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Diabetologie 25. August 2010

Besser gar nicht erst anfangen

Nicht nur das Rauchen selbst, sondern auch der Rauchstopp kann das Risiko für Diabetes erhöhen. Die Ursache liegt offenbar in der Gewichtszunahme nach dem Aufhören. Vor diesem Hintergrund erscheint die Prävention umso wichtiger.

Eine kürzlich in den Annals of Internal Medicine veröffentlichte Studie befasst sich mit der Frage, wie sich ein Rauchstopp auf das Risiko auswirkt, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Die Ergebnisse sind überraschend.

Dass der Konsum von Tabakwaren einen lange etablierten Indikator für ein erhöhtes Risiko, an Diabetes mellitus vom Typ 2 zu erkranken, darstellt, ist keine Neuigkeit. Demzufolge wäre also anzunehmen, dass mit dem Rauchen aufzuhören dieses Risiko merkbar verringerte. Allerdings ist mit einem Rauchstopp im Allgemeinen eine oft relativ starke Gewichtszunahme verbunden, was wiederum die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung vergrößert. Um Licht in die Zusammenhänge zu bringen, haben Hsin-Chieh Yeh und Kollegen von der Johns Hopkins Universität die Daten von 9.398 Versuchspersonen im Hinblick auf Rauchverhalten und die Inzidenz von Typ-2-Diabetes analysiert. Die Daten wurden der noch laufenden ARIC (Atherosclerosis Risk in Communities)-Studie entnommen.

Männer gefährdeter als Frauen

Im Zuge der Analyse hat sich – wenig überraschend – gezeigt, dass die wohl beste Methode wäre, mit dem Rauchen gar nicht erst zu beginnen. Von den beinahe 10.000 Probanden sind im Laufe der Studie 1.254 Personen an Typ-2-Diabetes erkrankt, wobei ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Ausprägungsgrad des Tabakkonsums und dem Diabetesrisiko aufgezeigt werden konnte. Zusätzlich hat sich herausgestellt, dass auch mit dem Ende des Rauchens diese Wahrscheinlichkeit für die folgenden zwölf Jahre noch drastisch erhöht ist. Der Grund ist die damit verbundene Gewichtszunahme. Dabei war der Höchststand im dritten Jahr erreicht, um anschließend kontinuierlich wieder zu fallen.

Das höchste Risiko im Vergleich zu Personen, die niemals geraucht haben, tragen laut Studie Männer, die erstmals mit 60 Jahren oder älter mit dem Rauchen aufhörten, die zwanzig oder mehr Zigaretten pro Tag rauchten und mehr als vier Kilogramm Körpergewicht zunahmen. Das zweithöchste Risiko trugen unter 60-Jährige mit den gleichen Voraussetzungen. Bei den Frauen, die erstmals mit dem Rauchen aufhörten, sind jene am gefährdetsten, die weniger als zwanzig Zigaretten täglich rauchten, aber mehr als vier Kilogramm Gewicht nach dem Rauchstopp zulegten.

Prävention besonders wichtig

Kurzfristig gesehen erwächst also ein diabetesbezogener Nachteil aus einer Beendigung des Zigarettenrauchens. Dieser wird allerdings durch die sonstigen positiven gesundheitlichen Auswirkungen aufgewogen. „Der Rauchstopp dürfte das Kurzzeitrisiko für Diabetes nicht verringern, sondern eher vergrößern“, schreiben die Autoren in der Studie. Freilich überwiegen die langfristigen Vorteile gegenüber der kurzfristigen Risikoerhöhung. Die behandelnden Ärzte sollten sich aber des Diabetes-Risikos bei ihren Patienten bewusst sein und Gegenmaßnahmen in Betracht ziehen, speziell bei starken Rauchern. Etwa Lebensstilberatung, aggressives Gewichtsmanagement und Nikotinersatztherapien, die einer Gewichtszunahme beim Rauchstopp entgegenwirken dürften. Auch sollte der Blutzuckerspiegel häufig kontrolliert werden, um einen Diabetes frühzeitig zu erkennen. Noch wichtiger sei freilich die Rauchprävention in der Allgemeinbevölkerung, so die Studienautoren von der Johns Hopkins Universität, damit ein Rauchstopp gar nicht erst nötig wird.

 

Quelle: Yeh, Hsin-Chieh et al. (2010): „Smoking, smoking cessation, and risk for type 2 diabetes mellitus: a cohort study“ In: Annals of internal medicine. 152 (1), 10–7.

Von Pilipp Fisecker, Ärzte Woche 36 /2010

  • Frau Nurcan Öz, 13.04.2011 um 13:59:

    „Ich kann nur bestätigen, das ich seit ich mit dem Rauchen aufgehört habe, viel besser atmen kann und mich auch viel besser fühle. Mein schlaf ist auch viel intensiver geworden. Ich kann also jeden nur empfehlen den richtigen Willen zu haben und sofort mit dem Rauchen aufzuhören. Ok ich hatte noch ein bsschen Hilfe, habe die Lasertherapie am Ohr durchführen lassen. Im Endeffekt habe ich es geschafft :)“

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