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Studienergebnisse von einer großen Kohorte postmenopausaler Frauen legen einen Zusammenhang zwischen erhöhten Testosteronspiegeln und Typ-2-Diabetes bzw. metabolischen Störungen nahe.
 
Diabetologie 14. Jänner 2010

Hyperandrogenämie in der Postmenopause

Hirsutismus ist ein besonders häufig auftretendes Symptom der Stoffwechselstörung. Es sollte als Risikomarker gewertet und nicht bloß als kosmetisches Problem betrachtet werden.

Das polyzystische Ovar-Syndrom ist eine der häufigsten Stoffwechselstörungen geschlechtsreifer Frauen, das durch unterschiedliche pathogenetische Mechanismen ausgelöst wird. Übergewichtige Frauen scheinen deutlich häufiger betroffen zu sein. Zusätzlich findet man nicht selten Störungen des Zuckerstoffwechsels mit einer hohen Prävalenz von Typ-2-Diabetes (T2DM) im fortgeschrittenen Alter. In einer Studie wurde nun untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen Hyperandrogenämie und T2DM bzw. metabolischen Störungen in der Postmenopause besteht.

Das polyzystische Ovar-Syndrom (PCOS) ist mit einer Prävalenz von zirka fünf bis zehn Prozent die häufigste endokrine Störung von Frauen im gebärfähigen Alter. Betroffene Frauen leiden an Hyperandrogenismus, der sich klinisch zumeist in Hirsutismus (vermehrte Behaarung, „Damenbart“) äußert, Oligo- oder Anovulation (klinisch meist Zyklusstörungen) und polycystischen Ovarien. Zusätzlich haben Frauen mit PCOS häufig eine Insulinresistenz, sind adipös und haben ein hohes Risiko, einen T2DM zu entwickeln. Bei postmenopausalen Frauen ist der Zusammenhang zwischen Hyperandrogenämie und T2DM nur unzureichend beschrieben und ob es ein postmenopausales PCOS gibt, ist ebenfalls noch unklar. Das Ziel unserer Studie war, einen Zusammenhang zu finden zwischen Hyperandrogenämie und T2DM bzw. metabolischen Störungen in der Postmenopause.

Wir untersuchten dabei Testosteron, Östradiol und metabolische Parameter bei 728 postmenopausalen Frauen ohne Hormontherapie, die an einer großen Herzkatheterstudie, der „Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health“ (LURIC)-Studie, teilgenommen haben.

Hoher Testosteronspiegel bedeutet hohes Risiko

Die medianen Testosteronspie-gel waren bei postmenopausalen Frauen mit T2DM signifikant höher als bei Frauen ohne T2DM, wohingegen die medianen Östradiolspie-gel in beiden Gruppen vergleichbar waren. Alle Frauen wurden gemäß ihrem Testosteronspiegel in zwei Gruppen unterteilt (höher oder niedriger als der mediane Testosteronwert der Studiengruppe).

Frauen mit höheren Testosteronspiegeln hatten ein 38 Prozent höheres Risiko, einen T2DM zu entwickeln, als Frauen mit niedrigen Testosteronwerten (OR 1,38; 95 % CI [1,02-1,86]; p = 0,039), unter Berücksichtigung von Alter und Body Mass Index (BMI). Weiters war bei Frauen mit hohen Testosteronspiegeln das Risiko für ein metabolisches Syndrom um 51 Prozent höher als in der Gruppe mit niedrigen Testosteronspiegeln (OR 1,51; 95 % CI [1,10-2,07]; p = 0,010) unter Berücksichtigung von Alter und BMI. Frauen mit Testosteronspiegeln > 0,7 μg/l hatten höheres Gewicht, größeren Bauchumfang, höhere Nüchternblutzucker-, Nüchterninsulin-, Nüchternproinsulin-, HOMA-IR-, LDL- und CRP-Werte sowie niedrigere HDL-Werte als Frauen mit niedrigem Testosteronspiegel (alle p < 0,05).

Risikopatientinnen frühzeitig identifizieren

Unsere Ergebnisse legen einen Zusammenhang zwischen erhöhten Testosteronspiegeln und T2DM bzw. metabolischen Störungen bei postmenopausalen Frauen nahe. Hohe Testosteronspiegel waren mit einem deutlich höheren Risiko für T2DM und metabolisches Syndrom unabhängig von möglichen Faktoren wie Alter oder BMI assoziiert.

Die Identifizierung von postmenopausalen Frauen mit Hyperandrogenämie könnte für die Präven- tion und Therapie von T2DM und metabolischen Störungen von Bedeutung sein: der ausgesprochen häufige Hirsutismus („Damenbart“) sollte also als medizinische Problematik ernst genommen, als offensichtlicher Risikomarker gewertet und nicht als kosmetisches Problem ignoriert werden.

Weiterführende Forschungsprojekte zum Thema „postmenopausales PCOS“ sind bereits im Laufen, um den komplexen Zusammenhang zwischen Hyperandrogenämie und metabolischen Problemen aufzuklären sowie Risikopatientinnen frühzeitig erkennen, therapieren und letztlich neue Therapiekonzepte entwickeln zu können.

Quelle: Die Studie „Assoziation von Hydroandrogenämie mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes und metabolischen Störungen in einer großen Kohorte postmenopausaler Frauen“ wurde im Rahmen der 37. Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, die im November 2009 in Salzburg stattfand, vorgestellt.

Korrespondierende Autorin:

1Dr. Elisabeth Wehr ist an der Universitätsklinik für Innere Medizin, Klinische Abteilung Endokrinologie/Nuklearmedizin, Medizinische Universität Graz, tätig.

Mitautoren: 1, 1 Dr. Stefan Pilz, 2,3 Prof. Dr. Winfried März, 4 Dr. Bernhard O. Böhm, 5 PD Dr. Bernhard R. Winkelmann, 1 Prof. Dr. Barbara Obermayer-Pietsch

 

1Universitätsklinik für Innere Medizin, Abteilung für Endokrinologie und Nuklearmedizin, Medizinische Universität Graz, Österreich; 2Mannheimer Institut für Public Health, Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg, Deutschland;

3Klinisches Institut für Medizinische & Chemische Labordiagnostik, Medizinische Universität Graz, Österreich;

4Klinik für Innere Medizin, Abteilung für Endokrinologie und Diabetes, Ulm Universität, Deutschland; 5Klinik für Kardiologie, Herzzentrum Ludwigshafen, Deutschland.

Mag. Dr. Natascha Schweighofer, Ärzte Woche 2 /2010

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