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Foto: Wild und Team / Salk
Prim. Prof. Dr. Dr. Josef Niebauer, MBA Universitätsinstitut für präventive und rehabilitative Sportmedizin Institut für Sportmedizin, Salzburg
 
Diabetologie 7. Dezember 2010

Kraft- und Ausdauertraining

Was sagt die Evidenz bei Diabetes?

Diabetes mellitus Typ 2 ist im Wesentlichen eine Wohlstandserkrankung, deren Entstehung, abgesehen von genetischen Faktoren, durch Gewichtszunahme und vor allem durch körperliche Inaktivität begünstigt wird. Daher ist eine Therapie ohne körperliches Training nicht mehr leitlinienkonform.

Ausdauertraining führt auch bei Diabetikern zu einer Verbesserung der beschwerdefreien körperlichen Leistungsfähigkeit und des kardiovaskulären Risikoprofils sowie zu einer Verminderung der kardiovaskulären Komplikationsrate. Außerdem konnte gezeigt werden, dass ein intensives körperliches Ausdauertraining bei Patienten mit belastungsinduzierter Myokardischämie zu einer Verringerung der ST-Streckensenkung, zur Verbesserung der myokardialen Perfusion und zur Verlangsamung der Progression der KHK führt.

Endotheliale Funktion

Eigene Ergebnisse zeigen, dass es bei Diabetikern nach sechsmonatigem körperlichem Training ebenfalls zu einer Verbesserung der endothelialen Dysfunktion der Koronararterien kommt. Bereits nach zwölf Wochen zeigte sich eine Verbesserung der Endothelfunktion an der A. brachialis. Tanasescu et al. konnten in einer Gruppe von 2.803 Männern mit Typ-2-Diabetes einen Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und dem Risiko einer KHK bzw. kardialen Letalität nachweisen. Durch regelmäßiges körperliches Training konnte das Risiko einer KHK um 33 Prozent deutlich reduziert und die Todesrate um 40 Prozent gesenkt werden. Im Einklang mit anderen epidemiologischen Studien sollte der Energieverbrauch zwischen 1.000 und 2.000 kcal/Woche liegen, was einem submaximalem Ausdauertraining über drei bis fünf Stunden entspricht.

Bewegungsprogramm

Aktuelle Trainingsempfehlungen:

  • 3–7 mal pro Woche
  • > 30 Minuten pro Training
  • submaximales Training mit 70 Prozent der höchsten Leistungsfähigkeit
  • Training im ischämiefreien Herzfrequenzbereich

Viel zu wenig Bedeutung hat bisher das Krafttraining erhalten. Dabei ist eine adäquate Muskulatur gerade für Diabetiker entscheidend. Ob Kraftausdauer- oder aber Maximalkrafttraining (Hypertrophietraining) zu favorisieren ist, bleibt derzeit unklar. Eigene Ergebnisse zeigen, dass es durch beide Trainingsformen zu einer Zunahme der Muskulatur und Kraft sowie zu einer Abnahme an Fettgewebe kommt. Antidiabetogene Effekte werden noch analysiert. Derzeit wird Krafttraining der acht großen Muskelgruppen für Diabetiker in folgender Form empfohlen:

 

  • Kraftausdauertraining
  • 2–3 mal pro Woche
  • 30–40 % der Maximalkraft
  • 30–40 Wiederholungen
  • jeweils 3 Sätze

oder

  • Hypertrophietraining
  • 2–3 mal pro Woche
  • 70–75 % der Maximalkraft
  • 10–12 Wiederholungen
  • jeweils 3 Sätze

 

Körperliches Training ist ein effektives und kostengünstiges Therapeutikum, das sich in Therapie des Diabetes mellitus bewährt hat. Weitere Anstrengungen sind notwendig, damit dieses Therapeutikum in ausreichender Dosierung verordnet wird und die Compliance durch Überzeugung der Patienten, aber auch durch Kontrolle z. B. mittels Telemetrie oder Gruppentraining so gesteigert wird, dass es seinen maximalen Nutzen entfalten kann.

Derzeit haben zu wenige Patienten Zugang zu einem adäquaten Trainingsangebot. Weitere Anstrengungen müssen unternommen werden, damit diese Infrastruktur entsteht.

 

Der Originalartikel inklusive Literaturquellen ist nachzulesen in der Wiener Medizinischen Wochenschrift-Skriptum 10/2010.

© Springer-Verlag, Wien

Von Prof. Dr. Dr. Josef Niebauer, MBA, Ärzte Woche 49 /2010

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