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Foto: flickr / valentin.d
Warum eine Umleitung der Nahrung mittels Magenbypass einen Ausweg aus der Diabetes-Sackgasse bedeuten kann, wir nun erforscht.
 
Diabetologie 5. Mai 2010

Magenoperation heilt Diabetes

Grazer Mediziner untersuchen, was hinter dem Phänomen der wiederhergestellten Betazellfunktion nach Magenbypass steckt.

Durch einen Magenbypass wird auch der Glukosestoffwechsel positiv beeinflusst. Liegt bereits ein Typ-2-Diabetes vor, kann dieser bei der Mehrzahl der Patienten durch die Operation wieder zum Verschwinden gebracht werden. Bemerkenswerterweise tritt dieser Effekt bereits Tage nach dem Eingriff auf, also noch bevor es zu einer nennenswerten Gewichtsabnahme kommt.

Schätzungen zufolge ist die Hälfte bis zwei Drittel der Menschen mit extremer Adipositas auch zuckerkrank. Nach einer Magenbypass-Operation kommt es nicht nur bei Diabetikern, die noch mit Tabletten das Auslangen finden, zu einer raschen Normalisierung der Blutzuckerwerte, sondern auch bei vielen Patienten, die bereits Insulin spritzen müssen. Ob das auch für lange bestehenden Diabetes zutrifft, ist eine der Fragen, die das von der „European Foundation for the Study of Diabetes“ (EFSD) geförderte Projekt beantworten soll.

Geänderte Darmpassage entscheidend?

„Ziel der Studie ist es, Veränderungen im Glukosestoffwechsel bis zu einem Jahr nach der Magenbypass-Operation zu untersuchen“, so die Projektleiterin des Grazer Teams, Dr. Eva Svehlikova von der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Nuklearmedizin der MedUni Graz. Schweizer Partner ist das von Prof. Dr. Bernd Schultes geleitete interdisziplinäre Adipositaszentrum Ostschweiz, eine Einrichtung des Kantonsspitals St. Gallen. Die 85 Studienteilnehmer bestehen zu etwa gleichen Teilen aus Patienten mit schon lange bestehendem Diabetes, erst kurz bestehendem Diabetes und Nichtdiabetikern. Sie alle werden kurz vor der Operation, ein bis zwei Wochen nach der Operation und dann nach einem Jahr untersucht.

Vermutet wird, dass die rasche Verbesserung des Glukosestoffwechsels in erster Linie mit der geänderten Darmpassage der Nahrung zusammenhängt: Während die oberen Teile des Dünndarms durch den Magenbypass ausgeschaltet werden, kommen die unteren Teile schneller mit der Nahrung in Kontakt. Das hat Auswirkungen auf verschiedene Hormone, die vom Dünndarm nach der Nahrungsaufnahme freigesetzt werden und die Insulinsekretion der Bauchspeicheldrüse anregen. „Die Ausschüttung der Inkretine ist bei Typ-2-Diabetikern vermindert“, so Dr. Svehlikova. „Nach Magenbypass-Operationen kommt es wieder zu einer verstärkten nahrungsabhängigen Inkretinsekretion.“ Wichtige Einblicke in die Rolle der Darmhormone soll unter anderem der Vergleich von oralen und intravenösen (und damit unter Umgehung des Darms) Zuckerbelastungstests liefern. In aufwendigen Untersuchungen wird zudem bei allen Patienten die postoperative Veränderung der Insulinresistenz gemessen. Neben den Inkretinen interessieren sich die Forscher auch für Adipozytokine, Interleukine und die Expression von Genen, die an der Gewichtsregulation beteiligt sind. Dazu werden Blutuntersuchungen gemacht und Fettgewebsproben analysiert. Das Untersuchungsprogramm wird außerdem durch einen Herzultraschall ergänzt.

Von den Ergebnissen ihrer Studie erhoffen sich die Forscher auch praktische Auswirkungen: Ein besseres Verständnis der Ursachen von Typ-2-Diabetes bei Adipositas und der Verbesserung der Stoffwechsellage nach Adipositas-Chirurgie könnte zu neuen medikamentösen Behandlungsansätzen bei Diabetes führen.

 

MedUni Graz/PH, Ärzte Woche 18 /2010

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