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Foto: Privat
PD Dr. Sabine Hofer, Department für Pädiatrie der MedUni Innsbruck
 
Diabetologie 14. Jänner 2010

Junge Pumpenabbrecher

Erhebung der Insulinpumpenrückgaberate bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1.

Pädiatrische Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 wurden in den letzten Jahren zunehmend mit Insulinpumpen versorgt. Die Pumpe hat stark an Bedeutung gewonnen, insbesondere bei Kleinkindern. Zahlreiche Studien beurteilen die Outcome-Parameter der Insulinpumpentherapie, wie metabolische Kontrolle, die Häufigkeit von Hypoglykämien oder Lebensqualität. Wenig Wissen lag bisher über jene Patienten vor, welche die Pumpentherapie beendeten.

Ziel unserer Datenanalyse anhand der prospektiven Diabetes Patienten Verlaufsdokumentation (DPV, http://dpv.mathematik.uni-ulm.de) war es, die Häufigkeit eines Insulinpumpentherapieabbruchs zu ermitteln und diese Patientengruppe näher zu charakterisieren.

11.710 Patienten wurden in 298 Diabeteszentren in Österreich und Deutschland seit 1995 mit einer Insulinpumpentherapie versorgt. 71 Prozent aller dokumentierten Patienten mit Pumpentherapie waren jünger als 20 Jahre. 54 Prozent waren weiblich. Die mittlere Diabetesdauer lag bei 8,8 Jahren. In dieser Gesamtgruppe wechselten 463 (4 %) Patienten von der Pumpentherapie auf eine intensivierte Basis-Bolus-Therapie. Im Mittel wurde die Insulinpumpe 1,7 Jahre lang getragen. Der HbA1c-Wert lag im Mittel bei 8,3 Prozent vor und bei 8,8 Prozent nach der Pumpentherapie. Bei jenen Patienten, die die Pumpe länger als drei Jahre getragen hatten, waren die HbA1c-Werte nach Beendigung der Pumpentherapie mit +1,5 Prozent signifikant schlechter.

Dies lässt den Schluss zu, dass eine Verschlechterung der Stoffwechseleinstellung einen wesentlichen Grund für die Beendigung der Pumpentherapie darstellt. Dies stimmt auch mit der Beobachtung überein, dass die Rate der Insulinpumpenabbrecher mit längerer Tragedauer abnahm. Je jünger die Patienten zu Beginn der Insulinpumpentherapie waren, desto niedriger war die Abbrecherrate. Kleinkinder scheinen ganz besonders von der Pumpentherapie zu profitieren, da nur ein Prozent der unter Fünfjährigen die Pumpentherapie beendete.

Mit Ausnahme der Kinder unter fünf Jahren hatten in allen Altersgruppen mehr Mädchen die Pumpentherapie beendet. Der Grund könnte eine bewusstere Körperwahrnehmung bei Mädchen in der Pubertät sein. Die Jugendlichen im Alter von zehn bis 15 Jahren beendeten die Pumpentherapie am öftesten (6 %).

Zusammenfassend ist die Pumpentherapieabbruchrate mit insgesamt vier Prozent sehr gering und spricht für eine hohe Therapiezufriedenheit. Jene Patienten, die die Insulinpumpentherapie dennoch abbrachen, zeigten eine signifikante Verschlechterung der Stoffwechselkontrolle im Sinne höherer HbA1c-Werte. Die höchste Rate an Pumpenabbrechern war im Alter von zehn bis 15 Jahren zu beobachten, Mädchen legten die Pumpe häufiger ab. Im Kleinkindalter ist die Pumpenrückgaberate verschwindend gering: Je jünger die Patienten zum Zeitpunkt des Beginns der Insulinpumpentherapie und je länger die Tragedauer, desto niedriger die Pumpenrückgaberate.

Von PD Dr. Sabine Hofer, Ärzte Woche 2 /2010

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