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Diabetologie 21. Juni 2011

Wo Zucker ist, kommt oft Krebs

Über die Ursachen für das erhöhte Risiko herrscht noch Unklarheit.

Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 haben ein erhöhtes Krebsrisiko. Dass Übergewicht, insbesondere Bauchfett, das Risiko sowohl für Diabetes Typ 2 als auch für Krebs steigert, ist erwiesen. Die genauen Zusammenhänge zwischen der Stoffwechselerkrankung und Krebs sind jedoch bislang unklar. Über den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung diskutierten Experten auf der diesjährigen Tagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG), die vom 1. bis 4. Juni 2011 im Congress Centrum Leipzig stattgefunden hat.

 

Das Risiko, an Darm-, Leber-, Bauchspeicheldrüsen-, Nieren-, Brust- und Gebärmutterkrebs zu erkranken, ist für Diabetespatienten erhöht. Schon vor der klinischen Manifestation des Diabetes mellitus ist ihr Krebsrisiko gegenüber dem der Normalbevölkerung um das 1,7-fache erhöht, so das Ergebnis der „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“-Studie (EPIC).

Hohe Insulinspiegel – hohes Krebsrisiko?

Einige Wissenschaftler vermuten, dass der über Jahre hinweg erhöhte Insulinspiegel – hervorgerufen durch die Insulinresistenz – für das erhöhte Krebsrisiko verantwortlich ist. Hohe Insulinspiegel können den Rezeptor für den sogenannten „Insulin-like growth factor“ (IGF) aktivieren, der wiederum die Zellteilung im Gewebe anregt und so das Tumorwachstum fördern könnte. Doch bewiesen ist das nicht. Einige Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen IGF und Krebs – andere nicht.

Insulintherapie ursächlich beteiligt?

Unzureichend ist aus wissenschaftlicher Sicht auch die Datenlage zum Thema Insulintherapie und Krebsrisiko. Zwar hatte eine Datenanalyse von etwa 130.000 Patienten in Deutschland 2009 einen Zusammenhang zwischen der Anwendung des Insulinanalogons Glargin und der Entstehung von Krebs gefunden. Das Ergebnis des Wissenschaftlichen Instituts der AOK und des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen wurde jedoch in anderen großen Untersuchungen nicht bestätigt.

„Es gibt derzeit keinen verlässlichen Hinweis, dass Insulin oder ein Insulinanalogon die Krebshäufigkeit erhöht“, so Prof. DDr. Hans-Georg Joost, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam – Rehbrücke (DIfE).

Ein Zusammenhang zwischen Diabetes, Adipositas und Krebs ist indes unumstritten: Übergewichtige Menschen mit großem Bauchumfang, so zeigen zahlreiche Studien, haben sowohl ein erhöhtes Diabetes- als auch ein erhöhtes Krebsrisiko. Wer Gewicht verliert, kann – auch als Diabetiker – die Krebsgefahr senken. „Die Gewichtskontrolle sollte immer Bestandteil der Therapie sein“, fordert deshalb Joost. Dabei gehe es vor allem darum, das Bauchfett zu reduzieren. Sowohl eine gesunde Ernährung als auch regelmäßige Bewegung können dazu beitragen.

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