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Prof. Dr. Monika Lechleitner Interne Abteilung, Landeskrankenhaus Hochzirl

 
Diabetologie 7. Dezember 2010

Druck, lass nach!

Neue Entwicklungen in der antihypertensiven Therapie.

Im umfassenden Behandlungskonzept für den diabetischen Patienten stellen die antihypertensive Therapie bzw. das Erreichen der Blutdruckzielwerte wichtige Maßnahmen der Intervention dar. Damit soll das Risiko diabetischer Spätkomplikationen für den Patienten verringert werden.

 

Von einer Hypertonie ist nahezu jeder Zweite in der Bevölkerung betroffen. Die Bluthochdruckkrankheit gilt für rund 60 Prozent der Schlaganfall-Ereignisse und 50 Prozent der kardiovaskulären Erkrankungen als Hauptrisikofaktor.

Um die empfohlenen Blutdruckzielwerte zu erreichen, ist meist der Einsatz einer antihypertensiven Kombinationstherapie erforderlich. Die Wahl der Therapieform erfolgt entsprechend den Leitlinienempfehlungen der Fachgesellschaften.

ACE-Hemmer und Sartane (AT1-Antagonisten) stellen dabei im Hinblick auf die über die reine Blutdrucksenkung hinausgehenden günstigen protektiven Organeffekte die derzeitige Basistherapieform dar.

Zu den neuen Entwicklungen auf dem Gebiet der antihypertensiven Therapie zählt die Einführung von Fixkombinationspräparaten von bereits im klinischen Einsatz befindlichen Substanzen, wie auch die Entwicklung neuer Therapiekonzepte.

Neue medikamentöse Strategien

Neue antihypertensive Substanzklassen betreffen dabei die Wirkmechanismen des Renin-Angiotensin-Aldosteron Systems (RAAS), wie Aliskiren, ein direkter Renininhibitor, der bereits für die klinische Anwendung zur Verfügung steht (siehe Abbildung oben). In Vergleichsstudien zeigte Aliskiren eine ähnlich starke blutdrucksenkende Wirkung wie ACE-Hemmer, Sartane, Atenolol oder Hydrochlorothiaziddiuretika. Aliskiren weist eine relativ geringe Bioverfügbarkeit von zwei bis sieben Prozent auf und erfordert eine dementsprechend hohe Dosierung. Renininhibitoren mit höherer Bioverfügbarkeit stehen in Entwicklung.

Angriffsort AT2-Rezeptor

Einen weiteren neuen Therapieansatz stellt die Aktivierung des AT2-Rezeptors dar, die neben der Blutdrucksenkung komplexe vasoprotektive Mechanismen induziert. Auf diesem Wirkprinzip beruht die Substanz Compound 21, unter deren Anwendung in tierexperimentellen Untersuchungen eine Blutdrucksenkung sowie eine Reduktion von Inflammationsmarkern beobachtet werden konnten.

Eplerenon

Bei Therapie mit dem Mineralkortikoidrezeptorblocker Eplerenon fand sich neben einer mit den herkömmlichen antihypertensiven Substanzklassen vergleichbaren Blutdrucksenkung eine Reduktion der Mortalität bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz.

Angriffsort Katecholamine

Renalase, eine im Plasma nachweisbare Amino-Oxidase, metabolisiert Katecholamine und wird in Herz- und Skelettmuskulatur, Leber und Niere exprimiert. Polymorphismen der Renalase konnten bei Patienten mit essentieller Hypertonie nachgewiesen werden. In tierexperimentellen Studien führt die Verabreichung von Renalase zu einer dosisabhängigen Blutdrucksenkung. Bedenken für den klinischen Einsatz von Renalase ergeben sich aufgrund der Metabolisierung von Dopamin durch Renalase sowie der Reduktion der Herzfrequenz und der myokardialen Kontraktilität.

Substanzen in Diskussion

Vasopeptidaseinhibitoren, wie Omapatrilat und Sampatrilat, führen zu einer Blutdrucksenkung, zeigen jedoch vor allem in Kombination mit ACE-Hemmern ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines angioneurotischen Ödems.

Phosphodiesterase-Inhibitoren, wie Tadalafil, und Endothelinrezeptor-Blocker, wie Darusentan, kommen bislang in der Therapie der pulmonal-arteriellen Hypertonie zum Einsatz. Weiterentwicklungen dieser Substanzklasse sollen in der systemischen Blutdrucksenkung Anwendung finden.

Neuentwicklungen bei der antihypertensiven Therapie sind insbesondere für Diabetiker neben der antiglykämischen Behandlung von Bedeutung, um durch eine effektive, sichere und anhaltende Blutdrucksenkung das Risiko diabetischer Spätkomplikationen zu verringern.

 

Der Originalartikel inklusive Literaturquellen ist nachzulesen in der Wiener Medizinischen Wochenschrift-Skriptum 10/2010.

© Springer-Verlag, Wien

Von Prof. Dr. Monika Lechleitner , Ärzte Woche 49 /2010

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