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Ein strukturiertes Bewegungsprogramm kann das Auftreten von Diabetes- spezifischen Spätveränderungen deutlich reduzieren.
Fotos (2): Dr. Harald Oschmautz

Sensomotorische Übungen verbessern die koordinativen Fähigkeiten.

 
Diabetologie 15. Juni 2010

Mit Bewegung zu mehr Lebensqualität

Ausdauer- und Krafttraining unterstützt die Therapie des Diabetes.

Die medikamentöse Therapie von Typ-2-Diabetikern mit pathologischer Glukosetoleranz sollte mit Diabetesschulungen, Ernährungsberatungen, psychologischer Betreuung und vor allem gezielten Bewegungstherapiekonzepten ergänzt werden.

In mehreren wissenschaftlichen Studien konnte gezeigt werden, dass mit Ernährungskonzepten alleine nur vorübergehend eine Stabilisierung der Stoffwechselsituation erreicht werden konnte. Daher ist es umso wichtiger, Patienten mit Typ-2-Diabetes und/oder metabolischem Syndrom zu einem strukturierten Bewegungsprogramm zu animieren, um einerseits die Stoffwechselparameter positiv zu verändern und andererseits die körperliche Beweglichkeit und Fitness zu erhöhen. Dadurch wird eine verbesserte Lebensqualität erreicht und das Auftreten von Diabetes-spezifischen Spätveränderungen deutlich reduziert.

Beispielsweise konnte durch eine 50-minütige aerobe Bewegungssteigerung (3x/Woche) eine HbA1c-Reduktion um bis zu 0,8 Prozent und in Kombination mit einer Diät sogar um bis zu 0,9 Prozent bzw. eine Gewichtsreduktion von bis zu 2,5 Kilogramm erreicht werden.

In einer weiteren Arbeit konnte bei einer Bewegungssteigerung (5 km zügiger Spaziergang/Tag) eine HbA1c-Reduktion von bis zu 1,5 Prozent, eine Blutdruckreduktion von bis zu 10 bzw. 7 mmHG und eine Senkung der Triglyceride von bis zu 0,4 mmol/l erzielt werden. Zusätzliche sensomotorische Übungen führen zu einer weiteren Verbesserung der Beweglichkeit und der koordinativen Fähigkeiten der Patienten, v.a. jener mit Diabetes-Spätveränderungen.

Vor Aufnahme einer Bewegungstherapie muss eine kardiale Abklärung inkl. Ergometrie durchgeführt werden. Zusätzlich soll eine proliferative Retinopathie bzw. ein diabetisches Fußsyndrom ausgeschlossen werden.

Basisempfehlungen

A) Aerobes Ausdauertraining mind. 150min/ Woche mit moderater Intensität (40-60 Prozent der VO2 max) und mindestens drei Mal/Woche. Die Pausen zwischen den Trainingstagen sollen nicht länger als zwei Tage betragen. Empfohlen werden dynamische Bewegungsformen wie Nordic Walking, Schwimmen, Langlaufen, Golfen, Radfahren, Wandern.

B) Sensomotorische Übungen

Stoffwechsel-Rehabilitation als idealer Einstieg

Obwohl in mehreren großen Studien eindeutig ein großer Benefit bezüglich einer körperlichen Mehrarbeit bewiesen werden konnte, ist die Stoffwechsel-Rehabilitation ein wenig genutztes Instrument bei der Diabetes-Prävention bzw. -Therapie. Gründe dafür sind sicherlich ein mangelndes Verständnis bezüglich der Effektivität der Therapien, aber auch Vorbehalte und Motivationsprobleme. Daher sind für Menschen mit DM und/oder Adipositas Rehabilitationsprogramme der ideale Einstieg, um unter professioneller Anleitung und Kontrolle eine positive Veränderung der Stoffwechselsituation nachhaltig zu erreichen. Zusätzlich hilft die vorhandene Gruppendynamik im rehabilitativen Bereich dabei, Motivationsprobleme zu überwinden und gemeinsam eine Veränderung des Lebensstils zu erreichen.

Die Stoffwechsel-Rehabilitation im Humanomed Zentrum Althofen bietet ideale Voraussetzungen, um diese hoch gesteckten Ziele zu realisieren. Schwerpunkte unseres Rehabilitationskonzeptes sind neben einer Optimierung der medikamentösen Therapie ein entsprechendes Risikomanagement, krankheitsspezifische Informationen, Schulungen im diabetologischen und diätetischen Bereich inkl. Lehrküche, psychologische Beratungen und vor allem bewegungstherapeutische Maßnahmen. Dabei hat sich die enge und professionelle Zusammenarbeit mit den Physiotherapeuten und Sportmedizinern sehr bewährt. In Kombination mit ernährungstechnischen Maßnahmen wird mit speziellem Ausdauer- und Krafttraining, gepaart mit professionellen physiotherapeutischen Maßnahmen, eine nachhaltige Veränderung des Lebensstils angestrebt. Einzigartig für Österreich ist der Aufbau einer Dialyseeinheit im Humanomed Zentrum Althofen. Hier können Dialysepatienten sowohl ihre Stoffwechselrehabilitation als auch ihre Nierenersatztherapie gleichzeitig unter einem Dach durchführen.

 

Dr. Harald Oschmautz ist Facharzt für Innere Medizin und als ärztlicher Leiter im Kompetenzzentrum Stoffwechsel/ Humanomed Zentrum Althofen, tätig.

Von Dr. Harald Oschmautz, Ärzte Woche 24 /2010

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