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Foto: photos.com / Ärzte-Woche-Montage
Telekom-Anbieter entdecken zunehmend chronisch Kranke als Kunden. Das Telemonitoring von Diabetikern kann das Arzt-Patienten-Verhältnis vertiefen.
 
Diabetologie 2. November 2011

Diabetes-Management über Mobilfunknetze

Die moderne Informationstechnologie ermöglicht einen neuartigen Kontakt zwischen Arzt und Patient. Die medizinische Behandlung kann sie aber nicht ersetzen.

Die Prävalenz von Diabetes erreicht in der westlichen Welt Werte von über zehn Prozent. Spätschäden sind nicht nur medizinisch herausfordernd, sondern die mikro- und makrovaskulären Auswirkungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit, hochgradige Nierenfunktionsstörung und Netzhautschäden belasten auch das Gesundheitsbudget zu deutlich mehr als zehn Prozent.

 

Viele prospektive Studien haben gezeigt, dass eine intensive und letztlich auch erfolgreiche Blutzuckerkontrolle im Stande ist, alle klinischen Endpunkte signifikant positiv zu beeinflussen.

Der Typ-1-Diabetes ist jene Form der Zuckerkrankheit, von der auch Kinder betroffen sind. Eine regelmäßige Kontrolle des Blutglukosespiegels ist speziell hier unabdingbar, um einerseits ausgedehnte Hyperglykämien und andererseits entsprechende Spätschäden zu verhindern. Aber auch hypoglykäme Zustände gilt es zu verhindern, da diese ebenfalls eine eminente klinische Gefahr darstellen.

Bei Typ-2-Diabetikern, speziell bei jenen, die nicht insulinbedürftig sind, ist eine sehr engmaschige Kontrolle zwar nicht immer notwendig, aber auch hier ist eine Therapiekontrolle hilfreich, denn Hyperglykämien sind beim älteren Patienten keineswegs ungefährlich. Die Gefahr der Dehydratation und damit verbunden von Sehstörungen und kognitiven Beeinträchtigungen nimmt linear mit dem Blutzuckerspiegel zu.

Blutzuckermessung

Eine regelmäßige Blutzuckermessung ist erst dann als solche sinnvoll, wenn die Messergebnisse auch protokolliert werden. Diese Notwendigkeit kann in verschiedenen Situationen schwierig zu erfüllen sein.

In der Adoleszenz beispielsweise kann die wachsende Autonomie der betroffenen jungen Patienten mit der verordnungskonformen Protokollierung der Blutzuckermessungen konkurrieren. Dies führt häufig dazu, dass pubertierende Tp-1-Diabetiker schlecht eingestellt sind, da entweder diätetische oder pharmakologische Vorgaben nicht umgesetzt oder in zu geringem Ausmaß befolgt werden.

Auch beim älteren Typ-2-Diabetiker kann die Protokollierung besonderen Schwierigkeiten unterworfen sein. Oft ist das Sehvermögen vielleicht noch ausreichend, um eine Blutzuckermessung vorzunehmen, aber nicht mehr dafür, das Ergebnis auch aufzuschreiben.

Telemonitoring

Seit den 1980er-Jahren gibt es Programme, die von der Europäischen Union unterstützt werden, um telemedizinische Systeme auf deren Praktikabilität zu untersuchen.

Neben herzinsuffizienten oder hypertensiven Patienten zählen auch diabetische Patienten zur Zielgruppe Nummer eins für den Einsatz der Telemedizin. Verschiedene telemedizinische Lösungsansätze wurden in der Vergangenheit untersucht. Diesbezüglich unterscheidet man verschiedene Bereiche.

Das Telemonitoring versteht sich als Fernüberwachung eines oder mehrerer Patienten durch den betreuenden Arzt oder ein telemedizinisches Zentrum. Auch die Einsicht von Angehörigen in diese Datenübermittlung ist im weitesten Sinne Telemonitoring.

In den vergangenen zehn Jahren hat das Internet und letztlich auch der Mobilfunk unsere Kommunikation von Grund auf verändert. Kaum jemand verzichtet noch auf Mobiltelefon oder Internetanschluss. Dieses Faktum kann natürlich auch zu medizinischen Zwecken genutzt werden. So gibt es mehr oder weniger ausgereifte Systeme, die sich der Kurznachrichten-Funktion der modernen Mobiltelefone bedienen, um Blutdruck oder auch Blutzuckerwerte einem betreuenden Mediziner oder einem telemedizinischen Zentrum zu übermitteln. In der Vergangenheit war allerdings eine aktive Eingabe am Endgerät notwendig, um auch korrekte Übertragungen zu bewerkstelligen. Die moderne Schnittstellentechnik ermöglicht nun eine vollautomatische Übermittlung von Messergebnissen an diverse Endgeräte. Auch der verschlüsselte und somit gesicherte Versand von Messergebnissen konnte mittlerweile weitgehend automatisiert werden.

Neuere Systeme ermöglichen eine zentrale Speicherung von entsprechenden Messergebnissen und auch einen Passwort-geschützten Serverzugriff sowie Einblick in die auch grafisch aufbereiteten Daten. Es ist sogar möglich geworden, dass diese Ergebnisse nicht nur gespeichert werden, sondern dass im Bedarfsfall, wenn beispielsweise gewisse Messwertgrenzen überschritten werden, Nachrichten an vorher determinierte Kontakte versandt werden.

Zusammenfassung

Die moderne Kommunikationstechnologie birgt die Möglichkeit, Patienten und betreuende Ärzte einander näherzubringen. Selbst wenn kein physischer Kontakt zustandekommt, wird durch verschiedene Archivierungs- und Aufbereitungstools eine individuellere und auch bedarfsorientierte Behandlung ermöglicht. Kritisiert wird hierbei allerdings, dass durch diese Systeme eine gewisse Sicherheit suggeriert wird, die nicht zu halten ist.

Es bleibt unbestritten, dass eine umfassende Betreuung, sei es nun in der realen Welt oder eben virtuell, nicht kostenlos sein kann. Nun scheint wohl der Kostenträger am Zug, um zu klären, ob diese Systeme eine Refundierung verdienen oder nicht. Es ist allerdings ärztliche Pflicht, Patienten bei der Auswahl entsprechender Systeme dahingehend zu beraten, dass diese Tools keinesfalls eine medizinische Behandlung ersetzen, sondern nur vertiefen und damit verbessern können.

 

 

Prof. Dr. Wolfgang Mlekusch ist an der Abteilung für Innere Medizin des Landesklinikums Thermenregion Mödling, Niederösterreich, tätig.

 

Der Originalartikel inklusive Literaturquellen ist erschienen im Magazin Wiener Medizinische Wochenschrift 7/2011.

© Springer-Verlag, Wien

Von W. Mlekusch , Ärzte Woche 43 /2011

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