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Diabetologie 11. Oktober 2011

Blutdrucksenkung bei Diabetes

130 mmHg – und nicht tiefer.

Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 mit Hypertonie ist ein systolischer Blutdruck im Bereich von 130mmHg bis 135 mmHg als Zielwert für die Blutdrucksenkung völlig ausreichend. Eine noch stärkere Verringerung des Blutdruckwerts kann nach den Ergebnissen einer neuen Metaanalyse zwar im Einzelfall das Schlaganfallrisiko weiter reduzieren – sie erhöht aber auch das Risiko schwerer Nebenwirkungen.

 

Patienten mit Typ-2-Diabetes und zu hohem Blutdruck haben ein hohes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Nach der Devise „je tiefer, desto besser“ wurde bei ihnen deshalb bis vor kurzem eine relativ aggressive Senkung des Blutdrucks auf Werte unter 130 : 80 mmHg empfohlen.

Diese Empfehlung gründet auf einem Experten-Konsensus, aber nicht auf wissenschaftlicher Evidenz. Studiendaten, die diese Empfehlung stützen, gibt es nicht: Mit den empfohlenen niedrigen Zielwerten ging man mutig über das hinaus, was in Studien selbst bei Patienten mit „intensiver“ Therapie je an Blutdrucksenkung erreicht worden war.

Aggressive Blutdrucksenkung hatte keinen relevanten Nutzen

In der ACCORD-Studie ist es dann gelungen, den systolischen Blutdruck von Typ-2-Diabetikern auf ein den Empfehlungen entsprechendes Niveau zu senken (119 mmHg mit intensiver Therapie, 133,5 mmHg mit der Standardtherapie). Einen relevanten Nutzen hatte die aggressivere Blutdrucksenkung nicht: Die Rate kardiovaskulärer Ereignisse wurde im Vergleich zur Standardtherapie (Zielwert < 140 mmHg) nicht weiter reduziert.

Die europäischen Hypertonie-Leitlinien sehen daher weniger scharfe Zielblutdruckwerte vor. Es wird bei Diabetikern ein Zielkorridor von 130 – 139 / 80 – 85 mmHg empfohlen, wobei das Optimum im unteren Bereich liegt.

Eine aktuelle Metaanalyse der Arbeitsgruppe um den Hypertonie-Experten Prof. Dr. Franz Messerli aus New York hat die gepoolten Daten von 13 randomisierten klinischen Studien ausgewertet, an denen insgesamt 37.736 Patienten mit Typ-2-Diabetes oder gestörter Glukosetoleranz beteiligt waren. In allen Studien ist jeweils eine intensivere systolische Blutdrucksenkung (≤ 135 mmHg) mit einer weniger intensiven Therapie (≤ 140 mmHg) verglichen worden. Die intensivere Blutdrucksenkung war mit einer Reduktion der Gesamtsterberate um zehn Prozent und der Schlaganfallrate um 17 Prozent im Vergleich zur Standardtherapie assoziiert. Dieser Nutzen war überwiegend in Studien zu beobachten, in denen der erreichte systolische Blutdruckwert im Bereich zwischen 130 und 135 mmHg lag.

Stärkere Senkung problematisch

Bei noch stärkerer Senkung (≤ 130 mmHg) wurde zwar das Schlaganfallrisiko, nicht aber das Risiko für kardiale, renale oder mikrovaskuläre Ereignisse weiter reduziert.

Der Preis für die noch stärkere Verringerung der Zahl der Schlaganfälle war allerdings eine deutliche Zunahme schwerwiegender unerwünschter Wirkungen.

Messerli und seine Kollegen halten deshalb systolische Zielwerte im Bereich zwischen 130 und 135 mmHg bei dem meisten Diabetikern für das Optimum bei der Blutdruckeinstellung. Nur bei Patienten mit besonders hohem Schlaganfallrisiko könne eine Reduktion auf 120 mmHg erwogen werden.

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