zur Navigation zum Inhalt
 
Diabetologie 12. Oktober 2010

Selbstverteidigung des Herzens

Die Behandlung der Insulinresistenz bei kongestiver Herzinsuffizienz wurde am EASD hinterfragt.

Prof. Dr. Heinrich Taegtmeyer, Universität Texas, schlug vor, Insulinresistenz (IR) weniger als Ursache, sondern als Folge der kongestiven Herzinsuffizienz zu betrachten. Die IR ist demnach ein Abwehrmechanismus für das Herz.

 

„Wir gehen davon aus, dass die IR die Folge einer übermäßigen Substratzufuhr für das Herz ist. Das Senken der Blutglukosespiegel durch Förderung der Insulinempfindlichkeit hätte daher nachteilige Konsequenzen“, so Taegtmeyer. Niedrige Cholesterinspiegel, hohe Laktatspiegel, Muskelschwund und IR sind prägende metabolische Merkmale der kongestiven Herzinsuffizienz. Insulinresistenz ist aber auch ein Risikofaktor für Tod und Invalidität aufgrund einer kardiovaskulären Erkrankung. Taegtmeyer und sein Team untersuchten daher, ob diese metabolischen Marker Ursache oder Wirkung der Herzinsuffizienz sind, und ob die pharmakologische Intervention bei IR ein adäquates Ziel für Patienten mit Herzinsuffizienz ist.

„Diese Frage muss beantwortet werden, denn das Herz verbrennt Fett und Glukose in unterschiedlichem Maße, um ausreichend Energie für die Kontraktion zur Verfügung zu haben“, so Taegtmeyer. Die übermäßige Zufuhr von Glukose und Fettsäuren sind Hauptfaktoren bei Adipositas und Diabetes Typ 2. Das Herz wird mit diesen Stoffen überflutet, was zu einer exzessiven Proteinglykosylierung, zu Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS, reactive oxygen species) und einer krankhaften Anhäufung von anderen schädlichen Verbindungen, wie Diglyzeriden und Ceramiden, führt.

Andere Merkmale von Adipositas und Diabetes sind die übermäßige Speicherung von Triglyceriden und Glykogen in den Zellen, beide verdrängen vitale Zellstrukturen. In der Folge werden Herzmuskelzellen entweder schwer in ihrer Funktion eingeschränkt oder erleiden einen programmierten Zelltod, wie Taegtmeyer erklärte. „In diesem Kontext kann IR weder Ursache noch Folge der kontraktilen Dysfunktion des Herzens sein. Stattdessen ist sie die Abwehr des Herzens gegen die Überflutung mit Substraten, wenn die Energieregulierung des Körpers zusammenbricht.“

Es gibt laut Taegtmeyer viele Hinweise darauf, die diese Abwehrtheorie unterstützen. Erstens ist die Insulinresistenz leicht umkehrbar, sobald die Energie-Homöostase wiederhergestellt ist. Zweitens steigert die pharmakologische Korrektur der IR mit dem Insulin-Sensitizer Rosiglitazon die kardiovaskuläre Mortalität. „Ich bin überzeugt, dass die Korrektur der IR durch Insulinsensibilisierung dem Patienten mit kongestiver Herzinsuffizienz mehr Schaden als Nutzen bringt“, schloss Taegtmeyer.

 

Quelle: EASD, Vortrag von Prof. Dr. Heinrich Taegtmeyer, Universität Texas

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben