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Foto: MedEvent Gligorow GmbH/ APA-Fotoservice/Preiss
Dr. Peter Bernecker Ärztlicher Leiter am Pflegewohnhaus Leopoldstadt mit sozialmedizinischer Betreuung
 
Diabetologie 11. Oktober 2011

Männer fordern Gleichberechtigung

Im Bereich Osteoporose sind männliche Patienten unterversorgt.

Jede zweite Frau, aber auch jeder vierte Mann über 80 Jahre erleidet eine osteoporotische Fraktur. Frauen wissen, dass sie ab einem Alter von 65 Jahren zur Knochendichtemessung gehen sollen. Männern über 70 wird das nicht vermittelt.

 

Weder in der Erforschung pathophysiologischer Mechanismen noch in der Erforschung von Therapeutika werden die gleichen Standards angewandt wie bei der postmenopausalen Osteoporose der Frau. „So gibt es keinerlei Daten, ob die für die Osteoporosetherapie bei der Frau eingesetzten Therapeutika bei Männern auch nur eine einzige Fraktur verhindern“, so Dr. Peter Bernecker, 1. Interne Abteilung und Ärztlicher Leiter am Pflegewohnhaus Leopoldstadt mit sozialmedizinischer Betreuung anlässlich einer Pressekonferenz zum 10. Wiener Osteoporosetag. „Letztendlich wissen wir nur, dass die sekundäre Osteoporose bei Männern deutlich häufiger als bei Frauen auftritt und Alkohol sowie Hypogonadismus nicht selten die Ursache sind.“

Risikofaktor Diabetes

Der stärkste Risikofaktor für die Entstehung einer osteoporotischen Fraktur ist mit Abstand das Alter. Daraus kann umgekehrt abgeleitet werden, dass die Behandlung älterer Menschen eine erhöhte Wichtigkeit besitzt, da hier die Behandlungserfolge besser zur Wirkung kommen. Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist eine ausreichende Kalzium- und Vitamin-D-Substitution.

Ein weiterer Risikofaktor für Osteoporose sind rheumatische Erkrankungen, einerseits durch die Behandlung mit Kortison als kortisoninduzierte Osteoporose, aber andererseits auch durch die entzündliche Aktivität an sich: Chronische Entzündung im Körper führt zu Knochenverlust. Auch nach Einführung der Biologicals und damit der Verringerung der Kortisondosen bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen bleibt das Risiko hoch – übrigens ebenfalls bei der chronisch–obstruktiven Lungenerkrankung, die auch mit erhöhtem Osteoporoserisiko einherzugehen scheint. „Daher sollte bei allen chronisch entzündlichen Erkrankungen eine rechtzeitige Diagnostik und Therapie bedacht werden“, so Bernecker.

Risiko für Knochenfrakturen 1,4 – 1,7-fach erhöht

Ebenso haben Patienten mit Diabetes mellitus ein erhöhtes Risiko für Knochenfrakturen im Vergleich zur nicht diabetischen Population. Der Wert für die Knochendichte ist bei diesen Patienten jedoch nicht besonders aussagekräftig. So wurde in einer rezenten Studie trotz höherer Knochendichte in der Hüfte ein 1,4-fach erhöhtes Risiko für Hüftfrakturen festgestellt. Eine Metaanalyse zeigte, dass sich das Hüftfraktur-Risiko sogar auf das 1,7-fache erhöhte.

Auch das Risiko für Wirbelfrakturen ist bei diabetischen Patienten signifikant erhöht, obwohl auch in diesen Bereichen keine konsistente Relation mit der Knochendichte festgestellt werden konnte. „Es handelt sich also offenbar um ein qualitatives und nicht um ein quantitatives Knochenproblem“, betonte Dr. Heidemarie Abrahamian, Leiterin der Internen Abteilung des Sozialmedizinischen Zentrums Baumgartner Höhe Otto-Wagner-Spital und Pflegezentrum.

Die Erhebung der genauen Krankengeschichte ist daher bei diesen Patienten sehr wichtig und es sollte immer nach erlittenen Knochenfrakturen gefragt werden, da auch hinreichend dokumentiert ist, dass bestimmte blutzuckersenkende Medikamente den Knochenstoffwechsel beeinflussen. So war das Risiko für Knochenfrakturen unter Glitazontherapie bei Frauen deutlich erhöht. Auch Insulin dürfte direkte und indirekte Effekte auf den Knochen haben. Eine aufbauende Wirkung wird diskutiert. Ebenso wird der Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin-D-Spiegeln bei Patient mit Diabetes und Knochenfrakturen derzeit untersucht. FH

 

Quelle: Pressekonferenz „Sekundäre Osteoporose: Ein vernachlässigtes Rikiso“, 7. Oktober 2011, Wien.

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