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Diabetologie 13. April 2011

Schneller zuckerkrank

Beschleunigte Entwicklung von Typ-1-Diabetes vom Beginn der Inselautoimmunität bis hin zur Erkrankung.

Diabetes mellitus Typ 1 ist mittlerweile die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Bei kleinen Kindern nimmt die Zahl der Neuerkrankungen besonders stark zu – es stellt sich die Frage, wie es dazu kommt. Eine mögliche Erklärung wäre das gehäufte Auftreten von Inselautoimmunität, eine andere eine verkürzte Phase der Inselautoimmunität vor der Erkrankung an einem Diabetes mellitus vom Typ 1.

Die Entstehung von Typ-1-Diabetes ist gekennzeichnet durch das Auftreten von Antikörpern, die gegen Bestandteile der insulinproduzierenden Zellen gerichtet sind, die Autoantikörper. Dieser Prozess der Inselautoimmunität bewirkt die Zerstörung der Insulin produzierenden Zellen und geht der Erkrankung Diabetes mellitus Typ 1 voraus.

Vergleich zeigt Anstieg

Eine vergleichende Untersuchung der BABYDIAB- und der TEDDY-Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler, Lehrstuhl Diabetes und Gestationsdiabetes an der ,Technischen Universität München, Deutschland, kommt nun zu eindeutigen Ergebnissen: Die Zahl der Kinder, die im Rahmen der durchgeführten Studien vor dem Alter von vier Jahren an Typ-1-Diabetes erkrankten, stieg im Verlauf der vergangenen zwanzig Jahre von 2,5 Prozent auf 6,2 Prozent. Die Häufigkeit, bis zu diesem Alter Inselautoantikörper entwickelt zu haben, war jedoch in beiden Studien vergleichbar.

Kinder, die in der BABYDIAB-Studie erfasst wurden, kamen zwischen den Jahren 1989 und 2000 auf die Welt, diejenigen, die an der TEDDY-Studie teilnahmen, wurden erst zwischen 2004 und 2010 geboren.

Die Ergebnisse: 50 Prozent der Kinder der BABYDIAB-Studie, die Inselautoantikörper entwickelten, erkrankten innerhalb eines Zeitraums von 85,2 Monaten an Typ-1-Diabetes. Bei Kindern der TEDDY-Studie betrug dieser Zeitraum lediglich 9,6 Monate.

Die untersuchten Kinder wiesen keine Unterschiede bezüglich des familiären Auftretens von Diabetes mellitus Typ 1 oder des genetischen Hintergrundes auf. Diese Faktoren können also keine Erklärung für den beobachteten Anstieg der Inzidenz sein. Die beschleunigte Entwicklung vom Beginn der Inselautoimmunität bis zur manifesten Erkrankung an einem Typ-1-Diabetes ist die Ursache für die steigende Zahl der Neuerkrankungen bei kleinen Kindern.

Schneller Wirkungseintritt

Ein vordringliches Anliegen der gegenwärtigen Forschung ist es, die Auslöser der Inselautoimmunität zu identifizieren und herauszufinden, inwieweit diese Auslöser auch Einfluss auf die Entwicklung von Diabetes mellitus Typ 1 nehmen. Aus diesem Grund wird zurzeit die TEENDIAB-Studie durchgeführt – eine Beobachtungsstudie, die Kinder und Jugendliche zwischen acht und achtzehn Jahren einbeziehen soll. Die teilnehmenden Kinder sind gesund, haben aber durch das familiäre Auftreten von Typ-1-Diabetes im engen Familienumfeld ein erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken.

Ziel der TEENDIAB-Studie ist es, die Entstehung und Entwicklung von Inselautoimmunität und Typ-1-Diabetes während der Pubertät zu charakterisieren.

 

Literatur: Ziegler AG, Pflüger M, Winkler C, Achenbach P, Akolkar B, Krischer JP, Bonifacio E. Accelerated progression from islet autoimmunity to diabetes is causing the escalating incidence of type 1 diabetes in young children. Journal of Autoimmunity (2011)

http://www.teendiab.de

http://www.kompetenznetz-diabetes-mellitus.net

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