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Diabetologie 7. April 2010

Schlauch im Darm

Neue endoskopische Methode zur chirurgischen Intervention bei Fettsucht.

Ein neuer minimalinvasiver Eingriff könnte in Zukunft Patienten mit großem Übergewicht und Typ-2-Diabetes helfen, abzunehmen, wenn Ernährungsumstellung und Medikation nicht mehr wirken. Eine künstliche Barriere, über ein Endoskop im Dünndarm platziert, begrenzt dabei die Aufnahme der Nahrung. Studien zeigten den positiven Effekt der sogenannten Endobarriere, die jederzeit wieder entfernt werden kann, auf Gewicht und Blutzuckereinstellung.

„Die neue Technik benötigt im Gegensatz zur Magenverkleinerung keine Bauchschnitte“, betont Prof. Dr. Jürgen Hochberger, Tagungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Endoskopie und Bildgebende Verfahren (DGE-BV), auf deren 40. Jahrestagung die neue Technik kürzlich vorgestellt wurde.

„Die Endobarriere ist ein feiner, etwa 60 Zentimeter langer Kunststoffschlauch, der am Magenausgang befestigt wird und den oberen Teil des Dünndarms von innen auskleidet”, berichtete Prof. Richard Rothstein vom Dartmouth-Hitchcock Medical Center in Lebanon-Hanover im US-Staat New Hampshire. Die Folie ist für den Speisebrei undurchlässig. Die Aufnahme der Nährstoffe erfolgt deshalb erst im unteren Abschnitt des Dünndarms.

Die Operation ist reversibel

Der Effekt ist der gleiche wie bei einer Darmverkürzung mit dem Unterschied, dass die Endobarriere jederzeit wieder entfernt werden kann. In den klinischen Studien geschah dies nach drei, sechs oder zwölf Monaten. Während dieser Zeit haben die Patienten nicht nur deutlich abgenommen, sondern bei Typ-2-Diabetes mellitus haben sich auch die Blutzuckerwerte langfristig gebessert.

Zunächst soll die Endobarriere zur Vorbereitung einer späteren Operation eingesetzt werden, da eine Gewichtsabnahme das Risiko von Komplikationen verringert. Es sei jedoch vorstellbar, dass sie für einige Patienten zu einer langfristigen Lösung ihrer Adipositas werde.

Sie ist allerdings nicht die einzige Behandlung, die mit Hilfe eines Endoskops möglich ist. Eine weitere, vielversprechende Methode: die Magenverkleinerung durch Vernähen der Magenwände von innen. Weitere Ansätze sind die Platzierung eines neuartigen aufblasbaren Ballons, der das Sättigungsgefühl stärkt. Aber auch ein Magenschrittmacher oder die Injektion von Botox diskutieren die Experten als zukünftige Therapieoptionen.

40. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endoskopie und Bildgebende Verfahren e.V., 11. bis 13. März 2010, Hannover.

Pressemeldung 40. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endoskopie und Bildgebende Verfahren e.V./IS, Ärzte Woche 14 /2010

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