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Diabetologie 11. Oktober 2011

Gestationsdiabetes

Mit Metformin den Schwangerschafts-„Zucker“ effektiv behandeln.

Eine kürzlich veröffentlichte Metaanalyse hat gezeigt, dass der Gestationsdiabetes mit dem oralen Antidiabetikum Metformin häufig ebenso gut therapiert werden kann wie mit Insulin. Dieses Ergebnis wurde beim Jahreskongress der European Association for the Study of Diabetes in Lissabon präsentiert.

Mit der sprunghaften Zunahme der Adipositas wird auch der Schwangerschaftsdiabetes immer häufiger. In Europa muss etwa bei zwei bis fünf Prozent aller Schwangerschaften mit dieser Komplikation gerechnet werden, berichtete Robert Fraser von der Universität Sheffield, England.

Gestationsdiabetes darf laut Fraser auch bei milder Ausprägung nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Die Stoffwechselstörung prädestiniert für eine Reihe von Komplikationen sowohl der Mutter als auch des Kindes, z. B. kindliche Makrosomie, Hypoglykämien unter der Geburt und fetalen Hyperinsulinismus. Mütter mit Gestationsdiabetes entbinden häufiger per Sectio. Kinder aus solchen Schwangerschaften haben ein erhöhtes Diabetesrisiko später im Leben. In der HAPO-Studie zeigte sich, dass jede dieser Komplikationen kontinuierlich mit dem mütterlichen Nüchternblutzuckerspiegel ansteigt, ebenso bei den Werten eine und zwei Stunden nach einem oralen Belastungstest mit 75 Gramm Glukose.

Komplikationen verhindert

Kann die Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes perinatale Komplikationen verhindern? Dazu wurden zwei Studien durchgeführt. Eine gemeinsame Betrachtung von ACHOIS aus dem Jahr 2005 und der Maternal-Fetal Medicine Units Network Trial von 2009 zeigt eine signifikante Verringerung von Präeklampsiefällen aufgrund der Behandlung des Gestationsdiabetes. Die Therapie mindert die Risiken für Makrosomie und Schulterdystokie.

In der Therapie des Gestationsdiabetes stehen Diät, körperliche Aktivität und Gewichtsreduktion im Vordergrund. Fraser betonte, dass eine Ernährungsweise mit niedrigem Glykämischen Index positive Ergebnisse zeigte. So hätte eine randomisierte Untersuchung einer Diät mit niedrigem Glykämischen Index im Vergleich mit einer konventionellen und ballaststoffreichen Ernährung von Moses et. al. im Jahr 2009 ergeben, dass in der Niedrig-GI-Gruppe nur halb so viel Insulin benötigt wurde wie in der Vergleichsgruppe.

Medikamentöse Behandlung

Für die medikamentöse Therapie wird Metformin oder Glibenclamid empfohlen, bei Frauen mit Gewichtsproblemen eher Metformin. Orale Antidiabetika sind einer Insulintherapie bei Gestationsdiabetes bezüglich Stoffwechselkontrolle oder Verhinderung von neonatalen Komplikationen ebenbürtig, so das Ergebnis einer aktuellen Metaanalyse.

Wann ist Screening sinnvoll?

Die Kosteneffektivität von Screening und Behandlung des Gestationsdiabetes wurde vor kurzem in einer Arbeit von Round und Kollegen in Diabetologia, dem Journal der EASD, thematisiert. Auf der Basis von zwei randomisierten kontrollierten Studien untersuchten sie den finanziellen Vorteil in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit einer Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes. Demnach lohne sich ein systematisches Screening, wenn das individuelle Risiko größer als 4,2 Prozent ist, berichtete Fraser. Im Risikobereich zwischen ein und 4,2 Prozent sei ein Vorgehen kosteneffektiv, bei dem die Nüchternplasmaglukose bestimmt wird und nur bei auffälligen Werten ein oraler Glukosetoleranztest erfolgt. Liegt das individuelle Risiko unter einem Prozent, sei ein Screening nicht kosteneffektiv.

 

EASD/Springermedizin.de/IS, Ärzte Woche 41 /2011

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