zur Navigation zum Inhalt
 
Diabetologie 28. März 2012

AWA: "Prekäre Versorgungssituation" bei Wundbehandlung

Fünf bis sieben Prozent der Diabetiker haben Komplikationen mit ihren Füßen. Das können Druckstellen bis hin zu nicht heilenden Geschwüren und Gangränen sein, die Amputationen notwendig machen.

Diabetischer Fuß

"Das Thema 'Diabetischer Fuß' wird in Österreich - selbst vor dem Hintergrund steigender 'Diabetikerzahlen - konsequent ignoriert", so die Experten der Österreichischen Gesellschaft für Wundbehandlung (AWA): "Wir liegen hinter anderen europäischen Ländern weit zurück. Auch die längst ausgewiesenen Mehrkosten eine verzögerten Behandlung interessieren die Instanzen nicht. Ideal wären interdisziplinäre Ambulanzen. Ohne konzertiertes Vorgehen ist hier keine relevante Verbesserung zu erwarten", stellte Gerd Köhler, Oberarzt an der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel an der Universitätsklinik für Innere Medizin in Graz.

Bedarf wäre enorm

Der Fachmann weiter: "Sinnvoll wäre die schnelle Überweisung an spezialisierte Einrichtungen mit nachfolgender Rücküberweisung der Patienten an niedergelassene Ärzte. In der Steiermark gibt es derzeit in einer Kooperation fünf solcher Zentren. Sie sind Graz-zentriert." Bei einem Bedarf von einem solchen Zentrum pro 250.000 Einwohner sollte es 32 in ganz Österreich geben. Hier wären für eine Flächendeckung noch deutliche Mängel zu identifizieren.

"Alle 30 Sekunden verliert weltweit ein Diabetiker ein Bein. (...) 75 Prozent der Amputationspatienten (in Österreich, Anm.) sind Diabetiker", stellte Gerald Zöch, Plastischer Chirurg und Generalsekretär der AWA anlässlich der Pressekonferenz fest. "So gut wie alle Instanzen des Gesundheitssystems" würden sich der Problematik verschließen. In Österreich gebe es auch keine umfassenden Daten als Basis für eine Versorgungsplanung.

Steigende Amputationszahlen

Zöch: "Die schlimmste Folge (...) sind die stetig im Steigen begriffenen Amputationszahlen (in Österreich, Anm.). Denn, wenn nicht rechtzeitig therapiert wird, ist das die unweigerliche Folge. Laut ÖSTAT hat allein von 2002 bis 2006 die Zahl der Majoramputationen (Amputation großer Teile von Extremitäten, Anm.) um zehn Prozent zugenommen." In vielen vergleichbaren Staaten Europas hätten sie abgenommen.

Versorgung gesichert

Ein anlässlich der Pressekonferenz kolportierter Stopp bei der Bezahlung von Wundbehandlung der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) wurde sowohl von der WGKK als auch von der Wiener Ärztekammer vehement bestritten. Ausgelaufen sei lediglich ein Pilotversuch mit stärkerer Vernetzung von Betreuung von Patienten mit chronischen Wunden in einem Spital in Kooperation mit speziell ausgebildeten niedergelassenen Ärzten, hieß es in einer Aussendung der Krankenkasse.

Die Wiener Ärztekammer betonte, dass die Honorarpositionen gleichgeblieben seien. Eine Versorgung außerhalb der Spitäler sei gesichert. Im vergangenen Jahr seien im Rahmen des Pilotversuchs 52 Ärzte zu "Wundmanagern" ausgebildet worden.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben