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Diabetologie 25. August 2010

Warnung vor Stammzelltherapie

Diabetesgesellschaften weisen darauf hin, dass kein Nachweis der Wirksamkeit vorliegt.

Das Kompetenznetz Diabetes mellitus und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) haben Anfang August in einem offenen Brief an die Bezirksregierung Köln ihre Bedenken gegen deren Genehmigung von Stammzelltherapien zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 geäußert. Die Österreichische Gesellschaft für Diabetes (ÖDG) schließt sich der Kritik an, wie sie auf Anfrage der Ärzte Woche erklärt.

Anlass für diesen Schritt waren die Genehmigung für die Entnahme von Knochenmark und die Freigabe von Stammzellpräparaten zur autologen Anwendung bei Patienten mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Dabei werden aus dem Knochenmark Stammzellen isoliert, aufbereitet und in den Pankreas transplantiert. Ziel der Behandlung ist, dass sich die körpereigenen Stammzellen in der Bauchspeicheldrüse zu insulinproduzierenden Betazellen entwickeln.

„Derzeit gibt es keine wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Patienten von der Therapie profitieren“, kritisieren Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler, Sprecherin des Kompetenznetzes Diabetes mellitus, München, und DDG-Präsident Prof. Dr. Thomas Danne, Hannover.

Studie abgebrochen

Erst kürzlich ist in Spanien eine Studie nach drei von zehn dafür vorgesehenen Patienten abgebrochen worden: Die transplantierten Zellen hatten die Insulinproduktion nicht steigern können. Der Typ-1-Diabetes ist zudem eine Autoimmunerkrankung, bei der die Immunabwehr die körpereigenen Betazellen und damit auch die transplantierten Stammzellen zerstört. Verhindern ließe sich dies, wenn die transplantierten Zellen so verändert würden, dass das Immunsystem sie nicht mehr erkennt. Dies ist nach Auskunft von Ziegler und Danne bisher nicht gelungen. Die Autoimmunreaktion durch Medikamente einzudämmen, ist mit erheblichen Nebenwirkungen für den Patienten möglich, warnen die Fachspezialisten.

„Solange Nutzen und Risiken der neuen Stammzelltherapie nicht bekannt sind, sollte sie nur im Rahmen von klinischen Studien durchgeführt werden“, fordern Ziegler und Danne. Sie ersuchten deshalb die Bezirksregierung Köln um eine Erklärung, wie es zur Zulassung der Therapie für die Firma XCell-Center gekommen ist. Die private Klinik für regenerative Therapien mit Standorten in Düsseldorf und Köln bietet die Therapie weltweit an. Die Kosten liegen zwischen 7.500 und 10.500 Euro und werden, soweit bekannt, nicht von den Krankenkassen übernommen.

Position des ÖDG

Die ÖDG schließt sich der Kritik der DDG an, betont deren Präsident, Prim. Doz. Dr. Raimund Weitgasser. „Vereinzelt erkundigen sich auch bei uns Patienten mit Typ-1-Diabetes nach dieser Stammzelltherapie“, bestätigt Weitgasser. „Es gibt dazu – wie bereits Prof. Ziegler aus München, eine der weltweit profiliertesten Typ-1-Diabetes-Forscherinnen ausführte – keine nachvollziehbare positive Wirkung beim Menschen. Damit Stammzellen, selbst wenn sie sich ähnlich der insulinproduzierenden ß-Zelle differenzieren könnten, wirksam werden, wäre eine immunsuppressive Therapie nötig, um den Autoimmunprozess, der zum Typ-1-Diabetes führt, zu stoppen.“ Das im XCell-Center tätige Ärzteteam habe laut Weitgasser „offensichtlich keinerlei Erfahrung mit dem Diabetes“, es finde sich in der Listung wissenschaftlicher Arbeiten (PubMed) zu diesem Thema kein einziger Eintrag. Weitgasser: „Die Stammzelltherapie im XCell-Center wird außerdem für verschiedenste Erkrankungen angeboten. Diese Art von Verkauf eines Produkts als Allheilmittel steht immer im Verdacht, unwirksam zu sein. Das bestärkt uns, vor einer solchen Therapie zu warnen.“

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