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Diabetologie 1. Juli 2011

Qualität der Versorgung von österreichischen Diabetikern, die zur Teilnahme an einem DMP bereit waren – Ausgangsdaten

HINTERGRUND: Diabetes mellitus Typ 2 stellt weltweit eine bedeutende Herausforderung für Gesundheitssysteme dar. Die Versorgung von Diabetikern ist nicht optimal. Disease Management Programme (DMPs) wurden entwickelt um diese Versorgungsdefizite zu überwinden, jedoch ist die Datenlage hinsichtlich der Effektivität von DMPs nicht schlüssig. Eine mögliche Ursache für die Inkonsistenz der gemessenen Effekte könnte Selektionsbias sein. In freiwillige Programme werden vermutlich eher hochmotivierte Patienten eingeschlossen, die den Diabetes bereits relativ gut unter Kontrolle haben. Wohingegen andere Programme, die speziell auf Diabetiker mit schlechter metabolischer Kontrolle abzielen, möglicherweise aufgrund von Regression zur Mitte größere Effekte aufzeigen. Aus diesem Grund untersuchten wir die Ausgangsdaten und die Versorgungsqualität von Patienten, die zum Eintritt in das DMP "Therapie Aktiv" für Typ 2 Diabetes bereit waren. METHODEN: Die Studie wurde allen Allgemeinmedizinern und Internisten in Salzburg angeboten. Es sollten alle Patienten mit Diabetes Typ 2 nach den WHO/ADA Kriterien rekrutiert werden, die zur Teilnahme am DMP bereit waren. Daten hinsichtlich metabolischer Kontrolle, medikamentöser Therapie, kardiovaskulären Risikofaktoren und diabetischen Spätkomplikationen wurden von allen Patienten erfasst und hinsichtlich Defiziten in der Versorgung analysiert. ERGEBNISSE: Von 92 Ärzten wurden insgesamt 1489 Patienten (mittleres Alter 65,4 ± 10,4 Jahre; 47,8 % weiblich) rekrutiert. 24,3 % aller Patienten (28,3 % der Männer und 20,1 % der Frauen) hatten mindestens eine diabetesassoziierte Spätkomplikation, mit einer signifikant höheren Rate an kardiovaskulären Komplikationen in der männlichen Studienpopulation. 80,7 % aller Patienten standen unter Medikation mit oralen Antidiabetika, Insulin oder einer Kombination aus beidem. Hinsichtlich der Versorgungsqualität fanden sich 5 % aller Patienten mit einem HbA1c Wert über 7,5 % gänzlich ohne antidiabetische Medikation. 15,3 % der Studienpopulation mit erhöhten Blutdruckwerten hatte keine antihypertensive Therapie und 36,6 % der Studienteilnehmer mit manifester kardiovaskulärer Erkrankung standen nicht unter Therapie mit Statinen. SCHLUSSFOLGERUNG: Die Resultate unserer Studie zeigen auf, dass ein Großteil der Patienten leitliniengerecht behandelt wird. Dennoch bestehen Defizite in der Diabetikerversorgung und damit ein mögliches Verbesserungspotential durch die Implementierung eines DMPs.

Maria Flamm, Henrike Winkler, Sigrid Panisch, Peter Kowatsch, Gert Klima, Bernhard Fürthauer, Raimund Weitgasser, Andreas C. Sönnichsen, Wiener klinische Wochenschrift 13/14/2011

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