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Diabetologie 2. März 2011

Vorsorglich Blutzucker testen

Kortikosteroide können Diabetes Typ 3e und Hyperglykämien verursachen.

Kortison und andere Kortikosteroide können den Blutzuckerspiegel erhöhen und eine Insulinresistenz fördern. Das kann Diabetes Typ 3e auslösen oder bei einer bestehenden Diabetes-Erkrankung zum Anstieg des Blutzuckers führen. Einer kanadischen Studie zufolge begünstigen insbesondere hoch dosierte Kortisonsprays gegen Erkrankungen der Atemwege die Entstehung und Verschlechterung von Diabetes. Blutzuckertests vor und während einer Therapie mit Kortikosteroiden sind deshalb anzuraten. Bei insulinpflichtigen Diabetikern müssen behandelnde Ärzte die Insulindosis während der Therapie entsprechend anpassen und regelmäßig kontrollieren.

 

Entzündungshemmende Kortikosteroide lassen den Blutzuckerspiegel ansteigen und verringern die Sensibilität gegenüber dem blutzuckersenkenden Hormon Insulin. „Die äußerliche örtliche Anwendung von Kortison, zum Beispiel als Salbe auf der Haut, spielt für den Zuckerhaushalt zwar keine Rolle“, erläutert Prof. Dr. Stephan Matthaei, Vizepräsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Neben dem bereits bekannten Effekt einer Verschlechterung der Blutzuckerstoffwechseleinstellung durch kortisonhaltige Tabletten oder Spritzen konnte nun in einer Studie gezeigt werden, dass auch kortisonhaltige Inhalationssprays sowohl das Risiko der Entwicklung eines Diabetes steigern können, als auch zur Verschlechterung des Blutzuckerstoffwechsels bei schon bekanntem Diabetes führen können. Matthyei: „Behandelnde Ärzte sollten deshalb vor Einleitung einer Kortisontherapie den Blutzuckerspiegel des Patienten messen, um bereits von vornherein erhöhte Werte oder gar eine bislang unbekannte manifeste Diabetes-Erkrankung zu erkennen.“ Entsteht Diabetes durch eine Kortisontherapie, spricht man von Diabetes Typ 3e.

Risikoerhöhung

Laut einer im Dezember 2010 in der Fachzeitschrift The American Journal of Medicine veröffentlichten kanadischen Studie können kortisonhaltige Inhalationssprays, insbesondere wenn sie hoch dosiert werden, den Blutzuckerspiegel erhöhen. Forscher aus Montreal werteten die Daten von mehr als 380.000 Patienten mit Atemwegserkrankungen aus, deren gesundheitliche Entwicklung über einen Zeitraum von fünfeinhalb Jahren beobachtet wurde. Über 30.000 Patienten entwickelten in diesem Zeitraum unter der inhalativen Kortikoidtherapie einen Diabetes. Bei mehr als 2.000 Patienten mit bereits bestehender Diabetes-Erkrankung wurde ein Wechsel von oralen Antidiabtika zu einer Insulinbehandlung notwendig.

Die regelmäßige Inhalation von Kortikoiden erhöhte das relative Risiko, an Diabetes Typ 3e zu erkranken, um 34 Prozent, in hoher Dosierung um 64 Prozent. Als Typ-3-Diabetes sind jene Formen der Zuckerkrankheiten zusammengefasst, die unterschiedliche Ursachen wie eine Mukoviszidose-Erkrankung, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder Infektionen haben. Auch Tumoren, Operationen, genetische Defekte oder Medikamente wie Kortison können Diabetes Typ 3 auslösen.

Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes, die blutzuckersenkende Tabletten einnahmen, stieg das Risiko, wegen der Kortikoide auf eine Insulintherapie umsteigen zu müssen, ebenfalls um mehr als 30 Prozent. Inhalierten sie hoch dosierte Kortikosteroid-Sprays, nahm es um mehr als 50 Prozent zu. „Während einer Behandlung mit Kortikosteroiden sollten behandelnde Ärzte daher die Blutzuckerwerte ihrer Patienten regelmäßig kontrollieren“, so Matthaei. Bei Patienten mit Diabetes, die bereits Insulin spritzen, müsse die Dosis eventuell entsprechend angepasst werden.

DiabetesDE/IS, Ärzte Woche 9 /2011

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