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Foto: photos.com
In einer finnischen Studie zeigten Diabetiker bedenklichen Alkoholkonsum.
 
Diabetologie 28. März 2012

Alkoholprobleme junger Diabetiker

Gemäß Daten aus Finnland steigert die Sucht bei jungen Typ-1-Diabetikern seit den 1980-er Jahren die Sterberate.

In einer Studie wurden nun Registerdaten aller 17.306 Typ-1-Diabetiker analysiert, die zwischen 1970 und 1999 in Finnland neu erkrankt waren. Die Patienten wurden in der Kohortenstudie im Mittel über 21 Jahre nachverfolgt. Dabei erhoben die Forscher die Sterberaten bei Patienten mit frühem Erkrankungsbeginn (im Alter von 0 bis 14 Jahre) und mit spätem Erkrankungsbeginn (15 bis 29 Jahre). Außerdem wurden die Todesursachen ausgewertet.

Insgesamt starben 1.338 Patienten. Die Sterberaten in den ersten 20 Jahren mit Diabetes nahmen bei den Betroffenen mit frühem Erkrankungsbeginn zwischen 1970 und 2007 ab: von 240 pro 100.000 (bei Probanden mit Diagnose 1970–74) auf 99 pro 100.000 (Diagnose 1985–89).

Die Abnahme lässt sich mit einer Verringerung der chronischen Komplikationen in den ersten 20 Jahren des Diabetes erklären. Auch in dieser Gruppe war jeder vierte Todesfall durch Alkohol und Drogen bedingt.

Bei den Patienten mit spätem Erkrankungsbeginn wuchsen die Sterberaten hingegen an, und zwar von 223 pro 100.000 (Diabetes-Diagnose 1970-74) auf 408 pro 100.000 (Diagnose 1985-89). Die Zunahme war vor allem auf Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie auf akute Diabeteskomplikationen wie Ketoazidose, Hypoglykämien und diabetisches Koma zurückzuführen. Drogen und Alkohol waren in dieser Gruppe die Ursache von 39 Prozent aller Todesfälle in den ersten 20 Jahren der Erkrankung.

Die Forscher weisen dabei auf das hohe Risiko von Depressionen bei Typ-1-Patienten hin. Die Selbstmordrate war in der Studie allerdings nur bei den Frauen im Vergleich zur Normalbevölkerung erhöht. Bei Patienten, die durch Alkohol und Drogen gestorben waren, fand sich aber oft eine Depressions-Diagnose in den Krankenakten. Fazit der Forscher: Die Daten zeigen, wie wichtig eine dauerhafte Beziehung von Ärzten zu den jungen Patienten ist. Betroffene brauchen dabei mehr Rat und Hilfe im Umgang mit Alkohol und Drogen.

Harjutsalo, V. et al.: British Medical Journal 2011; 343: d5364; doi:10.1136/bmj.d5364

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