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Foto: Archiv
Doz. Dr. Raimund Weitgasser Vorsitzender der Österreichischen Diabetes Gesellschaft
 
Diabetologie 15. Juni 2010

Komplexe Diabetes-Therapie

Die Herausforderung für Hausärzte und Internisten ist eine auf den Patienten zugeschnittene individuelle Behandlung.

Die 26. Frühjahrstagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) wurde Ende Mai unter dem Titel „Diabetes und Risiko in verschiedenen Lebensphasen“ in Pörtschach abgehalten.

Die Tagung im Frühling dient traditionell der Fortbildung von Praktikern, Internisten und auch jüngeren Spitalsärzten, betont der Vorsitzende der Gesellschaft, Doz. Dr. Raimund Weitgasser, Universitätsklinikum der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg, im Gespräch mit der Ärzte Woche.

Herr Doz. Dr. Weitgasser, welche Informationen konnten die Teilnehmer über die Behandlung des Diabetes in der Praxis mitnehmen?

Weitgasser: Es geht darum, Patienten mit weiteren Risikofaktoren zu erkennen, mit metabolischem Syndrom oder solche, die zu Unterzuckerungen neigen. Das war auch Thema der großen Diabetesstudien. Man versucht, Unterzuckerungen zu vermeiden, auch wegen der großen ACCORD-Studie. Es ist noch nicht klar, warum es etwas mehr Todesfälle in der intensiv therapierten Gruppe gegeben hat. Wahrscheinlich hängt das mit akuten Hypoglykämien zusammen, mit kardiovaskulären Veränderungen, Elektrolytverschiebungen und Rhythmusstörungen. Diese Faktoren versucht man zu vermeiden.

Es werden immer mehr unterschiedliche Diabetes-Medikamente auf den Markt gebracht, es gibt viele Neuerungen und einiges in der Pipeline. Wie schwierig ist es für den niedergelassenen Arzt, das individuell zum Patienten passende Medikament zu finden?

Weitgasser: Früher gab es lediglich komplexe Insulintherapien. Sonst Metformin, Sulfonylharnstoffe und dann noch das eine Glinid, das Repaglinid. Mehr hat es nicht gegeben. Jetzt gibt es die Glitazone, die Gliptine, die GLP 1-Analoga und noch einige andere mehr. Alles in der richtigen Kombination beim richtigen Patienten einzusetzen, ist wirklich komplex. Wir haben aufgrund dieser Komplexität ein Stufenprinzip verlassen müssen, auch in den Leitlinien der Diabetesgesellschaft. Das gefällt den Niedergelassenen nicht sehr, weil welches Medikament nun wirklich zu welchem Patienten am besten passt, ist aus diesen Leitlinien nicht so einfach herauszufinden.

Das klingt nach Trial and Error.

Weitgasser: Ja. Richtig. Wir bekommen auch manchmal Patienten in die Ambulanzen, die Medikamente in doppelter oder dreifacher Menge nehmen, weil sich der Niedergelassene nicht mehr recht auskennt, was nun eigentlich was ist.

Hängt die Wahl des Medikaments auch von der Finanzierung der Krankenkassen ab?

Weitgasser: Ein wenig schon. Gerade die GLP-1-Analoga werden im Moment kaum erstattet. Der Niedergelassene wird, nachdem er sich nicht nur mit dem Diabetes alleine befasst, froh sein, wenn er Medikamente verwenden kann, die in einer grünen oder der einfacher verschreibbaren gelben Box sind. Da kommen sicherlich eher die Medikamente, mit denen er sich schon immer beschäftigt hat, zum Tragen.

Der ÖDG unterstützt deshalb auch das Disease Managment Programm (DMP) „Therapie aktiv“, werden bei der Tagung im Herbst DMP-Ärzte darauf gezielt angesprochen werden?

Weitgasser: Wir werden eine Hauptsitzung zum DMP haben, weil die DMP-Ärzte verpflichtet sind, sich alle zwei Jahre über zwei Stunden fortzubilden. Ein niedergelassener Arzt wird etwa berichten, wie man an die Schwierigkeit des Zuschnitts der Therapie an den individuellen Patienten herangeht.

Das Gespräch führte Inge Smolek

Inge Smolek, Ärzte Woche 24 /2010

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