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Hohe Blutzuckerspiegel sind gefährlich für die Mutter und das werdende Leben. Der Schwangerschafts-Zucker sollte möglichst früh entdeckt werden.
 
Diabetologie 25. Mai 2010

Immer mehr Schwangere sind zuckerkrank

Verbessertes Screening und zeitnahe Behandlung senken Risiken für Mutter und Kind.

Die Zahl der werdenden Mütter mit einer Diabetes-mellitus-Erkrankung ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Hohe Blutzuckerspiegel machen die Schwangerschaft zu einem Risiko für Mutter und Kind. Eine Früherkennung durch Blutzuckertests wäre möglich. Während der 45. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) in Stuttgart diskutierten Ärzte und Wissenschaftler auch über Wege, wie Schwangere mit Diabetes schneller zum Spezialisten gelangen können.

Insgesamt 4,4 Prozent aller Frauen, die 2008 in Deutschland ein Kind zur Welt brachten, hatten einen Diabetes mellitus. Nur bei wenigen von ihnen war die Zuckerkrankheit bekannt, 3,4 Prozent erkrankten erst im Verlauf der Schwangerschaft. Der Gestationsdiabetes, eine besondere Glukosetoleranzstörung in der Schwangerschaft, könnte aber noch häufiger vorkommen, als es die Zahlen vermuten lassen. „In Deutschland werden mehr als 50 Prozent dieser Erkrankungen übersehen”, vermutet Dr. Helmut Kleinwechter, Diabetesfacharzt in Kiel und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Schwangerschaft der DDG.

Die Folgen des Gestationsdiabetes sind ein zu hohes Geburtsgewicht des Babys und häufige Geburtskomplikationen. „Bleibt der Diabetes unbehandelt, treten sie fünfmal häufiger als bei gesunden Müttern auf”, sagt der Experte. Er verweist auf Studien, in denen die frühzeitige Behandlung die Zahl der Neugeborenen-Todesfälle, das Steckenbleiben der Kinder im Geburtskanal sowie die damit zusammenhängenden Knochenbrüche und Armnervenlähmungen bedeutsam gesenkt hat. Kleinwechter fordert ein verbessertes Screening in Deutschland: „Ein Blutzucker-Suchtest muss dringend den Urinzucker-Streifentest ersetzen und in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen werden.” Wichtig sei auch, betroffene Frauen nach der Geburt weiter zu betreuen, auch wenn sich der Blutzucker zunächst normalisiert. Kleinwechter: „Jede zweite vom Gestationsdiabetes betroffene Frau erkrankt in den zehn Jahren nach der Geburt an Diabetes mellitus.”

Typ-1-Patientinnen gut betreut

Anders als der Gestationsdiabetes ist eine Schwangerschaft von Frauen mit Typ-1-Diabetes vergleichsweise seltener. Diese Frauen werden, wie alle Schwangere, die Insulin spritzen, an spezialisierten Perinatalzentren betreut. Gestiegen ist die Zahl der Schwangeren mit einem Typ-2-Diabetes. Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährungsgewohnheiten führen dazu, dass zunehmend bereits Frauen im empfängnisbereiten Alter daran erkranken. Kleinwechter schätzt den Anteil auf mindestens 20 Prozent aller Schwangerschaften mit vorbekanntem Diabetes, Tendenz steigend. Häufig sind es ältere Mütter und viele haben einen Migrationshintergrund. Kleinwechter: „Häufig leiden die Patientinnen an Herz- und Kreislaufbeschwerden und nehmen Medikamente ein. Auch Sprach- und Verständigungsprobleme, die fehlende Vorbeugung von Fehlbildungen durch Folsäure und die oft sehr späte Überweisung an die Zentren verschlechtern die Chancen auf eine komplikationsarme Geburt.”

Auch diese Schwangeren müssten deshalb rechtzeitig vom Hausarzt zum Spezialisten überwiesen werden, fordert Kleinwechter. Ein Weg, diese sinnvollen Maßnahmen besser zu verbreiten, könnte die bessere Aufklärung der betroffenen Frauen sein.

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