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Foto: Sportunion Österreich
Gutes Wetter und fachkundige Betreuung beim Nordic Walk in Schwaz/Tirol.
Foto: Privat

Mag. Christian Lackinger „Fit für Österreich”-Koordinator Sportunion Österreich

 
Diabetologie 14. Jänner 2010

„Aktiv Bewegt“

Bewegungsprogramm für Diabetiker verändert nachhaltig deren körperliche Aktivität.

Mindestens 150 Minuten Herzkreislauf-Training und zusätzlich zwei- bis dreimal 30 Minuten Krafttraining pro Woche empfehlen die neuen Leitlinien der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG). Die Sportunion hat mit dem Projekt „Aktiv Bewegt – Zielgerichtete Bewegung bei Diabetes“ seit März 2007 erprobt, wie sich diese Empfehlungen in die Betreuung von Diabetes-Patienten integrieren lassen. Nachfolgend ein erster Überblick über die Zwischenergebnisse aus dem Pilotprojekt und die Herausforderungen für die Zukunft.

Zahlreiche Studien belegen, dass Herzkreislauf- und Krafttraining einen wichtigen Beitrag in der Prävention und Therapie von Diabetes mellitus leisten können. An der Umsetzung in der Praxis fehlt es aber in vielen Fällen an Ansprechpartnern. Im Projekt „Aktiv Bewegt“ wurden 20 Bewegungszentren eingerichtet, welche von Diabetikern kostenlos genutzt werden konnten. Ziel war, einerseits die Gesundheit der Teilnehmer zu verbessern, anderseits fördernde und hemmende Faktoren für lebenslange körperliche Aktivität zu identifizieren. Über einen Zeitraum von acht Wochen (in 16 Einheiten) konnten Diabetiker kostenlos an einem zielgruppenspezifischen Bewegungsangebot teilnehmen. Die Programme wurden von einem Sportwissenschaftler geleitet und sollten die Teilnehmer befähigen, selbstständig ein Bewegungsprogramm durchzuführen. Darüber hinaus wurden die regionalen Bewegungsangebote vorgestellt. Durch eine Kooperation mit dem Verband der Diätologen Österreichs gab es begleitend Ernährungsworkshops.

Erfolgreich bewegt

Bis jetzt haben etwa 2.500 Personen mit dem Projekt begonnen. Für die Zwischenevaluierung wurden 860 Personen herangezogen. Davon waren 58 Prozent weiblich und 42 Prozent männlich. Das Durchschnittsalter betrug 59 Jahre (SD 9,6).

Das Ausmaß der körperlichen Aktivität konnte in den Trainingskategorien (gezieltes Herzkreislauftraining, Kräftigung der Muskulatur, Koordination, Wandern, große Spaziergänge) im Sechs-Monate-Follow-up deutlich gesteigert werden. Die Kategorien Fahrradfahren, Waldlauf, Dauerlauf, Ballspiele, Tennis und Schwimmen bleiben nahezu unverändert (siehe Tabelle).

Geben zu Beginn des Projekts noch knapp 80 Prozent der Teilnehmer an, nie ein gezieltes Kraftprogramm zu verfolgen, so konnte die Anzahl der Inaktiven in dieser Kategorie nach sechs Monaten auf 40 Prozent halbiert werden. Großen Stellenwert hat die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern und der Diabetesschulung (siehe Grafik). Durch diese Kooperation konnten 58 Prozent der Teilnehmer für das Bewegungsprogramm motiviert werden.

Jahresbegleitende „Aktiv-Bewegt“-Kurse

Durch das Bewegungsprojekt wurden erstmalig Sportvereine motiviert und qualifiziert, selbstständig zielgruppenspezifische Bewegungsangebote aufzubauen. Angeboten wurden die Gesundheitskurse in Wolfsberg und Klagenfurt, in Oberpullendorf und Mattersburg, in Graz und Leibnitz, in Wels und Gschwandt, in Purgstall und Krems, in Salzburg, Schwaz und Innsbruck sowie an fünf Standorten in Wien. Genauso wie im Pilotprojekt stehen die Stärkung des Herz-Kreislaufsystems und die Kräftigung der Muskulatur im Vordergrund. Wichtig ist ein abwechslungsreiches Programm, so dass keine Langeweile aufkommt. Die Gruppe spielt einen wichtigen Faktor für die lebensbegleitende Nutzung von Bewegungsprogrammen: Mit Gleichgesinnten lässt sich der innere Schweinehund leichter überwinden.

Viele Teilnehmer berichten auch, dass es unerlässlich ist, einen wöchentlichen festgelegten Termin für körperliches Training zu haben. Die Vereinseinheiten werden nach denselben Qualitätsstandards des Pilotprojekts durchgeführt und finanzieren sich selbst durch Mitgliedsbeiträge. Weitere Sportvereine leisten durch ihre gesundheitsorientierten Angebote einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Diabetes mellitus Typ  2. Das Angebot reicht von Nordic Walking über Herz-Kreislauf-Fitness bis zu Kräftigungseinheiten für den ganzen Körper.

Alltagsaktivität und körperliche Fitness

Neben dem Besuch des Bewegungsprogramms ist körperliche Aktivität im Alltag eine unerlässliche Säule in der Gesundheitsförderung. Die Kursteilnehmer werden angehalten, mindestens 30 Minuten pro Tag körperlich aktiv zu sein. In den Bewegungseinheiten wird dann gezielt an der körperliche Fitness gearbeitet, denn nur ab einer gewissen Intensität, Dauer und Häufigkeit kommt es neben den funktionalen auch zu den gewünschten morphologischen Veränderungen im Organismus.

Zielgruppenspezifische Angebote leisten einen wichtigen Beitrag in der Prävention und Therapie des Diabetes. Die ärztliche Empfehlung und Anbindung an eine strukturierte Schulung sind Schlüsselelemente bei der Umstellung des Lebensstils. Einstiegshürden können durch strukturierte Vernetzung von Medizin und Sport minimiert werden. Der regionale Bedarf an Bewegungsgruppen kann durch die Ergebnisse des Projekts gut geschätzt werden.

Literatur bei den Autoren.

 

Kontakt:

www.aktiv-bewegt.eu

Tabelle:
Veränderung der körperlichen Aktivität nach dem achtwöchigen Bewegungsprogramm
N (Baseline)=341Baseline8 Wochen Follow Up6 Monate Follow Up
Wandern, große Spaziergänge 2,5 2,5 3,3
Training      
Gezieltes Herz-Kreislauftraining 0,5 2,0 1,3
Gezielte Kräftigung der Muskulatur 0,5 1,6 0,9
Gezielte Schulung der Koordination 0,2 1,0 0,4
Sport      
Fahrradfahren 1,4 1,4 1,5
Wald/Dauerlauf 0,1 0,2 0,2
Ballspielen/Tennis 0,2 0,2 0,2
Schwimmen 0,3 0,3 0,3

Von Mag. Thomas Lamprecht und Mag. Christian Lackinger, Ärzte Woche 2 /2010

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