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Diabetologie 11. Februar 2012

E-Schulung für Diabeteskinder

Spaß und Lernen verbinden: Dissertantin der Uni Graz entwickelte neues Programm.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden in Europa rund 22,5 Millionen Menschen an Diabetes mellitus. Der richtige Umgang mit der Krankheit erhöht neben der Lebensqualität vor allem die Lebenserwartung von Patientinnen und Patienten aller Altersklassen. Neben der fachmännischen Beratung und Betreuung durch Ärzte spielen dabei vor allem gut aufbereitete Schulungsprogramme eine wichtige Rolle; sie begleiten die Betroffenen und ihre Angehörigen durch den Alltag.

 

In einer an der Karl-Franzens-Universität Graz entstandenen Dissertation beleuchtet die Psychologin Dr. Marianne König die Vorteile der von ihr entwickelten elektronischen Diabetesschulung namens „Vienna Online Diabetes Education“ (VIE-ODE) für Kinder und Jugendliche. Für ihre Studie verglich sie das elektronische System mit gebräuchlichen Unterlagen in Papierform und ging besonders auf die Bedürfnisse der Zielgruppe Kinder (12 bis 19 Jahre) ein. Auf Fragen wie: „Wieso habe ich Diabetes?“, „Wie muss ich mich ernähren?“, „Wie vertragen sich Diabetes und Sport?“, „Wie gehen Gleichaltrige mit meiner Krankheit um?“ oder „Wie sieht es als DiabetikerIn mit der Sexualität aus?“

„Mithilfe des PC-Programms finden Patienten Antworten auf Fragen, die sie vielleicht dem behandelnden Arzt nicht stellen wollen“, sagt König. Hauptberuflich ist sie in der Kinderklinik des Wiener AKH als Psychologin beschäftigt und betreut Kinder mit Diabetes. Von ihnen kam auch der Anstoß, der die Psychologin schließlich veranlasste, sich genauer mit Diabetesschulungen auseinanderzusetzen.

Betreut wurde die Dissertation am Institut für Psychologie der UniGraz von Prof. Dr. Roswith Roth. „Diese Art von Schulung sollte in Zukunft Standard für Kinder und Jugendliche mit Diabetes sein und auch handygerecht aufbereitet werden“, erklärt die Gesundheitspsychologin. Es entspreche der Tendenz, Lerninhalte jederzeit verfügbar zu haben und in motivierender Weise Spiel, Spaß und Lernen im „Edutainement“ zu verbinden, so Roth.

Interaktive Lernunterlagen

König entwickelte die „Vienna Online Diabetes Education“ auf Basis von bereits bestehenden Unterlagen und stattete das Programm mit unterschiedlichen Elementen der Wissensvermittlung aus: Multiple-Choice-Fragen, Lernfolien, Quizfragen.

Im Zentrum stehen dabei das Mikrolernen – Lernen in kleinen Blöcken – sowie die Mnemo-Technik. Die wesentliche Grundlage der Mnemotechnik besteht im Schaffen eines memorialen Systems, in dem Erinnerungen in Form von Gedächtnisbildern an imaginären Orten abgelegt werden. „VIE-ODE“ spielt sich im Innenraum und im Garten eines Hauses ab. Jeder Raum ist entsprechend seiner Funktion in der realen Welt ausgestattet und einem bestimmten Diabetes-Schulungskapitel zugeordnet, z.B. Küche – Ernährung, Garten – Bewegung. Durch diese thematische Verknüpfung der Räumlichkeiten des Hauses mit den passenden Schulungskapiteln fällt das Merken der Inhalte wesentlich leichter. Mikrolernen (microlearning) bezeichnet Lernen in kleinen Lerneinheiten und kurzen Schritten. „VIE-ODE“ bedient sich dieses Prinzips, da einerseits nur sehr kleine Lerneinheiten zur Verfügung gestellt und andererseits Lerneinheiten im Bezug auf Wiederholung und Schwierigkeitsstufe dem Lernfortschritt der NutzerInnen angepasst werden. „Eine Face-to-Face-Kommunikation wird dadurch aber keinesfalls ersetzt“, so König. Die Software kann kostenlos heruntergeladen werden. Technisch umgesetzt wurde die Software von Maturanten der HTL Pinkafeld.

 

 

http://www.meduniwien.ac.at/VIEODE/wordpress/information/

 

Universität Graz/IS, Ärzte Woche 6 /2012

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