eine erhöhte Hypoglykämie-Gefahr, was – bei vorwiegend älteren (siehe Abb.) – Typ-2-Diabetespatienten, mit einer ganzen Reihe von Problemen behaftet ist – etwa mit kognitiven Beeinträchtigungen durch die Unterversorgung von Hirnzellen mit Zucker in diesen kritischen Phasen der Unterzuckerung.

Pharmakokinetik

Diabetesexperte Schernthaner betont auch, dass eine gestörte Nierenfunktion deutliche Auswirkungen auf die Pharmakokinetik hat, und sich manche Medikamente anreichern. Nicht nur Antidiabetika, sondern auch bestimmte Antibiotika oder Chemotherapeutika. „Ideal ist natürlich immer“ so Schernthaner, wenn man ein Medikament hat, bei dem man keine Rücksicht nehmen muss auf eine Verschlechterung der Nierenfunkton. Das ist ein therapeutischer Vorteil.“

Ein Vorteil, der den DPP-4-Inhibitor Linagliptin von den anderen am Markt befindlichen DPP-4-Hemmern laut Schernthaner unterscheidet: Bei gleicher Effektivität bei der Senkung des HbA1c-Werts und Gewichtsneutralität ist bei einer Verringerung der Nierenfunktion keine Dosisanpassung notwendig, wie große internationale Studien ergeben haben. Und noch einen Zusatznutzen sieht der Diabetesspezialist, weil viele Diabetespatienten auch Leberprobleme haben, bei denen so manch antidiabetisches Medikament von vornherein bei der Therapiewahl ausscheidet: „Linagliptin ist nicht nur bei Niereninsuffizienz sicher, sondern auch bei Leberinsuffizienz – was in der Medizin schon relativ selten vorkommt.“

Von I. Smolek , Ärzte Woche 20 /2012

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