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Diabetologie 14. Oktober 2009

Höchste Eisenbahn

Das Diabetesrisiko von psychiatrischen Patienten wird häufig ignoriert.

Dr. Richard Holt (University of Southampton) hielt ein Plädoyer für Wachsamkeit gegenüber Menschen mit schweren Psychosen – denn würden Risikofaktoren früher erkannt und behandelt, könnte die physische Krankheitslast von psychisch Kranken deutlich vermindert werden. Es herrsche dringender Handlungbedarf.

Dass die Mortalität unter psychisch Kranken aufgrund der Suizidrate erhöht ist, ist bekannt. Dass jedoch drei Viertel der Todesfälle auf das Konto von physischen Erkrankungen gehen, findet wenig Beachtung. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung sterben Menschen mit Erkrankungen wie Schizophrenie oder bipolarer Störung bis zu 20 Jahre früher. Diabetes tritt bei ihnen fast dreimal häufiger auf.

Der Zusammenhang zwischen psychischen und physischen Erkrankungen ist komplex und resultiert unter anderem aus genetischen und umweltbedingten Faktoren.

Die Gesundheitsversorgung von Personen mit schweren psychischen Erkrankungen ist jedoch oft unzureichend. Diese Patienten haben seltener Gelegenheit zu Screenings auf Diabetes und kardiovaskuläre Risikofaktoren, ganz zu schweigen von Präventionsmaßnahmen.

Die erhöhte kardiovaskuläre Mortalität ist teilweise Risikofaktoren geschuldet, die vermieden werden könnten: Adipositas, Rauchen, Diabetes, Hypertonie und Dyslipidämie. Würden diese früher erkannt und behandelt, könnte die physische Krankheitslast deutlich vermindert werden.

Antipsychotika sind effektiv und notwendig beim Management von Schizophrenie und manisch-depressiver Erkrankung. Psychiatrische Patienten, die ihre Medikation nicht einhalten, tragen ein höheres Mortalitäts- und Suizidrisiko und müssen häufiger stationär behandelt werden als therapietreue. Allerdings ist die Therapie mit Gewichtszunahme assoziiert. Daher haben die EPA (European Psychiatric Association) unter der Leitung von Dr. Marc de Hert, der EASD (European Association for the Study of Diabetes) und der ESC (European Society of Cardiology) ein Positionspapier verfasst, um die gesundheitliche Versorgung dieser Patienten zu verbessern. Die Anamnese sollte Folgendes umfassen: Details zu früheren kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes oder damit verbundenen Krankheiten, frühes Auftreten solcher Erkrankungen in der Familiengeschichte, Rauchgewohnheiten, klinische Untersuchung, Ermittlung von BMI und Bauchumfang, Laboruntersuchung: Nüchternblutzucker, Blutfettwerte (Gesamtcholesterin, Triglyzeride, LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin)und EKG.

Das Positionspapier bietet auch praktische Ratschläge für das Management von Risikofaktoren, wobei auf Lifestyle-Veränderungen und den präventiven Einsatz von Herzkreislauf-Medikamenten besonderes Augenmerk gelegt wird.

 

Positionspapier: www.em- consulte.com/article/223719


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