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Gesund und bunt, so soll das Essen sein – nicht nur für Menschen, die an Diabetes erkrankt sind. Die Empfehlung, den Lebensstil zu ändern, greift aber zu kurz. Ebenso wichtig ist, das Augenmerk auf die sozialen Umstände zu richten, die Diabetes begünstige
 
Diabetologie 12. Oktober 2010

Es ist an der Zeit, etwas zu ändern

Ein sozialmedizinischer Ansatz zur Bekämpfung des Diabetes mellitus: Bei internationalen und nationalen Tagungen mit Schwerpunkt Diabetes mellitus werden unzählige Studien zu verschiedensten Aspekten der chronischen Erkrankung präsentiert. In ihrer Gesamtheit sind diese Informationen wichtige Schritte zum besseren Verständnis der Krankheit. Aussagen zu Prävention und Änderungen im Lebensstil fehlen jedoch häufig weitgehend.

Die Fortschritte im Bemühen, die Glukosewerte unter Kontrolle zu halten, sind beachtlich. Tatsache ist jedoch, dass mehr als zwei Drittel der derzeit weltweit rund 285 Millionen Diabetespatienten in Ländern der 3. Welt leben, in denen das Geld für medizinische Behandlung knapp ist. Das hat zur Folge, dass ein großer Teil der Betroffenen nur sehr bedingt von aktuellen Fortschritten im Bereich der Medizin profitiert. Mehr als 90 Prozent der Erkrankungsfälle betreffen den Typ-2-Diabetes, der im hohen Ausmaß der Lebensführung und der sozialen Natur geschuldet ist. In diesem Licht erscheint ein rein medikamentöser Ansatz von Grund auf als nicht ausreichend.

Es sollte vielmehr gleichzeitig auch ein Augenmerk auf die sozialen Umstände, welche Diabeteserkrankungen begünstigen, gelegt und Abhilfe geschaffen werden. Dies kann jedoch nicht nur in der Verantwortung von Ärzten liegen, sondern gefordert sind Gemeinden, Schulen und Städteplaner, die in diese Frage eingebunden werden müssen.

Soziokultureller Ansatz

Ein Prozess unter Kooperation alle könnte die gesundheitlichen Risiken aufgrund von mangelnder körperlicher Bewegung und ungesunder Ernährungsweise verringern helfen. Vergleichbare Bemühungen und Maßnahmen sind auch in den Ländern der Dritten Welt notwendig, die eine vergleichsweise kostengünstige und einfach durchführbare Methode zur Prävention von Diabetes benötigen.

Let’s Move

Diesen Weg forciert etwa die von der US-amerikanischen First Lady Michelle Obama unterstützte Kampagne „Let’s Move“. Dieses Programm lässt sich mit drei Schlagwörtern auf den Punkt bringen: „Ernährung, Bewegung und Kinder“. Was bedeutet das? Fett- und zuckerarme Nahrungsmittel sowie Möglichkeiten zur körperlichen Betätigung müssen in den Städten leicht zugänglich und erschwinglich sein. Weiters soll „Let’s Nive“ dafür sorgen, dass für die Jüngsten sichere Bereiche etabliert werden, um ihrem erhöhten Bewegungsdrang gerecht zu werden. Obwohl Diabetes mellitus Typ 2 generell mit dem Alter zunimmt, sind seit den vergangenen Jahren auch Kinder immer häufiger von der „Zivilisationskrankheit“ betroffen. Deshalb soll die Kampagne auch auf Kinder abzielen und sie so zu einer gesünderen Lebensweise anregen.

Drängende Gründe für neue Ansätze

Die Notwendigkeit für solche Methoden zum Zweck, die Diabetes-Epidemie einzudämmen, zeigt auch eine Studie, die auf der letzten Tagung der „American Diabetes Association“ veröffentlicht wurde. Unter der Leitung von Dr. Nadeem Sarwar und Prof. Dr. John Danesh von der Universität Cambridge hat ein internationales Team eine Meta-Studie der Daten von 700.000 Personen ohne vorherige vaskuläre Erkrankungen in Bezug auf Diabetes, Nüchternblutzuckerwerte und andere Risikofaktoren durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass Diabetes das Risiko einer Vielzahl von Gefäßerkrankungen unabhängig von anderen Risikofaktoren um beinahe das Doppelte steigert.

Nur ein geringer Teil der Auswirkungen des Diabetes erklärt sich durch erhöhte Blutfette, Bluthochdruck und Fettleibigkeit. Sarwar: „Unsere Ergebnisse betonen die Notwendigkeit einer besseren Diabetes-Prävention, gekoppelt mit einer vertieften Erforschung der Mechanismen, wie der Diabetes die Risiken von Herz-Kreislauferkrankungen steigert.“

 

Quellen:

Editorial. Type 2 diabetes — time to change our approach. Lancet 2010; 375: 2193

70. Tagung der American Diabetes Association (ADA)

http://www.thelancet.com

Von Philipp Fisecker, Ärzte Woche 41 /2010

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