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Diabetologie 15. Februar 2011

Schlank und trotzdem insulinresistent

Studie zeigt bei jeder fünften Frau mit Normalgewicht erste Hinweise auf eine Störung des Zuckerstoffwechsels. An einer Insulinresistenz können auch normalgewichtige, anscheinend gesunde Menschen erkranken. Anlässlich einer kürzlich veröffentlichten Studie des Instituts für Präventive Medizin in Berlin ruft die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) diese Tatsache wieder in Erinnerung.

 

Vor dem Auftreten einer diabetischen Stoffwechselstörung haben Übergewichtige signifikant häufiger eine Insulinresistenz, die eine Facette des sogenannten metabolisch-vaskulären Syndroms ist. Bekannt ist, dass eine Insulinresistenz die Blutgefäße schädigen kann und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Durch die Bestimmung von Blutzucker und Insulin in einem Glukosebelastungstest und die Berechnung spezieller Indizes ist die Insulinresistenz frühzeitig diagnostizierbar.

An der Studie „Primäre und sekundäre Insulinresistenz:Konzentrationen von Glukose und Insulin bei normgewichtigen anscheinend gesunden Probandinnen“ (siehe Literatur) beteiligten sich 289 normalgewichtige Frauen zwischen 17 und 56 Jahren, die keine Medikamente zu sich nahmen. An ihnen wurde ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) mit Messung der Blutzuckerwerte und des Insulins durchgeführt. Das Ergebnis: Keine Teilnehmerin hatte Typ-2-Diabetes, jedoch 22,5 Prozent eine Insulinresistenz. Bei dieser Gruppe waren die Blutzuckerwerte, nüchtern gemessen, nicht erhöht. Der Körper benötigt allerdings einige Zeit, um nach einer Mahlzeit den Zucker zu verwerten. Weil nicht nur Diabetes mellitus, sondern auch eine Insulinresistenz die Blutgefäße schädigen kann und sich das Risiko für Folgeerkrankungen erhöht, ist es sinnvoll, diese Vorstufe des Typ-2-Diabetes frühzeitig zu erkennen und mit einer Ernährungsumstellung sowie ausreichend Bewegung die Folgen zu verhindern, betont die DDG.

Die Ergebnisse belegen, dass – neben dem Übergewicht – auch andere Risikofaktoren für eine Insulinresistenz bestehen: Bei den normalgewichtigen Frauen könnten die genetische Veranlagung, ein Schwangerschaftsdiabetes der Mutter, ein niedriges Geburtsgewicht oder hormonelle Faktoren die Insulinresistenz verursacht haben, vermuten die Autoren. Auch das Alter spielt eine Rolle: Die über 50-Jährigen hatten in der Untersuchung häufiger eine Insulinresistenz als die unter 50-Jährigen.

Gewissheit gibt ein oGTT mit Glukose- und Insulinbestimmung. Die aktuellen Erkenntnisse zeigen, dass bei entsprechender Prädisposition dieser Test unabhängig von Körpergewicht und Alter sinnvoll sein kann.

 

 

Literatur:

L. Moltz, R. W. Holl: Primäre und sekundäre Insulinresistenz: Konzentrationen von Glukose und Insulin bei normgewichtigen, anscheinend gesunden Probandinnen.

Diabetologie 2010; 5: 372-378, sowie 379-385

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