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Diabetologie 2. Februar 2012

Stevia für Diabetiker

Das pflanzliche Süßungsmittel ist für Zuckerkranke nur bedingt empfehlenswert, urteilt die Deutsche Diabetes-Hilfe.

Stevia ist seit Dezember letzten Jahres in der EU unter der Bezeichnung „Lebensmittelzusatzstoff E 960“ zugelassen. Das pflanzliche Süßungsmittel hat eine zweihundert- bis dreihundertfach höhere Süßkraft als Saccharose und ist nicht kalorienhältig. Damit könnte Stevia für Menschen mit Diabetes eine Alternative zu Haushaltszucker und synthetischen Süßstoffen darstellen. Allerdings sei eine Überdosierung mit unklaren Folgen leicht möglich.

Nur bedingt empfehlen deshalb diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) Stevia für Menschen mit Diabetes, wie sie in einer Stellungnahme betonen.

 

Die Europäische Kommission hat Steviolglycoside, „Stevia“ genannt, als Süßungsmittel zugelassen. Es wird aus der Pflanze Stevia rebaudiana gewonnen, die auch als „Süßkraut“ oder „Honigkraut“ bekannt ist. Stevia wird nach dem Verzehr nicht als Nährstoff über Magen und Darm in den Blutkreislauf aufgenommen, sondern gelangt erst im Dickdarm über die Pfortader in die Leber, wird dort umgewandelt und als Steviolglucuronid über den Harn ausgeschieden.

Der Verzehr von Stevia gilt bei Einhaltung der duldbaren Tagesdosis (ADI) von vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag als unbedenklich. Stevia ist weder kariesfördernd noch krebserregend, schädigt nicht das Erbgut und stört auch nicht die Fruchtbarkeit oder Entwicklung des Ungeborenen. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass Stevia blutdrucksenkend wirkt. Zum Einfluss von Stevia auf den Blutzuckerspiegel stehen endgültige klinische Studien noch aus.

Stevia – E 960

Steviolglycoside sind als Lebensmittelzusatzstoff E 960 unter anderem in Speiseeis, Zubereitungen aus Obst und Gemüse, Konfitüren und Gelees, Süßwaren oder Knabbereien auf Kartoffel-, Getreide-, Mehl- oder Stärkebasis erlaubt. Stevia ist im privaten Haushalt als Flüssigkeit, Pulver oder Tablette anwendbar. Unmittelbar nach der Zulassung kam bereits das erste mit Stevia gesüßte Erfrischungsgetränk auf den Markt.

Obwohl die Deutsche Diabetes-Hilfe ein höheres Angebot an kalorienreduzierten Getränken und Lebensmitteln grundsätzlich positiv bewertet, seien drei Aspekte kritisch zu beurteilen, so Prof. DDr. Hans-Georg Joost, Wissenschaftlicher Vorstand am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DifE): „Die Gefahren durch ein Überdosierung von Stevia sind noch ungeklärt und die Geschmacksschwelle für ‚süß’ bleibt durch den unkontrollierten Einsatz von Süßstoffen weiterhin hoch.“

So wird in der Stellungnahme darauf hingewiesen, dass mit Stevia gesüßte Lebensmittel für Menschen mit Diabetes nur bedingt zu empfehlen sind. „Mit Stevia gesüßte Fertigprodukte und voraussichtlich auch Getränke sind nicht notwendigerweise gesünder. Wie auch bei Produkten mit herkömmlichen Süßstoffen sollte beim Verbraucher nicht der Eindruck entstehen, dass solche Lebensmittel unbedenklich konsumiert werden können, da sie vermeintlich keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel oder das Gewicht haben“, so auch Elisabeth Schnellbächer, Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe (VDBD).

Nach Meinung der Experten sollten Menschen mit Diabetes Kuchen und andere Lebensmittel mit ungünstigen Nährwertprofilen generell nur in geringen Mengen verzehren, egal, ob mit Stevia, einem anderen Süßstoff oder Haushaltszucker zubereitet. Süßstoffe sollten – wenn überhaupt – nur maßvoll verwendet werden, um das Verlangen nach Süßem nicht noch durch Gewöhnung zu steigern.

diabetesDE/IS, Ärzte Woche 5 /2012

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