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Diabetologie 7. April 2010

Aus der eigenen Erfahrung lernen

Blick zurück auf zwei Jahrzehnte Behandlung von Diabetes: Die Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Jena analysiert bereits seit dem Jahr 1989, wie erfolgreich und qualitätsvoll ihre Patienten mit Diabetes mellitus therapiert werden.

Vor zwanzig Jahren startete die JEVIN-Studie, mit deren Hilfe Endokrinologen die Behandlungsqualität bei Thüringer Diabetespatienten erfassen. Die auch im internationalen Vergleich außergewöhnlich lange Laufzeit der Diabetes-Studie beschert eine umfangreiche Datensammlung, die unter verschiedenen Fragestellungen Vergleichsaussagen zu dieser chronischen Erkrankung ermöglicht. Zum Jahresbeginn 2010 beginnt die inzwischen vierte Nachuntersuchung der Studienteilnehmer.

Hans Krieg gehört seit dem Beginn der Studie zu den 190 Teilnehmern der „Jenaer St. Vincent-Studie“ (JEVIN). Der 68-Jährige hat Diabetes mellitus und ist bereits seit zwei Jahrzehnten im Funktionsbereich für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen der Klinik für Innere Medizin III in Behandlung. Jetzt ist er erneut unter den ersten Teilnehmern, die zusammen mit dem Ärzteteam von Prof. Dr. Ulrich Alfons Müller in die vierte Runde der Langzeitstudie starten. „Neben einer ähnlichen Studie in Großbritannien sind wir damit europaweit die einzigen, die eine Diabetesstudie mit einer solchen Laufzeit vorweisen können“, betont Müller.

Kosten als Teil der Studie

Der Leiter des Funktionsbereichs hat die JEVIN-Studie vor zwei Jahrzehnten initiiert. „Unser Ziel war es, den Stand und die Qualität der Diabetesbehandlung in Jena zu analysieren und zu dokumentieren“, so der Experte. Einbezogen wurden alle insulinbehandelten Jenaer Patienten mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes zwischen dem 16. und dem 60. Lebensjahr. Die Populationsstudie erfasst neben den Parametern zur Qualität der Stoffwechseleinstellung wie dem glykierten Hämoglobin A1c, dem Blutdruck und dem Auftreten von Folgeerkrankungen auch weitere Daten wie beispielsweise die Lebensqualität, die Behandlungszufriedenheit, die Therapiekosten in Form der Arzneimittelkosten und der Materialien zur Selbstkontrolle.

„Das erste Ergebnis sorgte 1990 für eine Überraschung, denn die Versorgungsqualität in Jena wies keinen Unterschied auf zur damaligen Vergleichsgruppe, die an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf behandelt wurde“, erinnert sich Müller an die ersten Studienergebnisse.

Es folgten im Abstand von fünf Jahren Nachuntersuchungen, die regelmäßig Aussagen zu den Veränderungen in der Diabetesbehandlung ermöglichten. Die Zahl der Studienteilnehmer erhöhte sich dabei 1994/95 auf 244 Patienten und 1999/2000 auf 291.

Verschlechterung der Werte

„1994 verschlechterten sich die Werte unserer Patienten und damit die Qualität der Behandlung – trotz der Einführung von Humaninsulin und der Blutglukose-Selbstkontrolle“, erinnert sich Müller. Die Ursachen dafür vermutet er darin, dass sich die Patienten erst an die neue, flexiblere Diabetestherapie und das damit verbundene viel höhere Maß an Eigenverantwortung gewöhnen mussten.

Die zweite Nachuntersuchung im Jahr 2000 erbrachte eine Wiederherstellung des Behandlungsniveaus, das sogar das des Jahres 1989 noch übertraf. Seitdem blieben die Ergebnisse konstant, was Studienleiter Müller als einen Beleg für die sehr hohe Qualität der Behandlung wertet.

In der nun startenden vierten Studie will Müller gemeinsam mit den Ernährungswissenschaftlerinnen Tabitha Heller und Dr. Nicole Müller die aktuelle Behandlungs- und Lebensqualität, die Lebenserwartung sowie die Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus dokumentieren. „Wir möchten dabei möglichst viele der ursprünglichen Teilnehmer der Studie wie Hans Krieg wieder als Probanden gewinnen“, so Müller.

UniJena/IS, Ärzte Woche 14 /2010

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