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Foto: Buenos Dias/photos.com
Diabetiker müssen bei der Aufbewahrung des Insulins oder der Insulinpumpe besonders auf die Temperaturen achten, sonst kann es zu bösen Überraschungen kommen.
 
Diabetologie 10. November 2009

Wenn Insulin der Sonne ausgesetzt wird

Für eine diabetische Ketoazidose muss nicht immer ein schlecht eingestellter Blutzucker oder die unzureichende Compliance des Patienten der Grund sein.

Ein Fallbericht aus dem sonnigen Australien zeigt, dass es besonders an heißen Tagen zu fatalen Folgen kommen kann, wenn Diabetiker das Insulin nicht an einem kühlen Ort aufbewahren.

 

Ein elfjähriges Mädchen mit Typ-1-Diabetes wurde wegen anhaltenden Erbrechens und starken Bauchschmerzen in eine Notfallambulanz gebracht. Bei der Aufnahme lag der Blutzucker bei 371 mg/dl (20,6 mmol/l), zudem bestanden eine Ketonurie und eine Azidose pH 7,14. Der HbA1c war mit 7,9 Prozent entsprechend ihres akuten Zustandes angemessen.

Seit dem siebten Lebensjahr litt die Patientin unter Diabetes mellitus und seit elf Monaten wurde das Mädchen mit einer Insulinpumpe behandelt. An der Einstichstelle der Kanüle erkannte man keine entzündlichen Veränderungen und auch keine Lipohypotrophie. Die Pumpe lieferte das Insulin in der programmierten Rate.

Sofortmaßnahmen brachten rasch normale Blutzuckerwerte

Nachdem die Patientin sofort mit Insulin im Perfusor und einer Flüssigkeitszufuhr behandelt wurde, erholte sie sich rasch wieder. Am darauffolgenden Tag wurde die Therapie mit der subkutanen kontinuierlichen Insulinzufuhr in einer Basalrate von 0,8 Einheiten pro Stunde erneut begonnen. Bei einem Ausgangsblutzuckerwert von 76 mg/dl (4,2 mmol/l) stieg der Blutzucker zur Überraschung der behandelnden Ärzte innerhalb von einer Stunde auf 326 mg/dl (18,1 mmol/l) an. Man verabreichte über die Pumpe einen Korrekturbolus, was jedoch ohne Effekt blieb, vielmehr stieg der Blutzucker weiter bis auf 351 mg/dl (19,5 mmol/l) an.

Unter konventioneller subkutaner Insulintherapie konnte der Blutzucker rasch wieder normalisiert werden. Auf der Suche nach dem möglichen Fehler änderte man das Insulinreservoir der Pumpe, worauf unter Fortführung der normalen Basal- und Bolusdosen die Blutzuckerwerte wieder der Norm entsprachen.

Eine genaue Anamnese brachte die Lösung

Eine genaue Anamnese ergab, dass das Mädchen zwei Tage vor ihrer Noteinweisung ins Krankenhaus ihre Insulin-Pumpe auf einen Tisch neben dem Pool gelegt hatte, bevor sie zum Schwimmen ging. Dabei berücksichtigte sie nicht, dass die heiße Sonne Australiens mit 35 Grad Celsius auf die Pumpe schien. Offensichtlich war das in der Pumpe befindliche Insulin durch die Hitze degradiert und damit unwirksam geworden.

Obwohl Insulin bei korrekter Lagerung eine sehr lange Haltbarkeit hat (maximal zwei Jahre in der Klimazone Mitteleuropa), ist es dennoch gegenüber Kälte und Hitze empfindlich. Einmal gefroren, ist es unbrauchbar. Und ist das Insulin bei indirekter oder direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt, kann es – wie auch in diesem Fall beschrieben – zu einem deutlichen Wirkungsverlust des Insulins kommen. Da Insulin ein Protein (Peptidhormon) ist, wird es auch bei Hitze und Kälte schnell zersetzt.

 

 

Quellen:

1) MMW-Fortschr. med. Nr. 39/2009 (151. Jg); 25

2) R. Pryce Diabetic ketoacidosis caused by exposure of insulin pump to heat and sunlight. Brit. Med. J. 338 (2009) 7702, 1077–1078

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