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Besonders bei älteren Patienten auf die Folgeerkrankungen achten.
 
Diabetologie 5. März 2012

ÖDG: "Jeder Arzt sollte ein Diabetes Spezialist sein"

Die Zahl der Betroffenen steigt, die Anzahl der behandelnden Ärzte aber leider nicht.

Darauf weist die Österreichische Diabetes Gesellschaft hin. In Österreich fehlen Ausbildungsplätze für Diabetesexperten, um allen Diabetikern auch in Zukunft eine optimale Behandlung zu garantieren.

 

Neueste Erkenntnisse für alle

Weiters ist es aber auch besonders relevant, allen Ärzten aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen neueste Erkenntnisse der Diabetologie zu vermitteln, da jeder Arzt die erste Anlaufstelle für einen gefährdeten Patienten sein kann. Dadurch und mit verstärkter Bewusstseinsbildungsarbeit in der Bevölkerung will die wissenschaftliche Fachgesellschaft Österreich zu einer Modellregion in der Diabetesversorgung machen.


Mit rund 600.000 erkrankten Österreichern wird Diabetes auch in der Forschung ein hoher Stellenwert eingeräumt. Die Diabetologie kann daher in den letzten Jahren große Erfolge verzeichnen, etwa einen starken Rückgang der Sterblichkeitsrate bei kardiovaskulären Folgeerkrankungen. Diabetiker leben zudem heute wesentlich länger und erreichen oft ein hohes Alter.


Rückgang der Gefäßerkrankungen


In den letzten 20 Jahren kam es weltweit zu einem deutlichen Rückgang von Gefäßerkrankungen (vaskulären Komplikationen) bei Diabetes mellitus. "Dank einer verbesserten Diabetesaufklärung und Diabetesschulung sowie einer beträchtlichen Intensivierung der medikamentösen Therapiemaßnahmen sind solche vaskulären Komplikationen bei Diabetes zurückgegangen", so Prof. Dr. Guntram Schernthaner, Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung, Rudolfstiftung Wien, Vorstandsmitglied der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG).

So ist etwa die Sterberate aufgrund von Herz und Gefäßsystem bei Diabetes laut einer US-amerikanischen Studie um 69 Prozent und die Gesamtsterberate bei Diabetes um 40 Prozent in den Jahren 1976 bis 2001 gegenüber den Jahren 1950 bis 1975 gesunken.


Weniger Folgeerkrankungen


Die deutliche Prognoseverbesserung der Patienten mit Typ 2 Diabetes hat auch beträchtliche Auswirkungen auf die Spitalsaufnahmen und die Folgekosten. So sind etwa in England im Zeitraum 2009 bis 2010 versus 2004 bis 2005 die Spitalsaufnahmen bei Diabetespatienten für akuten Herzinfarkt um 25% zurückgegangen.

Auch das Risiko für die, bei Diabetes mitunter vorkommenden, Fußamputationen konnte eindrucksvoll gesenkt werden. So ist beispielsweise in den USA die Rate an Amputationen im Jahr 2004 gegenüber dem Jahr 2002 um 34 Prozent gesunken.

Die Augenerkrankung diabetische Retinopathie ging ebenfalls in den letzten Jahren stark zurück, einer aktuellen Studie zufolge um 50%. Die terminale Niereninsuffizienz, bei der es zu einem dauerhaften Versagen der Nierenfunktion kommt, ist bei Diabetespatienten in den USA von 1966 bis 2007 um 35 Prozent zurückgegangen. Auch das österreichische Hämodialyseregister aus dem Jahr 2010 zeigt für Österreich einen ähnlichen Trend.


Augenmerk auf ältere Patienten


Rund zwei von drei Diabetespatienten sind über 65 Jahre alt. Diabetes im Alter führt zu einem erhöhten Pflegebedarf, senkt die Lebensqualität und verringert die Lebenserwartung. Zudem spielen die Folgen des Diabetes im Alter eine nicht unbedeutende Rolle: "Es kann zu verschiedenen Folgeerkrankungen vom Schlaganfall bis zu einem erhöhten Sturzrisiko kommen, die Sterblichkeit ist erhöht, außerdem besteht das Risiko die Selbstversorgungsfähigkeit zu verlieren und somit in die Pflegebedürftigkeit zu rutschen", weiß Prof. Dr. Monika Lechleitner, Landeskrankenhaus Hochzirl, Interne Abteilung, Vorstandsmitglied ÖDG.


Bei der Diabetesbehandlung des alten Menschen spielen der Erhalt einer größtmöglichen Selbständigkeit und damit Lebensqualität sowie eine Verbesserungen geriatrischer Symptome eine große Rolle. Die Therapie sollte außerdem im Alltag leicht umsetzbar sein. Aktuellen Studien zufolge bringen die neuesten Medikamente (Inkretintherapeutika, DPP4-Hemmer) deutliche Verbesserungen für ältere Patienten. Diese Arzneimittel sind gut verträglich, führen zu einer deutlich geringeren Unterzuckerung und damit zu einer Risikominimierung für die Patienten.


Früherkennung für alle medizinischen Fächer


Der neue Präsident der ÖDG, Prof. Dr. Dr. Heinz Drexel vom LKH Feldkirch betont die Verantwortung jedes Arztes in Österreich: "Es gibt keinen praktisch tätigen Arzt, der nicht mit Diabetes konfrontiert wird! Die Vielfalt der möglichen Begleit- und Folgeerkrankungen führt dazu, dass jeder Arzt, gleich ob Augenarzt, Orthopäde oder Zahnarzt, einen wichtigen Beitrag für die Früherkennung dieser Volkskrankheit leisten kann. Aus diesem Grund ist es entscheidend, dass auf jeder Ebene der medizinischen Aus- und Weiterbildung Diabetes den entsprechenden Stellenwert erhält.


Schwerpunkt: LDL-Cholesterin


Um Österreich zu einer Modellregion in der Diabetesversorgung zu machen, hat sich die ÖDG mit ihrem neuen Präsidenten ein umfassendes Arbeitsprogramm für die nächsten zwei Jahre vorgenommen: Neben Aufklärungsarbeit durch nachhaltige und wiederholte Information der Bevölkerung und der gesamten Ärzteschaft sowie der Erarbeitung von gut verständlichen und einfachen Therapieempfehlungen steht die Prävention der Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch bessere und intensivere Behandlung des Cholesterinstoffwechsels im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Weil Cholesterin-Ablagerungen in den Gefäßen für Herzinfarkte und Schlaganfälle verantwortlich sind, sollte der Zielwert des "schlechten" LDL-Cholesterins von bisher unter 100 mg/dl auf unter 70 mg/dl gesenkt werden.

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