zur Navigation zum Inhalt
 
Diabetologie 14. Oktober 2009

Kleine Maßnahme – große Wirkung

Bewegung, Abnehmen und präventive Intervention schützen vor Diabetes.

Hauptsache frühzeitig: Eine Änderung des Lebensstils und eventuell medikamentöse Intervention können entscheidend dazu beitragen, dass Typ-2-Diabetes, eine der Geiseln des 21. Jahrhunderts, besser in den Griff gebracht wird. Das bestätigten internationale Experten im Rahmen eines Symposiums bei der 45. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes.

Können Lebensstiländerungen das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, maßgeblich beeinflussen? Nach Prof. Dr. Jaako Tuomilehti von der Universität Helsinki, Finnland, kann diese grundlegende Frage mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet werden. Untermauert wird seine Aussage durch die Ergebnisse der Finnish Diabetes Prevention Study (DPS) und gleichartiger Studien in verschiedenen anderen Ländern. Bei der DPS wurden 522 Personen mit gestörter Glukose-Toleranz (IGT) untersucht. „Nach unseren Erkenntnissen erkranken mindestens 50 Prozent aller Menschen mit IGT innerhalb von zehn Jahren an Typ-2-Diabetes“, erläuterte Tuomelahti. Ein Studienarm musste ausschließlich durch Änderung des Lebensstils verschiedene Zielwerte betreffend körperliche Aktivität pro Tag, Ernährung und Gewichtsreduktion erreichen, der andere Teil der Probanden fungierte als Kontrollgruppe; nach rund drei Jahren wurde Bilanz gezogen. Die Resultate der DPS lassen nach Tuomilehti darauf schließen, dass rein durch diese Lebensstiländerung das Risiko, an Diabetes zu erkranken, um fast 60 Prozent vermindert werden kann. Die über 60-Jährigen profitierten sogar noch stärker als die Teilnehmer mittleren Alters. Tuomilehti: „Schon geringfügige Maßnahmen bewirken einiges. Täglich ein Kilometer zu Fuß zurückgelegt, ergibt im Jahr eine Gewichtsreduktion von 2,5 Kilogramm.“

Präventive medikamentöse Intervention

„Eine Lebensstiländerung ist vor allem bei den so genannten low-risk-Patienten ganz klar die First-Line-Therapie“, bestätigte Prof. Dr. Malcolm Nattrass vom Royal College of Physicans of London (UK). Allerdings ist diese Umstellung für viele Patienten in der Praxis oft schwierig umzusetzen beziehungsweise beizubehalten. Und nicht bei allen kann dadurch eine Verschlechterung der Funktion der Betazellen gestoppt werden.

Bei Hochrisikopatienten und denjenigen, denen eine entsprechende Lebensstiländerung nicht möglich war, stellt eine pharmakologische Intervention den nächsten Schritt in der Prävention – es handelt sich ja um das Praediabetes-Stadium – dar. „Der Einsatz von Medikamenten in der Diabetes-Prävention ist, wie mehrere internationale Studienprogramme ergaben, erwiesen“, sagte Nattras. „Wir haben verschiedene Möglichkeiten, den Ausbruch der Erkrankung dadurch zumindest deutlich zu verzögern.“

Nach Nattrass zeigten die Ergebnisse der Study to Prevent Non-Insulin dependent Diabetes Mellitus (STOP-NIDDM), dass die Gabe von Alpha-Glukosidasehemmern wie Arcabose in einem Zeitraum von fünf Jahren zu einer relativen Risikoverminderung von 46 Prozent führt. Positive Ergebnisse brachte auch der Einsatz von Metformin oder Orlistat, vor allem weil dadurch eine signifikante Gewichtsreduktion bei den Patienten erreicht wurde. „Therapien, die eine Gewichtsreduktion bewirken, ermöglichen erwiesenermaßen einen Diabetes-Schutz“, resümierte Nattrass.

Nach Ausbruch der Krankheit

Frühzeitige, energische Intervention, wenn die Krankheit schließlich doch ausgebrochen ist, empfiehlt Prof. Dr. Rury Holman von der Universität Oxford und stützt sich dabei auf die Daten der United Kingdom Prospective Diabetes Study (UKPDS), einer seit 20 Jahren laufenden Studie an mehr als 5.000 Patienten. „75 Prozent der Diabetiker sterben an Gefäßerkrankungen“, erläuterte Holman; dementsprechend waren auch die Endpunkte der Studie auf diabetesspezifische vaskuläre Erkrankungen (Schlaganfall, Herzinfarkt, Komplikationen am Auge, Amputationen) festgesetzt worden. Die Ergebnisse boten ein klares Bild: Es kommt in der Typ-2-Diabetestherapie vor allem darauf an, effektiv den Blutzucker zu senken, wobei die Wahl der medikamentösen Therapie dabei von untergeordneter Bedeutung ist; jeder Prozentpunkt, den der HbA1C-Wert näher an den normoglykämischen Wert herangebracht werden kann, wirkt sich günstig auf die Prognose aus. Ähnliches zeigte sich hinsichtlich der Blutdrucksenkung bei Diabetikern mit Hypertonie. Egal ob ein ACE-Hemmer oder ein Betablocker eingenommen wurde – das Risiko für Diabetes-typische Komplikationen sank um so mehr, je besser der Blutdruck eingestellt wird. „Außerdem wurden alle Überlebenden in ein zehnjähriges Post-Trial-Monitoring-Programm übernommen“, sagte Holman. „Dabei erwies sich, dass dieser intensive Therapieansatz zu Beginn der Erkrankung sich auch später noch positiv auf die Gesundheit der Patienten auswirkt.“

 

Quelle: „Changing the Course of Diabetes with Modern Treatment“ Symposium der Firma Novo Nordisk im Rahmen der 45. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes, am 29. September 2009 in Wien

Von Mag. Ingo Schlager, Ärzte Woche 42 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben