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Den Blutzuckerspiegel im gesunden Normbereich halten mit völlig neuartigen Medikamenten und möglichem Zusatznutzen: sie sparen Nahrungskalorien.
 
Diabetologie 25. Mai 2010

Den Blutzucker über die Niere regeln

Neue Diabetesmedikamente könnten Typ-2-Patienten helfen, Insulin und Kalorien zu sparen.

Eine völlig neuartige Gruppe von Diabetesmedikamenten ahmt eine seltene genetische Störung nach: Dabei wird der Blutzucker über die Nieren ausgeschieden, ohne dass es zur Unterzuckerung kommt. Die neuen Wirkstoffe könnten übergewichtigen Menschen mit Typ-2-Diabetes nutzen, da mit dem Blutzucker auch Kalorien verloren gehen. Welchen Stellenwert diese Medikamente einnehmen werden und ob die Therapie langfristig sicher sein wird, lässt sich aber noch nicht absehen.

Beim gesunden Menschen verhindern unzählige kleine Pumpen in den Nierenkanälchen, dass der Blutzucker mit dem Harn ausgeschieden wird und dem Körper als wertvoller Rohstoff verloren geht. Bei Diabetikern ist der Rohstoff im Überfluss im Blut vorhanden und die Hemmung einiger Pumpen mit der Bezeichnung SGLT 2 (sodium dependent glucose transporter-2) könnte den Blutzucker senken. Genau dies wird mit neuen Wirkstoffen erreicht, die derzeit in klinischen Studien an Patienten getestet werden.

Die neuen Medikamente könnten Menschen mit Typ-2-Diabetes helfen, Insulin einzusparen. „Bei den Studienteilnehmern konnte die Dosis halbiert werden”, berichtet Professor Dr. Stephan Martin, Ärztlicher Direktor am Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum der Sana Kliniken in Düsseldorf. Ein weiterer Vorteil könnte darin bestehen, dass mit dem Zucker auch Kalorien über die Niere ausgeschieden werden. Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes sind übergewichtig, und einige Diabetesmedikamente steigern das Gewicht noch weiter. Martin: „Unter der Behandlung mit den SGLT 2-Hemmern nahmen die Patienten bis zu zwei Kilogramm Körpergewicht ab.”

Normabweichung

„Vorbild der SGLT 2-Hemmer ist eine Abweichung von der physiologischen Norm”, erläutert Martin. „Beim sogenannten Nierendiabetes kommt es infolge eines Defekts im SGLT 2 ebenfalls zu einem Verlust von Zucker über den Urin, ohne dass die Patienten erkranken. Ein zweiter Transporter, SGLT 1, sorgt dafür, dass genügend Zucker ins Blut transportiert wird.” Eine Unterzuckerung, eine lebensgefährliche Komplikation der Diabetestherapie, werde so verhindert.

Für Bewertung noch zu früh

Initiale Studienergebnisse legen nahe, dass diese SGLT-2-Inhibitoren vermehrt Harnwegsinfekte und Genital-Mykosen verursachen können. Wie ausgeprägt diese Probleme sein werden und ob sie anhand typischer Patienteneigenschaften vorhergesagt werden können, muss geprüft werden. In diesem Jahr werden noch einige neue Studienergebnisse erwartet, die das Verhältnis von Nutzen und Risiko besser abschätzen lassen werden. Daher sei es für eine abschließende Bewertung zu früh. „Ob die Medikamente auch langfristig ohne Risiken bleiben, kann derzeit noch nicht abgesehen werden“, meinte Martin beim 45. DDG-Kongress.

 

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