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Diabetologie 23. November 2010

„Therapie aktiv“ als Standardbetreuung

Bei der Versorgung von Patienten mit Diabetes muss noch weiter justiert werden, sagen Ärztevertreter.

Beim Ziel sind sich Ärzte und Krankenkassen einig: Diabetespatienten sollten eine möglichst frühzeitige und optimale Behandlung für ein „längeres Leben bei selbstbestimmter Gesundheit“ erhalten. Gemeinsam „Diabetes im Griff“ zu haben und eine gesunde Lebenswelt zu schaffen, soll das heimische Disease Management Programm (DMP) „Therapie aktiv“ erreichen. Für die Erreichung dieses Ziels müssen sich Ärzte wie Patienten noch stärker einbringen.

Die Prognosen sehen düster aus: Im Jahr 2050 wird jeder fünfte über 45-jährige Österreicher Diabetiker sein. Ärztekammer-Vizepräsident Dr. Günther Wawrowsky fordert deshalb eine konsequente und gezielte Vorgehensweise. Prävention, Früherkennung und Versorgung der an Diabetes Erkrankten ließen sich noch verbessern: Eine Patientenbefragung in der Steiermark ergab, dass die jährlich notwendige Augenuntersuchung nur bei etwa 38 Prozent, die HbA1c-Kontrollen nur bei ca. 34 Prozent und die Untersuchung der Füße nur bei etwa 29 Prozent durchgeführt wurden. „Therapie aktiv“ will mit gezielter Patientensteuerung, Motivation zu regelmäßiger Kontrolle und gutem Behandlungsüberblick entgegenwirken. Einen besonderen Stellenwert hat dabei die Patientenschulung.

Nur fünf Prozent im Programm

Allerdings nehmen von den etwa 420.000 diagnostizierten Diabetikern gerade einmal fünf Prozent daran teil. Auch müssten mehr Ärzte für das DMP gewonnen werden, so Dr. Jörg Pruckner, Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte. Ein Schwachpunkt sei die aufwändige Dokumentation für das DMP. Für „Therapie aktiv“ brauche ein Arzt drei Mal so lange wie für einen regulären Patienten. Zeit, die abgeht. Pruckner schlägt daher vor, in einer Ordination zusätzlich qualifizierte und kompetente Mitarbeiter, auch Ärzte, anstellen zu können. Mit dem bisherigen Entgelt sei das allerdings nicht möglich.

98 Prozent der befragten „Therapie-aktiv-Patienten“ würden das Programm weiterempfehlen, ergab eine Zufriedenheitsanalyse in der Steiermark. 87 Prozent haben ihren Lebensstil geändert, 74 Prozent machen mehr Bewegung und 24 Prozent rauchen weniger oder nicht mehr. Um die Betreuung der Typ-2-Diabetiker zu verbessern, sollte „Therapie aktiv“ für alle Diabetiker zur Standardversorgung werden, fordert der ärztliche Leiter der steiermärkischen Gebietskrankenkasse, Dr. Gert Klima.

Quelle: Pressegespräch „Diabetes im Griff“ am 11. November 2010.

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