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Diabetologie 18. Jänner 2011

Selbstmanagement mit Rückhalt

Telemonitoring soll eine bessere Diabeteskontrolle ermöglichen.

Ein Pilotprojekt ist in Österreich angelaufen: Die Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau will konkrete Erfahrungen mit der Telemedizin bei der Betreuung von Diabetikern machen. Eine in Diabetes Care erschienene Untersuchung zeigt, dass die Hoffnung berechtigt sein könnte. Sie ergab eine signifikante Verringerung des HbA1c-Werts bei der Home-Monitoring-Gruppe gegenüber der Kontrollgruppe.

 

Rund 100 Patienten und 17 niedergelassene Ärzte in Wien nehmen an dem Projekt der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB) teil. Sie werden speziell geschult und bekommen dann ein bluetoothfähiges Handy sowie Blutdruck- und Blutzuckermessgeräte nach Hause mit, um ihre gemessenen Werte direkt an eine Datenbank übermitteln zu können. Auf diese Datenbank wiederum hat der behandelnde Arzt Zugriff. Einmal wöchentlich gibt er dem Patienten Feedback, ob „alles in Ordnung“ ist oder welche Anpassungen der Patient bei Lebensstil oder Behandlung zur Verbesserung der Kontrolle des Typ-1- oder Typ-2-Diabetes vornehmen soll. Der Pilotversuch soll zeigen, ob sich Telemonitoring bewährt.

DiaTel-Studie

Die von der US-amerikanischen „Veterans Health Administration“ durchgeführte randomisierte kontrollierte Studie DiaTel (siehe Literatur) hat die Effekte telemedizinischer Interventionen auf die glykämische Kontrolle und andere metabolische Risikofaktoren im Zeitraum von sechs Monaten überprüft.

Teilnehmen konnten Typ-2-Diabetes-Patienten mit suboptimaler glykämischer Kontrolle (HbA1c ≥ 7,5%). Diese wurden entweder auf eine Kontroll- oder eine aktive Home-monitoring-Bedingung randomisiert. Patienten der Kontrollgruppe erhielten einmal monatlich einen Anruf vom Diabetesberater, der den allgemeinen Gesundheitszustand, Blutzucker- und Blutdruckeinstellung sowie das Gewicht besprach. In der Home-monitoring-Gruppe wurden einmal täglich die gemessenen Werte an die Studienzentrale übertragen. Lagen die Werte außerhalb eines akzeptablen Bereichs, wurden die Patienten vom Diabetesberater telefonisch kontaktiert. Wenn nötig, nahmen die Berater auch Veränderungen der Diabetes-, Lipid- oder Blutdruckmedikation vor. Der behandelnde Hausarzt wurde im Nachhinein von den Empfehlungen zur Veränderung der Medikation informiert.

Ergebnisse

In der Home-monitoring-Gruppe ergab sich ein signifikant längerer telefonischer Kontakt zwischen Patienten und Diabetesberatern als in der Kontrollgruppe (1,3 Stunden pro Monat vs. 0,3 Stunden pro Monat). Es zeigte sich ein signifikanter Effekt der Home-monitoring-Bedingung auf die primäre Outcome-Variable HbA1c-Wert. Dieser sank in der Home-monitoring-Gruppe von 9,6 Prozent auf 7,9 Prozent (Kontrollgruppe: 9,4 Prozent auf 8,6 Prozent). In der Home-monitoring-Bedingung wurden signifikant mehr Veränderungen der Medikation oder Dosis vorgenommen als in der Kontrollgruppe. Bei beiden Gruppen ergaben sich deutliche Verbesserungen bei sekundären Outcome-Variablen wie Gewicht, Blutdruck und Lipide, vor allem gab es deutliche Verbesserungen beim Blutdruck und den Triglyzeridwerten. Ob das Telemonitoring oder der stärkere Rückhalt für die Patienten durch die längere Beratungszeit die Senkung der HbA1c-Werte bewirkten, ist unklar.

 

Quellen: OTS, springermedizin.de

Literatur: Stone RA, Rao RH, Sevick MA et al (2010) Active care management supported by home telemonitoring in veterans with Type 2 diabetes. Diabetes Care 33:478–484.

http://care.diabetesjournals.org/content/33/3/478.full.pdf

Von Inge Smolek, Ärzte Woche 3 /2011

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