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Foto: Archiv
Prof. Dr. Hermann Toplak, Universitätsklinik für Innere Medizin der Med Uni Graz
 
Diabetologie 7. Jänner 2010

Diabetes immer besser im Griff

Große Umwälzungen in Diagnostik und Therapie. Neues Wissen kommt hinzu.

Vor 30 bis 40 Jahren galt die Fehling‘sche Probe noch als mögliches Diagnostikmittel, und Glukosekontrollen waren nur im Krankenhaus und Speziallabor möglich. In den 80er-Jahren kamen neue Geräte auf den Markt: Reflomat, Reflocheck und verschiedenste Blutzuckermessgeräte. Damals starteten auch die ersten Patientenschulungen. „Das alles trug dazu bei, Betreuung und Compliance der Patienten zu verbessern“, erzählte Dr. Manfred Rohrauer beim Allgemeinmedizinkongress in Graz. Auch heute wird an den therapeutischen Methoden gefeilt.

 

Erste Selbsthilfegruppen und die Einführung von Diabetesberatern ermöglichten deutliche Verbesserungen bei der Therapietreue der Patienten. Einen Durchbruch markierte die Einführung der Humaninsuline, die Ende des Jahres 2000 die tierischen Insuline vollkommen vom Markt verdrängten. Die Entwicklung hin zu einer größeren Gestaltungsfreiheit, einer besseren Qualität der Blutzuckereinstellung und zu einer zunehmenden Verringerung der Zahl von Akut- und Spätkomplikationen geht auch heute noch weiter. „Aber gerade deswegen sollte man als Arzt auch immer die Gefahr der ,Abnabelung‘ von der ärztlichen Betreuung bedenken und die Patienten in regelmäßigen Abständen in die Praxis bestellen. Dabei können das Therapiemanagement besprochen und die Behandlungsziele festgelegt werden“, erläuterte Rohrauer beim Allgemeinmedizinkongress in Graz.

Test in den Mutter-Kind-Pass

Die neuesten Entwicklungen in der Diabetesbehandlung präsentierte Prof. Dr. Hermann Toplak von der Universitätsklinik für Innere Medizin der Med Uni Graz. Bei jungen Menschen, insbesondere Frauen, erfolgt die Diagnostik des Diabetes mellitus Typ 2 praktisch ausschließlich über den oralen Glukosetoleranztest (oGTT). „96 Prozent aller Glukosepathologien werden bei unter 50-jährigen Frauen übersehen, wenn kein oGTT gemacht wird“, berichtete Toplak. Es sei daher sinnvoll, dieses Testverfahren auch im Rahmen des Mutter-Kind-Passes zu verankern.

Die Risikofaktoren sind bei Personen, die an Diabetes erkrankt sind, um einiges gravierender als bei Nicht-Diabetikern. Das gilt sowohl für den erhöhten systolischen Blutdruck als auch für erhöhtes Gesamtcholesterin.

Die Nüchternblutzuckerwerte sind beim Typ-2-Diabetes zwar auch Ausdruck für das relative Risiko für Komplikationen, die postprandialen Werte sind jedoch zur Risikoprädiktion für den individuellen Patienten noch besser geeignet. „Daher sollte auch öfters ein oGTT in der Allgemeinpraxis durchgeführt werden“, riet der Grazer Spezialist, „auch wenn das organisatorisch umständlich ist.“

Bereits vor einigen Jahren hieß es, dass Diabetes in allen Fällen mit Insulin zu behandeln sei. „Bisher gibt es keine einzige Studie, außer bei Insulinmangel, die nachgewiesen hat, dass dies bei gleicher Einstellungsqualität so sein muss“, meinte Toplak. Eine gute orale Einstellung könnte durchaus gleichwertig mit der Insulintherapie sein. Andererseits beeinflusst der Hyperinsulinismus – die Insulinresistenz mit inadäquat hohem Insulinspiegel – sowohl die kardiovaskuläre Morbidität als auch die Entwicklung von Krebs fast jeder Art, unter anderem von kolorektalen Karzinomen und Brustkrebs.

Von Christian Vajda, Ärzte Woche 1 /2010

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