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Diabetologie 12. Oktober 2010

Mikroben als Anzeiger

Mittels Stuhlproben könnten zukünftige Diabeteserkrankungen prognostiziert werden.

Das Verhältnis von guten und schlechten Bakterien in Stuhlproben von Kindern im Alter von nur vier Monaten könnte eine Prognose ermöglichen, welche Kinder im späteren Leben wohl Typ-1-Diabetes entwickeln werden.

Wenn Babys im Alter von vier Monaten einem einfachen Stuhltest unterzogen würden, könnte man das genetische Risiko von Typ-1-Diabetes möglicherweise vorhersagen und jene Kinder identifizieren, die davon betroffen sein werden. So Dr. Mark Atkinson von der US-amerikanischen Universität in Florida, der meint, dass das Verhältnis von „guten“ zu „bösen“ Bakterien in den Stuhlproben einen Hinweis darüber gibt, wer Typ-1-Diabetes entwickeln wird. Außerdem erforscht er, wie in Zukunft „therapeutische“ Bakterien verwendet werden könnten, um bei den betreffenden Kindern den Ausbruch der Erkrankung zu verhindern.

Typ-1-Diabetes wird durch einen Autoimmunprozess verursacht, bei dem der Körper die eigenen insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse attackiert und zerstört. Weil die Darmwand vielen Mikroben und Antigenen ausgesetzt ist, ist es denkbar, dass Darm und Mikroben eine Schlüsselrolle bei vielen Autoimmunprozessen haben könnten.

Erst analysierten Atkinson und sein Team Darmmikroben von Diabetes-anfälligen und Diabetes-resistenten Ratten. Sie entdeckten, dass 24 Bakterienarten und 18 Bakteriengattungen in den beiden Rattengruppen in signifikant unterschiedlicher Menge vorhanden waren. Die Proben unterschieden sich noch in Bezug auf Hunderte weitere Bakterienarten, die aber nicht klassifiziert werden konnten.

Das Team analysierte daraufhin Darmbakterien von Menschen mit erhöhtem genetischen Risiko für Typ-1-Diabetes. Die Darmbakterien von vier Fall-kontrollierten Probandenpaaren wurden im Rahmen des Diabetes-Prognose- und Präventions-Programms (Diabetes Prediction and Prevention Programms, DIPP) in Finnland untersucht, wo Neugeborene auf ihr genetisches Risiko für Typ-1-Diabetes gescreent werden. Bei Kindern mit erhöhtem Risiko wurden Bakterien identifiziert, die mit der Entwicklung einer Typ-1-Diabetes-assoziierten Autoimmunität korrelierten. Deutlich zeigte sich bei den gefährdeten Kindern ein Rückgang von Firmicutes-Bakterien bei gleichzeitigem Anstieg der Bakterien vom Typ Bacteroidetes. Bei gesunden Kindern passierte das Gegenteil: Firmicutes wurden zahlreicher, während Bacteroidetes zurückgingen. Die Vermutung liegt nahe, dass sich zukünftige Autoimmunität durch eine Stuhlprobenanalyse bereits vier Monate nach der Geburt vorhersagen lässt. Atkinson hofft auf weitere Erkenntnisse einer therapeutischen Nutzung von Bakterien zur Diabetes-Typ-1-Prävention bei Hochrisikokindern.

 

Quelle: Presse EADS, Vortrag von Dr. Mark Atkinson, University of Florida

Wissen
Bacteroidacea oder Bacterioides (Gattung) sind obligat anaerobe, pleomorphe, gramnegative Stäbchenbakterien, die zur normalen Flora der Schleimhäute des Intestinaltrakts gehören. Sie finden sich im Dickdarm in einer Menge von mehr als 1011 Exemplaren pro Gramm Stuhl, sie sind dort also die zahlenmäßig dominierenden Bakterien.
Firmicutes (der Name leitet sich vom Lateinischen firmus, „stark“, und cutis „Haut“ ab) bilden einen artenreichen Stamm innerhalb der Bakterien. Sie bilden zusammen mit den Aktinobakterien die große Gruppe der grampositiven Bakterien.

Quelle: Wikipedia

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