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Diabetologie 25. August 2010

Alarmierend viel Plastikhormon im Blut von Kindern

Die Chemikalie Bisphenol A kann unter anderem zu Diabetes mellitus und Herz-Kreislauferkrankungen führen.

Menschen sind weltweit höher mit der Kunststoffen beigefügten Substanz Bisphenol A belastet, als bisher angenommen. Die Umweltorganisation GLOBAL 2000 fordert, diesen krankmachenden Stoff zum Schutz der Kinder zu verbieten.

Die am 1. August im Environ Health Perspect erschienene Studie belegt, dass Menschen wesentlich höheren Dosen der Chemikalie Bisphenol A (BPA) ausgesetzt sind, als bisher angenommen und vom Gesetzgeber berücksichtigt wird.

Die Studie bewertet die Messungen von BPA-Gehalten in Urin, Blut oder Gewebe von Menschen aus neun Nationen. „Besonders alarmierend sind die BPA-Konzentrationen in Kindern und Neugeborenen, die weit über denen der Erwachsenen liegen. Kinder reagieren empfindlich auf hormonell wirksame Chemikalien“, warnt Daniela Hoffmann, Chemieexpertin von GLOBAL 2000. „Die Studie besagt, dass Menschen weltweit mit dieser Chemikalie, die vor allem aus Kunststoffen in die Nahrung übergeht, belastet sind. Kunststoffchemikalien sind ein äußerst ernstes Umwelt- und Gesundheitsproblem, das bis jetzt von den Verantwortlichen der Politik und der Industrie verdrängt oder bewusst außer Acht gelassen wird. Das wollen wir ändern!“

Zu hohe Grenzwerte

BPA wurde in den 1930er-Jahren aufgrund seiner östrogenähnlichen Wirkung medizinisch erforscht. Viele BPA-haltige Kunststoffe kommen bei der Lebensmittelproduktion oder als Lebensmittelverpackungen zum Einsatz und verunreinigen so die Nahrung. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Aufnahme von BPA hauptsächlich über verunreinigte Nahrung erfolgt. Dennoch können andere Expositionswege wie beispielsweise über Haut oder Lunge nicht ausgeschlossen werden.

Aufgrund seiner hormonähnlichen Wirkung stört BPA viele hormongesteuerte Prozesse im Körper, so kann es Unfruchtbarkeit, Erektions- und Ejakulationsstörungen, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen auslösen und sich negativ auf die Hirn- und Geschlechtsdrüsenentwicklung von Föten auswirken. „Die in der EU für Lebensmittelsicherheit zuständige Behörde EFSA bezieht sich in ihren Risikoanalysen auf wenige und zum Teil von Experten heftigst kritisierte Studien, die von der Plastikindustrie finanziert wurden“, empört sich Hoffmann. Zwei dieser Industriestudien dienen als Grundlage des momentan gültigen Richtwerts zur erlaubten Tagesdosis von BPA. Nach einer Studie des Deutschen Umweltbundesamtes liegt dieser aber 2000-fach zu hoch.

GLOBAL 2000 fordert von Gesundheitsminister Alois Stöger ein sofortiges Verbot von BPA in Kinderprodukten und Produkten, die mit Lebensmitteln für Kinder in Kontakt kommen. „Weiters muss ein Aktionsplan zur Reduktion von BPA in unserer Umwelt entwickelt werden“, so Hoffmann.

Global 2000/IS, Ärzte Woche 36 /2010

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