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Diabetologie 13. April 2010

Der rechte Wert

Für den Blutdruck von Diabetikern sollte auch ein unterer Grenzwert festgelegt werden.

Bluthochdruck kann zu schweren Komplikationen führen. Aktuelle Studienauswertungen belegen nun, dass es sinnvoll ist, nicht nur nach oben, sondern auch nach unten Grenzwerte für den Blutdruck festzulegen. Dies gilt insbesondere für Patienten mit Diabetes, denn diese leiden häufig an einer Verengung der Herzkranzgefäße. Fällt ihr Blutdruck zu weit ab, wird ihr Herz nicht ausreichend versorgt.

Sowohl hohe Blutzuckerwerte in Folge des Diabetes mellitus als auch zu hohe Blutdruckwerte schädigen langfristig die Blutgefäße. Sie erhöhen das Risiko eines Schlaganfalls oder eines Herzinfarkts. Die Beobachtung der Blutdruckwerte und die Behandlung einer Hypertonie sind deshalb Teil der Diabetes-Therapie. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt bisher einen Zielblutdruck, der in Ruhe nicht höher als 130 zu 80mm Hg ist, die Österreichische Diabetes Gesellschaft spricht in ihren Leitlinien für die Praxis 2009 von einem Zielblutdruck bei Patienten mit Diabetes mellitus unabhängig vom Alter unter 130/80 mmHg, bei Patienten mit diabetischer Nephropathie unter 125/75 mmHg.

Zu niedrige Werte vermeiden

Bei gesunden Menschen gilt ein Blutdruck von 120/80mmHG als optimal. Auch etwas weniger schadet in der Regel nicht. Für Menschen mit Verengungen in den Herzkranzgefäßen, zu denen auch viele Patienten mit Diabetes gehören, kann ein oberer Wert von 120 jedoch bereits zu wenig sein. Vor allem ein Abfall des unteren Werts auf unter 75mmHg muss vermieden werden. Dieser untere Wert gibt den Blutdruck während der Entspannung des Herzens, der Diastole, an. In dieser Phase wird der Herzmuskel über die Herzkranzgefäße mit frischem sauerstoffreichen Blut versorgt. Sinkt der Blutdruck in der Diastole zu weit ab, kann die Blutversorgung des Herzens beeinträchtigt werden.

Blutdruck-Reserve

Wegen der Verengungen in den Herzkranzgefäßen benötigen betroffene Diabetiker hier quasi eine „Reserve“. Sonst könnten Komplikationen auftreten. Dies legen Auswertungen einiger Studien nahe, wie Diabetesexperten jetzt in einer aktuellen Stellungnahme von diabetesDE und DDG erläutern. Eine dieser Studien ist die ACCORD-Studie. Teilnehmer waren fast 5.000 Diabetespatienten mit erhöhtem Blutdruck. Bei einer Hälfte der Teilnehmer war es das Ziel, den oberen Blutdruckwert auf unter 140 zu senken. Bei der anderen Hälfte strebte man Werte von unter 120 an. Der niedrigere Zielwert hatte zwar keinen Anstieg von Todesfällen oder Herzinfarkten zur Folge. Es kam aber zu vermehrten Nebenwirkungen der Therapie. Dazu zählten starke Blutdruckabfälle mit kurzer Bewusstlosigkeit, Verlangsamungen des Herzschlags sowie Elektrolytstörungen oder Nierenschwäche.

Auch andere Studienergebnisse lassen vermuten, dass ein zu niedriger Blutdruck bei Menschen mit Verengungen in den Herzkranzgefäßen das Risiko von Komplikationen erhöht. Die European Society of Hypertension (ESH) hat deshalb kürzlich ihre Empfehlungen neu bewertet. Ebenso empfehlen diabetesDE und DDG in ihrer aktuellen Stellungnahme einen Zielblutwert von 130 bis 140/80-85 mmHg, wobei 130/80 mmHg weiterhin optimal sei. Ein auf Dauer erhöhter Blutdruck bei Diabetespatienten bedeutet nach wie vor ein hohes Risiko für Herzkreislauferkrankungen.

 

Stellungnahme der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und diabetesDE zum Zielblutdruck bei Diabetes mellitus, im März 2010:

http://profi.diabetesde.org/stellungnahmen/

diabetesDE/DDG/IS, Ärzte Woche 15 /2010

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