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Ein gut geschulter Patient im DMP „Therapie aktiv“ sorgt auch selbst für die Erreichung der mit dem DMP-Arzt vereinbarten Behandlungsziele.
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Doz. Dr. Raimund Weitgasser Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg, Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG)

 
Diabetologie 11. Mai 2010

„Therapie aktiv“:

Motivierte Ärzte und Patienten

Die erste Zwischenbilanz für das integrierte Diabetes-Programm zeigt gute Behandlungserfolge.

Vor knapp drei Jahren wurde mit der Umsetzung des Disease Management Programms (DMP) Typ-2-Diabetes „Therapie aktiv“ begonnen. Nun bestätigen Auswertungen der Evaluationsstudien, dass der eingeschlagene Weg richtig ist.

Die Zwischenergebnisse des Programms, das von den Sozialversicherungen gemeinsam mit der Österreichischen Diabetes Gesellschaft und dem Gesundheitsministerium konzipiert worden war, sprechen für sich: Eine in Salzburg durchgeführte DMP-Studie zeigt eine deutliche Zunahme der Häufigkeit von Diabetes-spezifischen Vorsorgeuntersuchungen (Augen- und Fußuntersuchungen) nach nur einem Jahr. Außerdem bewirkte das Programm schon nach dieser kurzen Zeit eine bereits signifikante Senkung von HbA1c und Blutdruck sowie eine Verbesserung des Fettstoffwechsels. Ähnliche Befunde wurden in der Steiermark erhoben.

Besser und preiswerter

Von rund 400.000 mit Diabetes diagnostizierten Patienten in Österreich sind derzeit nur etwa 17.000 im DMP eingeschrieben. Das ist noch ein geringer Prozentsatz. Auch wenn man davon absieht, dass das Programm in Vorarlberg und Tirol gerade erst anläuft und in Kärnten offenbar noch keine Finanzierung für eine Umsetzung geschafft wurde. Der Streit um eine Fortsetzung des Programms in Niederösterreich hat sich erfreulicherweise beilegen lassen.

Wir befinden uns damit eindeutig am Weg zu einer besseren Versorgung von Patienten mit Typ-2-Diabetes in Österreich. Auf lange Sicht ist so eine hohe Lebensqualität mit einer Verringerung der Zahl diabetischer Folgeerkrankungen erreichbar. Dies wird sich zudem, wie ein Pilotprojekt und die DMP-Daten in der Steiermark bestätigen, in einer deutlichen Kostenreduktion auswirken: weniger Krankenhausaufenthalte, weniger medikamentöse Maßnahmen bei gut informierten und motivierten Patienten und damit letztlich weniger teure Behandlungen wie Gefäßoperationen oder Dialysen.

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Programms stellt die Diabetesschulung dar, die über die letzten 20 Jahre flächendeckend in Österreich etabliert werden konnte. Der logische nächste Schritt liegt in der aktiven Teilnahme am DMP. Der Patient geht bei Einschreibung in dieses Programm einen speziellen Behandlungsvertrag ein und verpflichtet sich mit seinem betreuenden Arzt zu gemeinsam bestimmten Zielvereinbarungen. Diese individuellen Ziele, die bei jeder vierteljährlichen Untersuchung und gemeinsamen Bewertung festgelegt werden, dienen als motivierende Basis.

Trotzdem schreitet die Aufnahme von Patienten in das integrierte Behandlungsprogramm derzeit noch schleppend voran. Als mögliche Ursache wird der zusätzliche Administrationsaufwand in der Arztpraxis genannt. Dem Problem soll nun durch eine spezielle Fortbildung der Ordinationshilfen begegnet werden, die einen Großteil dieser Aufgabe erledigen können.

Damit kann eine fachliche Verbesserung der Betreuung nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft gewährleistet sowie die Qualitätszirkel der niedergelassenen Hausärzte gesichert werden.

Ablauf des Programms

„‚Therapie Aktiv‘ ist ein Diabetes-Langzeit-Betreuungsprogramm, in dessen Mittelpunkt der Patient und der Diabetesarzt stehen. Regelmäßige Betreuung und Therapie auf hohem Niveau sichern das bestmögliche Behandlungsergebnis für den Patienten und verhindern bzw. verzögern Spätfolgen“, beschreibt Prim. Dr. Gert Klima von der Steiermärkische Gebietskrankenkasse das Programm.

1. Stufe

Wie läuft das DMP derzeit ab? Der Arzt (Allgemeinmediziner oder Internist) erhält eine spezielle Ausbildung in einem von der Ärztekammer organisierten DMP-Seminar. Damit erwirbt er die Berechtigung, Patienten entsprechend des DMP zu betreuen. Nun können sich Patienten beim Hausarzt zum DMP einschreiben. Es folgt eine Erstuntersuchung, in der ein Risikoprofil erstellt, eine Diabetesschulung eingeleitet und zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen geplant werden (z. B. eine Augenfundus-Untersuchung). Nach individuellen Zielvereinbarungen bezüglich Gewicht, Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten werden Wege zur Lebensstil- und, wenn nötig, zusätzlich medikamentösen Therapie festgelegt. Grundlage für diese Maßnahmen sind die Leitlinien der Österreichischen Diabetes Gesellschaft. Die weiteren Untersuchungen im DMP erfolgen dann vierteljährlich.

2. Stufe

Können Zielwerte trotz aller Anstrengungen in der Praxis nicht erreicht werden, kommt die „2. Stufe“ des DMP zum Tragen und die Patienten werden an Fachärzte für Innere Medizin mit dem Zusatzdiplom Endokrinologie und Stoffwechsel oder an eine Diabetesambulanz zur (zumindest vorübergehenden) Betreuung überwiesen. Zukünftig sollen auch Ärzte für Innere Medizin mit einer Zusatzausbildung in Diabetologie (Curriculum derzeit in Ausarbeitung) in diese 2. Stufe eingegliedert werden. Bestandteil des Ausbaus dieser Stufe ist eine flächendeckende Installation diabetischer Fußambulanzen. Hier besteht noch ein hoher Aufholbedarf in Österreich.

3. Stufe

Die 3. Stufe in der Betreuung stellen dann die spezialisierten Krankenhausabteilungen und Rehab-Zentren dar, die diabetologische Schwerpunkte anbieten. Auch hier ist noch Bedarf zur Verbesserung gegeben. Insbesondere die Ausbildung zum Zusatzdiplom „Endokrinologie und Stoffwechsel“ muss in einem höheren Ausmaß, als dies derzeit der Fall ist, gewährleistet sein. Dies gelingt nur durch die Besetzung leitender Positionen mit Ärzten (Oberärzte, Primarärzte), die diese Zusatzqualifikation besitzen.

Mehr Teilnahme, bitte!

Insgesamt ist das Programm gut entwickelt und wird bereits weiter ausgebaut. Die Übernahme in die Regelfinanzierung durch die Sozialversicherungen scheint gesichert. „Es liegt nun an den Patienten, dieses Angebot zu nutzen, und an den betreuenden Ärzten, dieses Programm mitzutragen“, unterstreicht Doz. Dr. Raimund Weitgasser, Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft die Verantwortlichkeiten. „Wir fordern seitens der ÖDG dazu deutlich höhere Einschreibungsraten in das DMP – von beiden Seiten.“

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